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Duderstadt Raketen und Militärjets starten in der Feldmark
Die Region Duderstadt Raketen und Militärjets starten in der Feldmark
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06:16 16.08.2012
Kleine Modelle erfreuen sich großer Beliebtheit: Dicht an dicht drängen sich Zuschauer auf dem Flugplatz bei Germershausen. Quelle: Thiele
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Germerhausen

Ein menschenähnlicher Flugkörper schwebt über der Landepiste, kurze Zeit später kreist der Mingeroder Pannekauken vorbei, dann kommt ein Militärflugzeug angeflogen. Großes Kino in der sommerlichen Feldmark bei Germeshausen. „Wir haben alles am Start, was es gibt“, erläutert Mirko Heinrichs. Der Pressewart des EMC freut sich, dass auch Gastpiloten aus anderen Vereinen gekommen sind – beispielsweise aus Göttingen, Nordhausen und vom Heli-Club aus Westerode.

Zu den besonderen Hinguckern gehören Modelle für den Extremkunstflug wie eine Extra 330 LX, ausgestattet mit 200-Kubik-Motor und vier Zylindern. „Der Schub des Propellers ist größer als das Gewicht des Modells“, erklären Dirk und Werner Vaupel aus Herzberg. Dies versetze es in die Lage, senkrechte Figuren –  sogenannte 3-D-Figuren – zu fliegen.

Vor 28 Jahren gebautes Modell

Für Gesprächsstoff sorgt ebenso eine „Grunau Baby b II“, die im Original in den 30er Jahren ein Schul- und Hochleistungsflugzeug war. Der Herzberger Heinz Steinmann, der aus der großen Fliegerei kommt, hatte das Modell vor 28 Jahren gebaut. Nach einigen Jahren landete es auf seinem Dachboden. Nachdem er es von dort heruntergeholt und mit einer neuen Anlage ausgestattet hatte, steigt es am Wochenende nun erstmals wieder in die Lüfte. „Das war super. Der Schlepper hat schon gefragt, wann es wieder startet.“ Ein weiteres viel bestauntes Schmuckstück ist das Modell einer Junkers JU-52 mit 3,66 Meter Spannweite, das mit in Wellenform gepresstem Aluminium beplankt wurde. „Ich habe zwei Jahre daran gearbeitet“, sagt Michael Jäkel vom Modellflugsport-Verein MSV Condor aus Göttingen. Die Modelle fliegen sehr langsam und „verhalten sich so, wie die alte Tante JU eben war“, erzählt Jäkel.

Von kerosinbetriebenen Düsenjets über Hubschrauber und Segler bis zu ferngesteuerten Autos

Von kerosinbetriebenen Düsenjets über Hubschrauber und Segler bis zu ferngesteuerten Autos locken noch viele andere maßstabsgetreue Nachbildungen die Blicke an. Die Zuschauer staunen über Raketenmodelle, die Hagen Hübner aus Bernshausen präsentiert. „Man kann viel mit Aerodynamik und Elektronik machen, außerdem spielt die Materialkunde eine wichtige Rolle“, begründet der Physiklehrer sein Interesse an dem Hobby.

Spektakuläre Flugshows mit detailgetreuen Modellen und ungewöhnlichen Flugobjekten lockten rund 1200 Zuschauer zum Flugtag des Eichsfelder Modellbau-Clubs (EMC).

Haben die Raketen eine Höhe von 300 Metern erreicht, schweben sie langsam am Fallschirm wieder herunter. Vertreten sind auch Kriegsflugzeuge aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, sogenannte Warbirds, deren Besitzer ein eigenes Team innerhalb des EMC bilden. Diese sind nach Worten von Pressesprecher Mirko Heinrichs sehr anspruchsvoll zu fliegen, zu fünft oder sechst werde eine Staffel gebildet.

Immer mehr an Bedeutung gewinnen preisgünstige Styropormodelle, die nach Worten des Pressesprechers gerade auch für Anfänger geeignet seien „und fast so aus dem Baukasten kommen wie sie hier stehen und außerdem sehr reparaturfreundlich sind“. Der technische Fortschritt spiegelt sich beim Antrieb wider. „Die Entwicklung im Bereich Elektro hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Modellflug deutlich attraktiver geworden ist“, verdeutlicht der erste Vorsitzende Jan Friedrich. Ihn fasziniert am Hobby Modellbau besonders „die gute Gemeinschaft an der frischen Luft, der Spaß, den man mit anderen hat und der rege Erfahrungsaustausch. Das ist einfach genial“.

Wer testen will, ob Modellfliegerblut in ihm steckt, hat dazu am Sonntag, 19. August, Gelegenheit. Dann lädt der EMC von 10 bis 15 Uhr zum Schnupperfliegen mit vereinseigenen Modellen ein. Durch ein Schüler-Lehrer-System – wie in einer Fahrschule – ist dies völlig risikofrei.

Von Axel Artmann