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Duderstadt Polnische Jugendliche aus Kartuzy besuchen das Tabalugahaus
Die Region Duderstadt Polnische Jugendliche aus Kartuzy besuchen das Tabalugahaus
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18:30 12.07.2013
Lektion im Brotbacken: Der gelernte Bäcker Eduard Nolte (mit Bart) mischt mit den Jugendlichen einen Teig an.
Lektion im Brotbacken: Der gelernte Bäcker Eduard Nolte (mit Bart) mischt mit den Jugendlichen einen Teig an. Quelle: Schauenberg
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Duderstadt

Der Ofen heizt sich bereits seit mehreren Stunden auf. Schon um sechs Uhr früh wurde er angefeuert, damit die polnischen und deutschen Jugendlichen im Rahmen einer Austauschaktion des Tabalugahauses darin gemeinsam Brot backen können.

Das Motto des Aufenthalts der polnischen Gäste im Alter von zwölf bis 18 Jahren aus Duderstadts Partnerstadt Kartuzy in der im September 2012 neu eingerichteten Unterkunft des Schutzräume-für-Kinder-Projekts lautet „Begegnung“. Vom 10. bis zum 21. Juli sind 16 Waisenkinder aus einem Heim in Kartuzy zusammen mit drei Betreuern im Tabalugahaus in der Marktstraße untergebracht.

Für die Zeit ihres Aufenthalts hat Tabalugahaus-Leiterin Kathrin Wüstefeld für sie ein Programm zusammengestellt, das unter anderem einen Trommelworkshop, eine Fledermaus-Exkursion, einen Tag auf der Heinz-Sielmann-Stiftung und erlebnispädagogische Angebote wie Bogenschießen umfasst. Für die Kinder und Jugendlichen aus Kartuzy ist der Besuch eine Belohnung für gutes Betragen und gute Noten, sagt ihre Betreuerin Anja Laporska. 

In einem öffentlichen Aufruf wurden auch Eichsfelder Jugendliche im gleichen Alter dazu eingeladen, an den Angeboten teilzunehmen. Zehn haben sich dafür gemeldet – trotz Ferienzeit. Zwei Dolmetscherinnen, Elisabeta Ohse aus Fuhrbach und Helga Chrpa aus Gerblingerode, unterstützen dabei ehrenamtlich die bilinguale Verständigung.

Gemeinsames Essen

Am ersten Tag bereiten die polnischen und deutschen Jugendlichen gemeinsam ein Essen zu. Natürlich sei gerade das Brotbacken auch ein wenig symbolisch gemeint, erzählt Oliver Weng, der die Aktion für das Tabalugahaus unterstützt. Brot als Symbol für Geselligkeit, Teilen und gemeinsame Anstrengung.

Die gemischte Gruppe hat sich interessiert und aufmerksam um den großen Arbeitstisch im Gartenhaus, das jetzt zur Backstube wird, versammelt. Der gelernte Bäcker Eduard Nolte aus Immingerode erklärt den Kindern die Grundlagen des alten Handwerks. Parallel übersetzt Chrpa die Anleitung ins Polnische.

Nolte zählt auf, welche Zutaten der Teig enthalten soll und fügt sie gleichzeitig in einer großen Holzschale zusammen: Mehl, Hefe, ein paar Kräuter und dann das warme Wasser. „Wer möchte kneten?“, fragt der Bäcker. Freudig greifen vier paar Hände gleichzeitig in die weiche Masse, um sie zu formen. Ungefähr eine Stunde muss der Rohling dann im Ofen backen, bis er fertig ist.

Eine zweite Gruppe ist im Pavillon derweil damit beschäftigt Gemüse in mundgerechte Stücke zu schneiden. Möhren, Lauch und Blumenkohl sollen später in einem großen Topf über der offenen Feuerstelle landen und eine schmackhafte Suppe für 35 Leute ergeben. Mike-Patrik Schulz aus Hilkerode schneidet fleißig Zwiebeln ohne eine Träne zu vergießen. Vielleicht schützen auch die Brillengläser ein wenig vor den Ausdünstungen der Knolle.

Von der Aktion in der Zeitung erfahren

„Ich habe von der Aktion aus der Zeitung erfahren und dann meine Mutter gefragt, ob ich mitmachen darf“, erzählt der 16-Jährige. Kennen würde er zwar noch niemanden hier, aber das werde sich sicherlich schnell ändern, so Schulz. Mit einer polnischen Großmutter und einem rumänischen Vater ist der Hilkeröder auf den kulturellen Austausch auf jeden Fall schon mal gut vorbereitet.

Einen Tisch weiter zerkleinert Martyna Skibicka engagiert eine Kartoffel nach der anderen. Das Zusammentreffen im Schulgarten gefalle ihr sehr gut, sagt die 16-Jährige. In ihrer Heimatstadt Kartuzy, die übrigens genauso groß sei wie Duderstadt, gäbe es sehr viele Jugendliche, die oft gemeinsam etwas unternähmen.

Einen richtigen Eindruck von Duderstadt habe sie sich noch gar nicht verschaffen können, denn die Reisegruppe sei erst am Mittwochabend angekommen. Besonders freue sich Skibicka daher auf die Stadtbesichtigung, dort werde sie sicher ein paar interessante Fotos machen können. Die passende Kamera dafür hängt bei der Hobby-Fotografin auch schon um den Hals.

Besuch in der Kirche

Ein Besuch der Kirche sei ihr außerdem ein Anliegen, so Skibicka. Dolmetscherin Ohse erklärt: „In Polen ist ein Sonntag ohne Kirche wie Blumen ohne Wasser.“ Das gelte für die Erwachsenen genauso wie für die Kinder. Am meisten freuen sich die polnischen Gäste allerdings auf ein ganz besonderes Ereignis in ihrer Partnerstadt: beim großen Schützenfest an diesem Wochenende in Duderstadt wollen sie alle einmal vorbeischauen.

Diesen internationalen Austausch möglich gemacht habe ein breites Netzwerk, verdeutlicht Tabalugahaus-Leiterin Wüstefeld die organisatorische Leistung. So sei beispielsweise die Unterstützung des Landesverbandes „Deutsche Jugend in Europa“ bei der Akquise von Fördergeldern hilfreich gewesen. Aber auch durch den Deutsch-Polnischen Freundeskreis seien wichtige Kontakte entstanden.

„Das Tabalugahaus ist im Übrigen noch bis zum September komplett belegt“, informiert Wüstefeld über die erfolgreiche Arbeit im Rahmen des Schutzräume-Projekts. In der mallorquinischen Einrichtung des Kooperationspartners, der Peter-Maffay-Stiftung, seien dieses Jahr 21 Gruppen untergebracht, im Tabalugahaus seien es 20. „Da sind wir schon ganz gut“, freut sich die Obernfelderin.

In elf Tagen soll gemeinsam mit den Jugendlichen ein Resümee der Begegnung gezogen werden – Das Tageblatt wird auch darüber berichten.

Von Anna Kleimann