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Duderstadt Reiner Tisch nach zwei Jahren Verhandlungen
Die Region Duderstadt Reiner Tisch nach zwei Jahren Verhandlungen
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21:27 11.07.2011
Von Ulrich Lottmann
Sind sich einig: Hjalmar Schmidt von der Harz Energie (l.) und Reinhold Schneegans, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe.
Sind sich einig: Hjalmar Schmidt von der Harz Energie (l.) und Reinhold Schneegans, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe. Quelle: Blank
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Duderstadt

Seit 2006 ist klar, dass die EWB auf dem liberalisierten Energiemarkt nicht auf Dauer alleine bestehen können, seit zwei Jahren wird mit dem Osteröder Unternehmen Harz Energie über eine Partnerschaft verhandelt, am 1. Januar 2012 wird diese nun wirksam. Nachdem in den Gremien der EWB-Gesellschafter – der Stadt Duderstadt sowie der Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen – der Abschluss der Verhandlungen angekündigt wurde, nehmen die Geschäftsführer der Unternehmen gegenüber der Presse Stellung zu Gründen und Folgen der Transaktion.

Die EWB wollten sich stabilisieren, sagt Schneegans. Der Kostendruck im Strombereich steige, der Markt sei schwierig. Liberalisierung und Vorgaben nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz würden Investitionen in Software, Mitarbeiterschulungen, komplexe Messungen und Vorleistungen bei der Vergütung des eingespeisten Stroms erfordern. Gleichzeitig gebe es Probleme durch Stromanbieterwechsel. „Uns gehen die Kunden von der Fahne“, so Schneegans: „Wir befinden uns nicht mehr in der heilen Welt der Stromversorgung der 1980er-Jahre.“
Die Harz Energie wiederum hofft auf Synergieeffekte. Ausdrücklich sei nicht der Wegfall von Arbeitsplätzen gemeint, betont Geschäftsführer Hjalmar Schmidt. Eine Zusammenarbeit sei bei Stromeinkauf und Netzbetrieb, im Service- und Wartungsbereich möglich. „Harz Energie wird auch von Stärken der EWB, beispielsweise im Wasserbereich, profitieren können“, so Schmidt. Er glaubt, dass der Duderstädter Versorger durch die Kooperation gestärkt wird „und damit auch die Arbeitsplätze sicherer sind“.

Die EWB bleiben ein eigenständiges Unternehmen, mit eigenständiger Geschäftsführung und eigenen Mitarbeitern, so die Firmenchefs. 60 Beschäftigte haben die Wirtschaftsbetriebe, 330 sind es bei der Harz Energie. Der Betriebsrat der EWB habe dem Vertrag zugestimmt, werde ihn unterschreiben und ab 2012 im EWB-Aufsichtsrat vertreten sein, ergänzt Schneegans.
Die Partnerschaft mit der Harz Energie wird über einen Anteilstausch erreicht. Die Osteröder übernehmen 25,1 Prozent der EWB-Tochter EEW, dem für Strom und Wasser zuständigen Unternehmensteil. Im Gegenzug übernehmen die EWB 0,901 Prozent der Harz Energie, wird deren siebter Gesellschafter. Zum Abschluss der Transaktion bedarf es noch einer Stellungnahme der Kommunalaufsicht und einer verbindlichen Aussage des Finanzamtes.

Dies sei das einfachere Modell, erklärt Schmidt, nachdem zunächst über einen Verkauf von EWB-Anteilen allein mit der Stadt Duderstadt verhandelt worden war. Der Einstieg über die EWB-Tochter EEW sei transparenter, einfacher in der Verrechnung. Damit deutet Schmidt nur an, was beim Blick auf die Unternehmensstruktur der EWB deutlich wird: Die zweite Firmentochter EBB, über die der verlustreiche Bäderbetrieb abgewickelt wird, bleibt außen vor.

Zur Höhe der Dividende, die die EWB als Anteilseigner der Harz Energie erwarten können, schweigen sich die Geschäftsführer aus. Das sei nicht vorherzusagen. „Die Stadt Duderstadt könnte über die EWB davon profitieren“, so Schmidt.