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Duderstadt Radsportverein Adler Rollshausen: Preisskat in Rollshausen
Die Region Duderstadt Radsportverein Adler Rollshausen: Preisskat in Rollshausen
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21:53 31.10.2013
Quelle: Schauenberg
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Rollshausen

Dabei ist das Ziel ganz einfach zu verstehen – es gewinnt, wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat.

Elf erfahrene Spieler aus dem Eichsfeld wollen an diesem Abend wissen, wer der Beste ist. Der Radsportverein Adler Rollshausen hat zum zweimal jährlich stattfindenden Preisskat in die örtliche Mehrzweckhalle eingeladen. Gespielt wird nicht um Geld, sondern um „Fleischpreise“, die bereits im Gefrierschrank bereitliegen.

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Die Spieler verteilen sich auf drei Tische, die Zusammensetzung wird ausgelost. Nach dem Mischen und Geben wird es dann ernst: An Tisch eins wird Grand gespielt. „Das heißt, er hat ein gutes Blatt und glaubt, dass er die meisten Punkte in dieser Runde einsammeln kann“, erklärt ein Spieler.

Drei sind nötig

Drei sind beim Skat nötig, wobei immer einer gegen die zwei anderen spielt. Wer das ist, wird vorher „ausgereizt“: Derjenige, der meint, dass er aufgrund seines Blattes am meisten Punkte kassieren kann, gewinnt das Reizen und wird Alleinspieler. Ähnlich wie in einer Auktion bietet man also dem Fragenden einen Spielwert an.

Überreizen ist keine gute Idee, denn wer sich verschätzt, verliert. Kopfrechnen ist also von Vorteil, ebenso wie gute Nerven und ein Quäntchen Glück. Und wie weit kann man reizen? „Das hängt entscheidend davon ab, was man glaubt aus dem Blatt herausholen zu können“, sagt Reinhard Scharf. Der CDU-Bürgermeister von Rollshausen sitzt mit am Tisch.

Im Uhrzeigersinn

Beim eigentlichen Spiel muss im Uhrzeigersinn bedient werden. Ziel ist es, einen Stich zu bekommen, das heißt, die Karten für sich zu einkassieren zu können. Dabei überstechen die Trümpfe alle anderen Karten. Den höchsten Wert haben die Buben, dahinter kommen die Asse. Insgesamt gibt es elf Trümpfe. Gute und erfahrende Spieler zeichnet aus, dass sie im Geiste nicht nur die Punkte mitzählen, sondern sich auch merken, welche Karten bereits ausgespielt sind.

Dafür ist eine Menge Übung nötig. „Früher war das gar kein Problem, gespielt wurde praktisch ständig“, sagt Scharf. „Freitags nach der Arbeit oder sonntagmorgens beim Frühschoppen haben sich die Männer im Dorfgasthof getroffen, und Preisskat war sehr üblich – oft wurde in der Herbstzeit um Gänse gespielt.“

Handy statt Kartenspiel

Mit der Schließung von Gasthöfen in den Dörfern gingen auch die Gelegenheiten zum Skatspielen immer mehr zurück. Der Vormarsch der elektronischen Unterhaltung in den vergangenen Jahren hat die Freizeitgewohnheiten weiter verändert. Dort, wo früher ganz selbstverständlich ein Kartenspiel in der Tasche steckte, findet sich heute ein Handy.

Wohl einer der Gründe, warum die Mitglieder der Preisskatrunde an diesem Abend zum Großteil die 60 überschritten haben. Doch wen es einmal gepackt hat, den lässt das Taktikspiel, das 1813 in Altenburg vorgestellt wurde, nicht so schnell wieder los.

„Für mich ist es das vielseitigste und interessanteste Spiel überhaupt“, sagt Siegfried Wagner. Der rüstige 81-Jährige hat mit 18 Jahren angefangen und ist regelmäßig beim Rollshäuser Preisskat dabei. „Keiner sagt ein Wort, man weiß nicht, was der andere denkt, und ein falscher Zug kann das ganze Spiel verändern“, so beschreibt er die Faszination, die Skat noch immer auf ihn ausübt.

Verlierer gibt es an diesem Abend übrigens keine, das Startgeld von acht Euro zahlt sich für jeden aus. Der Hauptpreis bleibt in Rollshausen: Der Bürgermeister kann den Braten mit nach Hause nehmen.

Von Birgit Freudenthal