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Duderstadt Politischer Erdrutsch im Flecken Gieboldehausen
Die Region Duderstadt Politischer Erdrutsch im Flecken Gieboldehausen
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19:13 12.09.2011
Von Kuno Mahnkopf
CDU-Wahlparty im Amtsrichter: Gebannt verfolgen Kandidaten und Gäste am Laptop das Eintrudeln der Wahlergebnisse. Quelle: Walliser
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Gieboldehausen

Mit dem Senkrechtstart der Freien Wähler, erdrutschartigen Verlusten der CDU, dem Ausscheiden der FDP und dem Einzug der Grünen werden jetzt in der Mittelpunktsgemeinde die Karten völlig neu gemischt.

In zwei von drei Wahlbezirken lieferten sich die Freien Wähler bei höherer Wahlbeteiligung als 2006 ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU, wurden schließlich im Gesamtergebnis mit 30,22 Prozent zweitstärkste Fraktion nach der CDU. Die stürzte von 61,66 Prozent vor fünf Jahren auf nunmehr 38,77 Prozent ab – ein Verlust von fast 23 Prozent. Knapp 2,5 Prozent abgeben musste die SPD, die bei 26,29 Prozent landete. Neu im Rat vertreten sind die Grünen mit 4,16 Prozent und einem Sitz für Michael Preiß, nicht mehr vertreten die FDP mit Ellen Sagel, die mit 0,55 Prozent in die Bedeutungslosigkeit abstürzte. Statt einer komfortablen Mehrheit von neun Mandaten ist die CDU im neuen Rat nur noch mit sechs Sitzen vertreten, SPD und FW mit jeweils vier Sitzen.

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Die Gretchenfrage, wer mit wem zusammengeht und wer den Bürgermeister stellt, hängt jetzt an der SPD. Die SPD-Fraktion werde am Mittwoch darüber beraten, wie es weitergeht, teilt Otmar Pfeifenbring mit, der mit 436 die meisten Stimmen im Flecken erhielt – vor Hubert Hackenfort (FW, 365 Stimmen) und dem amtierenden Bürgermeister Norbert Leineweber (CDU, 332 Stimmen). Pfeifenbring will Gespräche sowohl mit CDU als auch FW führen, schließt aber wie auch die FW aus, einen CDU-Bürgermeister zu wählen. Das begründet er auch damit, dass die CDU ihn vor fünf Jahren als stellvertretenden Bürgermeister abgelehnt habe. Die FW, so Pfeifenbring, hätten bereits signalisiert, nicht auf den Bürgermeister-Posten zu bestehen.

Überwältigt vom Wahlergebnis ist Hackenfort, der nicht mit einem derart großen Erfolg für die FW gerechnet hatte. „Wir streben auf jeden Fall einen Wechsel an“, sagt Hackenfort. Man wolle Gespräche mit der SPD führen und abwarten, wie die Meinungsbildung verlaufe, um dann das weitere Vorgehen zu beraten.

Noch bedeckt gibt sich Leineweber, der nach jahrzehntelangem kommunalpolitischem Engagement persönlich enttäuscht vom Wahlergebnis ist. „Wir haben nichts falsch gemacht“, meint der CDU-Bürgermeister und zeigt sich vom Erfolg der FW in diesem Ausmaß überrascht. Auch Leineweber hält die Bürgermeister-Frage derzeit für völlig offen.

Samtgemeinderat: CDU verliert vier Sitze

Im Rat der Samtgemeinde Gieboldehausen bleibt die CDU mit 61,35 Prozent die mit Abstand stärkste Fraktion, muss allerdings gegenüber der Kommunalwahl 2006 mehr als elf Prozent und damit vier Sitze abgeben. Mit 18 Mandatsträgern ist die CDU im neuen Rat präsent, die SPD hat weiterhin sechs Sitze. Ausgeschieden ist die bisher mit einem Sitz vertretene FDP, neu hinzugekommen sind die Grünen mit zwei Mandaten. Die Freien Unabhängigen Wähler erreichten auf Samtgemeindeebene rund 12,5 Prozent, stellen künftig über den Bilshäuser Thomas Wüstefeld hinaus drei Gieboldehäuser Vertreter im Rat.
Mit Verlusten bei der Samtgemeindewahl hatte CDU-Fraktionsvorsitzender Franz Jacobi gerechnet, nicht aber in dieser Höhe. „Wir können damit leben“, kommentiert er das Ergebnis, ist aber enttäuscht über den „nicht nachvollziehbaren Mandatsverlust“ von Wollbrandshausens Bürgermeister Georg Freiberg und des energiepolitischen Fraktionssprechers Josef Sorhage. In seinem Heimatort ist der langjährige Krebecker Bürgermeister nicht mehr angetreten.
Nicht mehr im Rat seiner Heimatgemeinde Bilshausen vertreten ist SPD-Samtgemeindefraktionschef Reinhard Dierkes. Nach der Samtgemeindewahl werde sich jetzt zeigen, inwieweit eine Zusammenarbeit mit Freien Wählern und Grünen in der Oppositon möglich sei und sich gestalten ließe, meint Dierkes.