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Duderstadt Unter Strom
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00:17 11.03.2017
Quelle: dpa
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Duderstadt/Gieboldehausen/Katlenburg-Lindau

Zwei Trassenverläufe standen zur Wahl, nun haben sich die Netzbetreiber Tennet und Transnet BW auf die östliche Variante festgelegt. Diese führt aus dem Norden kommend in Südniedersachsen über Seesen, Katlenburg-Lindau, Gieboldehausen und Duderstadt. Die Entscheidung der Stromnetzbetreiber trifft in Katlenburg-Lindau weitgehend auf Verständnis: „Das eine geht nicht ohne das andere“, sagte der parteilose Gemeindebürgermeister Uwe Ahrens.

Schließlich unterstütze die Gemeinde die Energiewende. Trotzdem sei das Bauvorhaben ein erheblicher Einschnitt in die Landwirtschaft. In Gieboldehausen und Bilshausen drücken die Pläne dagegen deutlich auf das Gemüt: „Ich bin nicht begeistert“, sagte Bilshausens Bürgermeisterin Anne-Marie Kreis (CDU). Und Maria Bock (CDU), Bürgermeisterin von Gieboldehausen, emfpindet „schon erstmal Ohnmacht“. Während des Baus der Trasse werden die Kabel für die Hochspannungsgleichstromübertragung in 1,80 Meter Tiefe vergraben. Dadurch kann es zu einer Baustellenbreite von bis zu 60 Metern kommen.

Da das Bauvorhaben Einschränkungen und Ernteausfälle mit sich bringt, sollen Grundstückseigentümer und betroffene Landwirte entschädigt werden. „Dies ist gerecht und notwendig, schließlich kann es bei den Baumaßnahmen zu Ernteausfällen kommen“, sagte der Northeimer Bundespolitker Roy Kühne (CDU). Ursprünglich waren anstatt der Erdkabel Freileitungen in 70 Metern Höhe geplant. Massive Proteste zwangen die Netzbetreiber zum Umplanen.

Rot: Bevorzugte Trasse

Blau: Alternative Trasse

Gelb: weiteres Korridornetz

Obwohl die Göttinger Ortsteile von dem gigantischen Projekt anscheinend verschont bleiben, hält sich die Freude zunächst in Grenzen. „Man muss das mit Vorsicht genießen“, mahnte Heidrun von der Heide, Ortsbürgermeisterin von Groß Ellershausen / Hetjershausen / Knutbühren. Denn in letzter Instanz entscheidet die Bundesnetzagentur über den Verlauf des Korridors. Trotzdem sagte von der Heide: „Wir sind sehr froh, dass die Tennet die östliche Variante bevorzugt.

Durch das enge Göttinger Leinetal wäre das nicht zu realisieren gewesen, es wäre unmöglich.“ Auch Michael Jettke, Bauamtsleiter in Moringen, hält sich mit voreiliger Freude zurück: „Es steht noch nichts fest, alles ist noch offen.“ Davon geht man beim Landkreis Göttingen nicht mehr aus. „Wir werten das als eine wesentliche Vorentscheidung“, erklärte Verwaltungssprecher Ulrich Lottmann.

Auf einer Strecke von 600 Kilometern sollen durch die Südlink-Trasse von Holstein bis nach Baden-Württemberg die Ballungsgebiete Süddeutschlands mit dem Strom der Norddeutschen Windenergieanlagen versorgt werden. Dies ist eine Konsequenz der von der Bundesregierung eingeleiteten Energiewende.

In einem Antrag an die Bundesnetzagentur wollen Tennet und Transnet BW erläutern, welche Erdkabel-Korridore sie im weiteren Verfahren detaillierter untersuchen wollen. Sollte dem Antrag stattgegeben werden, geht es in das Planung- und Genehmigungsverfahren. Damit dürften die Pläne für die Westvariante der Südlink-Trasse entgültig ad acta gelegt werden. Wie teuer das Gesamtprojekt am Ende wird, ist derzeit nicht absehbar. Lex Hartmann hatte als Mitglied der Geschäftsführung von Tennet einst von 10 Milliarden Euro gesprochen. Die Kosten sollen auf die Stromverbraucher umgelegt werden. yah

Das sagen die Betroffenen:

Ulrich Lottmann, Landkreis Göttingen: „Wir gehen sachlich damit um. Es ist natürlich immer ein Eingriff, aber das grundsätzlich eine Verkabelung kommen muss, war vorherzusehen. In die weiteren Planungen werden wir uns konstruktiv einbringen.“

Maria Dock, Bürgermeisterin vom Flecken Gieboldehausen: „Wir sind die letzten in der Kette. Wenn man keine trifftigen Gründe gegen die Trasse hat, wird es schwer. Die erste Reaktion ist schon erstmal Ohnmacht.“

Uwe Ahrens, Bürgermeister der Gemeinde Katlenburg-Lindau: „Wir werden schauen welche Auswirkungen das haben könnte. Wir haben die Energiewende und das wollen wir auch. Das eine geht nicht ohne das andere. Wenn ich das Vergleiche mit dem Bau von Windkraftanlagen oder Autobahnen, dass ist die Einschränkung verhältnismäßig gering. Eine solche Trasse verschwindet dann ja auch wieder unter der Erde. Natürlich würde jeder auf so eine Baumaßnahme verzichten können.“

Anne-Marie Kreis, Bürgermeisterin von Bilshausen: „Wir haben schon genug Dinge ringsrum, wenn jetzt so eine große Stromtrasse auch noch durch Bilshausen verläuft, ist die Belastung schon groß.“

Das sagen die nicht-Betroffenen:

Frithjof Look, Bauamtsleiter von Einbeck: „Das wäre ein Eingriff in das Landschaftsbild und den Boden gewesen. Es ist grundsätzlich gut, dass der belastete Raum in Einbeck nicht weiter belastet wird, aber man muss erstmal das Ende des Verfahrens abwarten.“

Michael Jettke, Bauamtsleiter von Moringen: „Wir hätten daneben auch noch die 380 KV-Leitung (Hochspannungsfreileitung, Anm. d. Red.), das wäre schon eine Belastung. Auch für die Grundstücksbesitzer, die Landwirte und den Boden. Es steht noch nichts fest, alles ist noch offen.“

Heidrun von der Heide, Ortsbürgermeisterin von Groß Ellershausen / Hetjershausen / Knutbühren: „Man muss das mit Vorsicht genießen, die Entscheidung liegt bei der Bundesnetzagentur. Aber es ist ein wunderbares Zeichen, dass die Trasse hoffentlich nicht durch das Göttinger Stadtgebiet gebaut wird. Wir sind sehr froh, dass die Tennet die östliche Variante bevorzugt. Durch das enge Göttinger Leinetal wäre das nicht zu realisieren gewesen, es wäre unmöglich.“