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Duderstadt Rinder bleiben im Stall: Weide wird Pilgerfeld
Die Region Duderstadt Rinder bleiben im Stall: Weide wird Pilgerfeld
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21:01 06.09.2011
Von Ilse Stein
Wegekreuz mit Symbolcharakter: Wo sonst 400 Kühe und Rinder weiden, werden bei der Papstmesse tausende Pilger beten. Quelle: Pförtner
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Steinbach

Denn Frank Schneider, 46 Jahre alt, ist Bauer, und ihm gehören die 25,20 Hektar Ackerfläche neben der Wallfahrtskapelle Etzelsbach. Hier entsteht zurzeit das Pilgerfeld, auf der am 23. September am frühen Abend mehr als 60 000 Menschen erwartet werden, um Papst Benedikt XVI. zu erleben. Hier sind Pilgerwege geschottert, ist die Fläche asphaltiert, auf der am 23. September ein 16 Meter hoher Altar thronen soll.

Heute, rund drei Wochen vor diesem Großereignis für das gesamte Eichsfeld, steht Schneider neben seinem Feld und vor einer Gruppe von Journalisten, die sich auf Einladung des Thüringen Tourismus in Erfurt und Etzelsbach über die Vorbereitungen informieren lassen wollen. Wann er denn von dieser Ehre erfahren habe? Wer ihn gefragt habe? Ob es einen Vertrag mit dem Vatikan gebe? Und wie er sich so fühle, die ehemalige Weide zu sehen, die jetzt dem Rollfeld eines Flughafens ähnelt? Schneider erzählt seine Geschichte, immer wieder, ruhig, unbeirrt, mit stoischem Gesichtsausdruck – völlig unbeeindruckt vom Trubel um seine Person.

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Da sei halt der Pfarrer seiner Gemeinde im Januar zu ihm gekommen („Ja, ich bin katholisch“) und habe ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, seine Wiese zur Verfügung zu stellen. „Da habe ich nicht nachdenken müssen, habe ja gesagt“. Nein, einen Vertrag gebe es nicht: „Ich bin ein Mann, der zu seinem Wort steht“. Und so stehen seine 400 Kühe und Rinder in diesem Jahr im Stall: „Die haben eben Weideverbot.“ Ob das gesund sei ? Schneider zuckt mit den Schultern. Scherzt der Journalist: „Dafür kriegen Sie den päpstlichen Segen.“ Da muss auch Bauer Schneider lächeln: „Das sagen Sie mal der Molkerei, vielleicht kriege ich dann ja auch gesegnete Preise“.

Seit dem 1. August haben auf seinem Acker die Bauarbeiter, Organisatoren und Sicherheitsfachleute das Sagen. Wie er das denn so finde? Schneider zögert: Na, stolz sei er schon. „Aber wenn ich dann so meine Wiese sehe...“ Aber es werde ja, so heißt es, nach dem Papstbesuch alles wieder zurückgebaut. Schneider: „So sagt man“. Doch, doch, er sei zuversichtlich, dass seine Kühe im kommenden Jahr wieder auf einer Wiese stehen können.

Letzte Frage: „Werden Sie den Papst persönlich treffen“. Geheimnisvolles Lächeln, keine Antwort. Ebenso wenig wie auf die immer wieder gestellte Frage nach einer finanziellen Entlohnung. Das bleibt sein Geheimnis und das des Bistums Erfurt, das hier alles regelt und als offizieller Gastgeber auftritt. Und wo wird Bauer Schneider am 23. September sein: „Na beim Arbeiten morgens.“ Aber danach wird er auf seinem Pilgerfeld stehen und den Papst erleben.