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Duderstadt Spenden als einzige Lösung
Die Region Duderstadt Spenden als einzige Lösung
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00:16 31.01.2017
Von Rüdiger Franke
Quelle: rf
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Duderstadt

St.-Martini-Geschäftsführer Markus Kohlstedde, der ärztliche Direktor Dr. Udo Iseke, Dr. Patrick Jung, Chefarzt für Anästhesie- und Intensivmedizin sowie Florian Grewe, Leiter der Unternehmenskommunikation im Vinzenz-Verbund Hildesheim, legten die Fakten dar und stellten sich der Diskussion. Als Kalkulationsgrundlage diene der Landesbasisfallwert von 3.278,19 Euro, sagte Kohlstedde. Aus der Gesamtzahl der Fälle ergebe sich der Erlös, der nur bei einer etwa doppelt so hohen Geburtenzahl kostendeckend sei. Auf der Gegenseite stünden hohe Fixkosten durch den Rund-um-die-Uhr-Betrieb und steigende Kosten durch Personal, Leitlinienentwicklung und Qualitätsanforderungen sowie Versicherungsprämien. In den zehn Jahren vor 2014 hätten die Schwestern in Hildesheim rund 12,5 Millionen als Defizitausgleich aus der eigenen Altersvorsorge investiert. „Erst seit 2014 schreibt das Haus schwarze Zahlen“, erklärt Kohlstedde und betont, dass er für das Gesamthaus mit seinen mehr als 400 Arbeitsplätzen verantwortlich sei. Deshalb sehe er für die Rettung der Geburtshilfe in der Zukunft auch nur die Finanzierung über Spender und Sponsoren.

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Ausbau statt Rückbau angeregt

 

Die Diskussion belegte die Emotionalität des Themas. Dem als Moderator eingeladenen Dr. Andreas Philippi, Chirurg in Herzberg und stellvertretender Landrat, gelang es aber, die Anwesenden auf einer zumeist sachlichen Ebene zu führen. So fragte Doris Glahn als Initiatorin des Aktionsbündnisses, warum die immer wieder bestätigte Qualität nicht genutzt werde, die Abteilung nicht rück- sondern auszubauen. Jung bezweifelte jedoch, dass sich aus den umliegenden Standorten 300 nach Duderstadt lenken ließen. Am Ende übergab Glahn an Kohlstedde die bisherigen 6018 Unterschriften aus der Onlinepetition.

Resolution beschlossen

Eine Resolution für den Erhalt der Geburtshilflichen Abteilung des Duderstädter Krankenhauses St. Martini hat der Samtgemeinderat Gieboldehausen mit der Mehrheit seiner Mitglieder beschlossen. Die Abteilung wird in der Resolution als „wichtiger Baustein der Daseinsvorsorge für die gesamte Region“ bezeichnet. Nach Schließung seien werdende Mütter auf andere, weiter entfernte Einrichtungen angewiesen. „Die Anfahrtswege verlängern sich, Risiken sind nicht auszuschließen“, heißt es neben weiteren Aspekten. Mit der Resolution solle ein „deutliches Signal gegeben werden, dass wir auch mit Blick auf andere Einrichtungen der Region Untereichsfeld zusammenhalten müssen“ und Verantwortlichen „Mut gemacht wird, nach Alternativen und finanzierbaren Lösungen zu suchen“. art

St. Martini als Krankenhaus nicht aufgeben

 

Mehrfach kritisiert wurde der Zeitpunkt der Bekanntmachung, obwohl die Problematik schon seit Jahren bekannt sei, worauf Grewe antwortete, dass einerseits nach Lösungen gesucht und in der Zeit das Defizit durch die Vinzentinerinnen ausgeglichen worden sei. Und bei einer früheren Bekanntgabe hätte eine mögliche Erosion schon früher stattgefunden. Deshalb sei wichtig, dass die Menschen der Region auch weiterhin die übrigen Angebote im Haus wahrnähmen, um den Fortbestand des Krankenhauses zu sichern.

 

Weichen müssen auf Bundesebene gestellt werden

 

„Es ist für alle, die hier in der Region wohnen, ein riesiges emotionales Problem, die Station aufzugeben“, so Iseke. Allerdings müssten zunächst in der Gesundheitspolitik auf Bundesebene die entsprechenden Weichen gestellt werden, um langfristige Lösungen schaffen zu können. Auf Bundesebene seien nach Angaben des Statistischen Bundesamtes trotz zuletzt steigender Geburtenrate zwischen 2005 und 2015 etwa 27 Prozent der Geburtshilfen geschlossen worden. Deshalb forderte Grewe die Anwesenden auf, an die Bundestagsabgeordneten zu schreiben, um an der entscheidenden Stelle auf die Problematik aufmerksam zu machen. 

Spenden schaffen Zeit zur Lösungssuche

Damit die Geburtshilfe zunächst bis Ende 2017 fortbestehen kann, sollen bis 10. März 125.000 Euro gesammelt werden. Dafür hat die Förderinitiative St. Martini ihr Spendenkonto bereitgestellt. Bis Sonnabend hatten 38 Spender insgesamt 6170 Euro gespendet. Sprecher Markus Teichert erklärte beim Bürgerdialog, dass die Förderinitiative ein Zeichen setzen wolle und deshalb 5000 Euro für den Erhalt der Geburtshilfe zahlen. Auch der Verwaltungsausschuss hatte im Beschluss der Stellungnahme der Stadt Duderstadt angeregt, sich aktiv an der Spendenaktion zu beteiligen. Mehrere Politiker verschiedener Parteien wiederholten den Appell beim Bürgerdialog. Auch kleine Beiträge würden dazu beitragen, ein Zeichen zu setzen. Die Spendenaktion sei zwar keine dauerhafte Lösung, verschaffe den Verantwortlichen aber zunächst wichtige Zeit.rf 

 

Förderinitiative St. Martini – Spendenkonto

Sparkasse Duderstadt

Konto 343 343

BLZ 260 512 60

IBAN DE82 2605 1260 0000 3433 43

BIC NOLADE21DUD

Zweck: Erhalt der Geburtshilfe 2017