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Duderstadt Pure Frucht ins Glas – ohne Schnickschnack
Die Region Duderstadt Pure Frucht ins Glas – ohne Schnickschnack
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19:30 05.08.2011
Obwohl Landfrauen-Vorsitzende Michaela Diedrich skeptisch guckt: der Geliertest ist bestanden.
Obwohl Landfrauen-Vorsitzende Michaela Diedrich skeptisch guckt: der Geliertest ist bestanden. Quelle: Pförtner
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Rhumspringe

Die Frucht kommt in vielen Variationen. Die Marktstände quellen im Sommer über vor dem, was landläufig als Obst bezeichnet wird. Alle möglichen heimischen Sammel- oder Einzelfrüchte, Stein- oder Sammelsteinfrüchte, Beeren, Schein- oder Kernfrüchte haben noch Saison oder kommen in Kürze. (Wer eine Überraschung erleben möchte, sollte an dieser Stelle einmal das Lexikon aufschlagen – ob digital oder analog – und nachschauen, ob das Lieblings-„Obst“ botanisch wirklich ist, was bislang angenommen wurde. Das entpuppt sich beispielsweise: Die Erdbeere heißt zu Unrecht so. Und auch Tomaten sind Obst).

Getreu dem Motto „Regional ist besser“, das Michaela Diedrich, Landfrauen-Vorsitzende und erste unter 650 Damen im Altkreis, ausgerufen hat, ist nun eine gute Zeit, die Früchte für schlechtere Zeiten oder auch einfach als Brotaufstrich zu konservieren – in Form von Marmelade. Auch wenn die Kirschen und Johannisbeeren, die die 48-Jährige für ihre Demonstration ausgesucht hat, tiefgekühlt waren – und sie somit ein klein wenig gemogelt hat.

Aber immerhin: „So wie der liebe Gott sie uns geschenkt hat, so wurden sie gepflückt, dann eingefroren und so landen sie nun in meiner Marmelade.“ Sie stammen aus Diedrichs Garten, sind nicht gespritzt und erfüllen somit alle Ansprüche. Denn: „Das Geheimnis einer guten Marmelade sind gute Zutaten.“

„Mancher schwört ja auf frische Früchte“, sagt die Altkreisvorsitzende der Landfrauen. „Aber ich sehe keinen Unterschied.“ Viel wichtiger sei, ob die Relation zwischen Preis, Aufwand und Ergebnis stimme, findet sie. Einen Großkampftag mit 50 Pfund Obst, das zu Marmelade geliert wird, wie das früher üblich war, macht sie trotzdem nicht mehr. „Früher gab es weniger Möglichkeiten, das Obst haltbar zu machen, das ist heute unnötig“, erklärt die Rhumspringerin, Dazu kam: Nutella und Frischkäse hatte man nicht unbedingt im Haus. „Marmelade war als Brotaufstrich Standard.“ Heute ist der Fruchtaufstrich nicht mehr „alternativlos“, deshalb seien kleine Mengen wie am heutigen Tag machbar, der Zeitaufwand liege höchstens bei einer Stunde.

Ausgesucht hat Diedrich diesmal keine „Messerspitze hier, Raffinesse da“-Marmelade, sagt sie. Sondern pure Frucht, ohne Schickschnack. „Das ist wichtig in der heutigen Zeit“ ist ihre Ansicht, denn manche Menschen wüssten gar nicht mehr, wie echte, frische Nahrungsmittel schmecken. Auch mit der Zusetzung von Alkohol ist sie vorsichtig. „Ich bin gegen versteckten Alkohol“, in die Marmelade komme er höchstens zu besonderen Anlässen, dann aber „gut gekennzeichnet“.

Zum Ausgangsprodukt Obst kommt noch Gelierzucker und zwar im Verhältnis 1:1. Andere Mischungsverhältnisse findet sie weniger vorteilhaft, es gebe auch 1:2 oder 1:3 Varianten, doch die beinhalteten meist Zusatzstoffe. „Da ist das Säuerungsmittel in der 1:1-Mischung das kleinere Übel.“ Zumindest für den, der sich an althergebrachte Obstsorten hält. Tomaten beispielsweise mögen zwar Obst sein – als Marmelade aber haben sie sich bisher nicht durchsetzen können.
In der nächsten Folge lesen Sie: Tipps und Tricks rund um Vorratshaltung.

Die Zubereitung: „Das kann spritzen“

Das Ziel: In maximal einer Stunde zu einer Marmelade, die sich im Zweifelsfall „mit dem Löffel essen lässt.“ Schritt eins: Schürze um, es geht um ein Lebensmittel, „das kann spritzen.“ Wer keine bereits vorbereiteten Kirschen hat, muss diese wohl oder übel entsteinen. Dann einen großen Topf, ausreichend Gläser (es reichen gereinigte Supermarkt-Konfitürengläser) und einen Pürierstab („Das Wunderwerkzeug schlechthin“) bereitstellen. Die aufgetauten Sauerkirschen („sind im Geschmack kräftiger“) mit Flüssigkeit abwiegen, hier sind es 1400 Gramm. Kirschen im Topf etwas erhitzen, dann geht das anschließende Pürieren leichter. Dabei „aber ein paar Kirschen am Leben lassen“, also das Fruchtfleisch nicht ganz zermatschen. 30 Sekunden mit dem „Wunderstab“ sollten reichen. Dann das gleiche Gewicht des Obstes als Gelierzucker zugeben. Beim Schütten bereits mit einem Löffel rühren. Es tut auch einer aus Holz. Ob das unhygienisch ist? „Jein“, lautet Diedrichs Hinweis. Wenn er nicht gut gereinigt ist, kann das sein, aber zumindest ist im Holz kein Weichmacher und schmelzen kann es auch nicht (siehe: „Das kleinere Übel“ im Haupttext).

Die Suppe aus Zucker und Frucht vier Minuten kochen lassen. Genau solange braucht der Gelierzucker, um seine Wirkung zu entfalten. Dann eine Probe nehmen, in einem Schälchen kurz ruhen lassen und schauen, ob sie steif wird. „Es gibt auch Obstsorten, die schlecht gelieren, wie Erdbeeren oder Johannisbeeren.“ Falls nicht, Zucker nachkippen und nochmals kochen.

Die Gläser nochmals ausspülen und auf eine Unterlage, beispielsweise ein Backblech stellen, falls durch die Hitze eines der Gläser springt. Dann vom großen in einen kleinen Topf und erst von dort in die Gläser umfüllen – jedoch erst bis zur Hälfte. Wenn das Behältnis ganz bleibt, kann die restliche Marmelade in spe nachgegeben werden. Die Gläser sofort zudrehen, das gewährleistet, dass sie luftdicht abgeschlossen sind. Die Marmelade kühl und dunkel lagern. Zellophanpapier, wie es früher zum Abdichten verwendet wurde, ist nicht nötig. Ganz wichtig: „Alles gleich sauber machen.“ Das Resultat: Sechs Gläser Kirschmarmelade.

Für die Johannisbeermarmelade gilt das gleiche Vorgehen. Nur sollten die Früchte vor dem Kochen durch ein feines Sieb gestrichen werden. „Damit nicht so viele Kerne drin sind.“ Alternativ ginge auch ein Leinentuch: Doch dann würde es sich um Gelee handeln, denn Fruchtfleisch wäre keines mehr vorhanden.

Von Erik Westermann