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Duderstadt Pflegeeinrichtungen lehnen Freiwilligendienst ab
Die Region Duderstadt Pflegeeinrichtungen lehnen Freiwilligendienst ab
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20:06 21.11.2010
Wertvolle Arbeit im sozialen Bereich: Zivildienstleistende sind auch in Eichsfelder Einrichtungen eine Unterstützung.
Wertvolle Arbeit im sozialen Bereich: Zivildienstleistende sind auch in Eichsfelder Einrichtungen eine Unterstützung. Quelle: Pleul
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Jährlich leisten Tausende von jungen Erwachsenen in Pflegeeinrichtungen, Vereinen oder anderen Institutionen mit diesem Ersatzdienst wertvolle Arbeit in sozialen Bereichen. Schon ab dem nächsten Jahr könnte dies anders sein. „Natürlich bin ich nicht begeistert“, sagt Jürgen Thoridt ungeschminkt. Der Geschäftsführer des Krankenhauses St. Martini bemängelt die Kurzsichtigkeit des Gesetzes. Bei der Fixierung der Debatte auf die Umgestaltung der Bundeswehr sei außer Acht gelassen worden, wie wichtig Zivis in vielen Branchen seien. „Es wurden sich keine Gedanken darüber gemacht, wer die Arbeit dann machen soll.“

Der Vorschlag von Familienministerin Kristina Schröder (CDU), diese Lücke mit einem Freiwilligendienst zu schließen, sei in seinen Augen keine Lösung: „Es ist fraglich, wie viele sich freiwillig tatsächlich bereit erklären.“ Dazu würden schlicht die Anreize fehlen, eine Bevorzugung freiwillig Engagierter bei der Studienplatzvergabe könnte ein solcher sein, schlägt Thoridt vor.
So wie es im Moment aussehe, sei mit dem Wegfall der Wehrpflicht im nächsten Jahr ein personeller Engpass zu erwarten. Bis zu fünf Ersatzdienstleistende sind im St. Martini und dem dazugehörigen Altenpflegeheim im Schnitt beschäftigt. Diese Lücken müssten dann Angestellte oder auch Praktikanten schließen. „Da muss man sich jetzt kurzfristig schon Gedanken machen.“

Ähnlich schätzt Gerhard Blank, Geschäftsführer der Pflege- und Betreuungseinrichtungen St. Georg und St. Laurentius, die Situation ein: „Die Idee der Freiwilligenarbeit wird so nicht einschlagen.“ Die Erwartungen der Bundesfamilienministerin, was die Bereitschaft zu freiwilliger Arbeit betreffe, würden sich nicht mit seinen Erfahrungen decken. Entsprechend erwarte er, im nächsten Jahr auf die Arbeitskraft von Zivis verzichten zu müssen, „obwohl ich Optimist bin“. Um den Betrieb so aufrecht zu erhalten, würden dann als Ausgleich neue Mitarbeiter eingestellt – ohne ausreichend Personal gehe es nicht. Bedauernswert findet er die Neuregelung aber auch für die betroffenen Jugendlichen. Sie würden so wahrscheinlich größtenteils direkt ins Berufsleben starten. „Unsere Zivis – es sind immer zwei oder drei – haben auch immer viel für sich mitgenommen“, hält er dem entgegen.

Nicht betroffen von der gesetzlichen Neuregelung sind die kleineren Pflegeeinrichtungen im Eichsfeld. Die meisten von ihnen beschäftigen in der Regel keine Zivildienstleistenden.

Von Christina Stender