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Duderstadt Reaktionen auf Drohbrief im Gieboldehäuser Gemeinderat
Die Region Duderstadt Reaktionen auf Drohbrief im Gieboldehäuser Gemeinderat
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19:15 16.09.2013
Von Ulrich Lottmann
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Gieboldehausen

Horst Kanngießer, Chefermittler der Duderstädter Polizei, versicherte im Rat mit Blick auf den unbekannten Verfasser: „Wir von der Polizei werden alles, alles tun, um denjenigen zu ermitteln.“

Der Drohbrief war unter der Tür des Gemeindebüros durchgeschoben worden und kündigte den Ratsmitgliedern für den Fall eines Verkaufs von Schützenplatz und Niedersachsenhof an, dass „hier in Gieboldehausen ein schreckliches Unglück passiert“. „Benachrichtigen Sie bitte auch Ihren Ehepartner“, hieß in dem perfiden Schreiben weiter. Wegen dieser Passage habe er schlaflose Nächte gehabt, erklärte Pfeifenbring im Rat: „Ich habe gelitten, auch gesundheitlich.“ Anschließend las er ein weiteres Schreiben vor, das von der Polizei dem gleichen Verfasser zugeordnet wird. Darin relativiert der anonyme Schreiber den ersten Brief, den er in „jugendlichem Leichtsinn und aus sonntäglicher Langeweile“ vollbracht habe.

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Schreiben stellt Bedrohung und Nötigung dar

Das beruhigte den Gemeinderat nicht. Alle Ratsmitglieder zeigten sich tief betroffen. „So etwas geht an die Substanz“, machte Wolfram Döring (Freie Wähler) deutlich. Jeder Kommunalpolitiker bringe viel Zeit und Energie für die Gemeinde ein, forderte er Respekt für dieses ehrenamtliche Engagement. Streitfragen und Konflikte sollten sachlich gelöst werden, erklärte Döring. Markus Gerhardy (CDU) bezeichnete den Drohbrief als „inakzeptabel“. Es gehe um demokratische Entscheidungen, rief auch er zur Sachlichkeit auf. Er wies in diesem Zuge darauf hin, dass es ähnliche Vorfälle bereits zuvor gegeben habe. Dennoch sei das Vorgehen des Bürgermeisters, der beide Briefe über das Tageblatt öffentlich machte, und der Polizei richtig, „um wachzurütteln und zu informieren“.

Für die Polizei stellte Kanngießer klar: „Dieses Schreiben stellt eine Bedrohung und Nötigung dar.“ Das sei ein Offizialdelikt, das heißt ein Vergehen, das vom Staat auch ohne Anzeige verfolgt wird. Kanngießer beklagte im Rat eine „Eskalation der Gewalt“ als ein gesellschaftliches Problem. „Mit so einem Brief fängt es an“, erläuterte er, warum die Polizei mit viel Energie nach dem Verfasser suchen wird. Er appellierte in der von mehr als 50 Zuhörern besuchten Ratssitzung an den anonymen Schreiber, sich zu stellen. Mögliche Zeugen sollten sich bei den Ermittlern melden.

Als Gieboldehäuser und im Ort engagierter Ehrenamtlicher rief er zu einer sachlichen Diskussion bei Streitfragen auf: „Das wünsche ich dem Rat und der Gemeinde.“