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Duderstadt Rundgang durch den Schulbauernhof auf Gut Herbigshagen
Die Region Duderstadt Rundgang durch den Schulbauernhof auf Gut Herbigshagen
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17:42 30.09.2019
Landwirt Daniel Wehmeyer inmitten seiner Rinder der Rasse Harzer Rotes Höhenvieh. Quelle: Peter Krüger-Lenz
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Göttingen

Mit einem gelben Eimer über dem Arm läuft Wehmeyer den Hügel hinauf. Er hat die landwirtschaftlichen Flächen des Gutshofs gepachtet und züchtet hier Harzer Rotes Höhenvieh. Hinter dem Hügel grasen die Tiere, sagt Wehmeyer, bevor er verschwindet, und schickt noch ein „Mal sehen, ob ich sie animieren kann“ hinterher. Seine Motivationshilfe: Leckerli in dem Eimer. Dann ist er auch schon nicht mehr zu sehen.

Kopf im Eimer

Wenige Augenblicke später kommt er zurück den Hang hinunter, im Schlepptau seine Rinder, 15 Kühe, zwölf Kälber und ein Zuchtbulle. Erst gehen sie noch ganz gemächlich, immer wieder steckt eines der Tiere seinen Kopf in den Eimer. Der Inhalt scheint ihnen zu munden. Doch dann nehmen sie Fahrt auf und poltern rasant auf den Zaun zu, hinter dem die wenigen Besucher an diesem regnerischen Tag stehen.

„Das war die Kuh des Bergmanns“, erläutert der Landwirt. Dessen Familie habe zum größten Teil von der Kuh gelebt. Mit einem wilden Tier habe er seine Ehefrau nicht alleine zu Hause lassen wollen. Also wurde nicht auf Milchmengen, sondern „auf Ruhe selektiert“. Die alte Rasse gilt als ausgesprochen entspannt, was sich laut Wehmeyer auf die Fleischqualität auswirken soll. Seit 1998 wird sie wieder zurückgezüchtet. Ihre Merkmale sind die hellen Hörner mit dunklen Spitzen, der dunkle Schwanz mit dem Hellen Ende und das einfarbig braune Fell.

„Kühe hüten und Trecker fahren“

Schon im Kindergarten habe er Bauer werden wollen, sagt der heute 37-Jährige. Eine aussichtslose Perspektive, hätten seine Eltern gemeint. Sie besaßen keinen Hof. Doch der Wunsch des Sohnes hielt sich. Also kauften sie einen kleinen Hof, den sie hobbymäßig betrieben. Nach seiner Ausbildung übernahm der Sohn und bauten ihn zu einem Vollerwerbsbetrieb aus. „Ich bin Biolandwirt mit Leib und Seele“, sagt Wehmeyer. „Ich möchte Kühe hüten und Trecker fahren.“

Am entgegengesetzten Ende des Gutes befindet sich der Schulbauernhof des Heinz-Sielmann-Naturerlebniszentrums Gut Herbigshagen. Hier wartet der Dozent Gerhard Schlie auf Besucher, denen er die Philosophie des Projektes erläutern kann. Mit Olivenöl schmiert er gerade eine Presse, natürlich mit biologisch erzeugtem.

Bildungseinrichtung des Landes

Der Schulbauernhof ist eine anerkannte Bildungseinrichtung des Landes, erklärt Schlie. Deshalb kann dort außerschulischer Unterricht angeboten werden. Das heißt, Schulklassen besuchen die Einrichtung, überwiegend Grundschüler, maximal 40 Kinder, ein bis zwei Schulklassen können in Mehrbettzimmern untergebracht werden. „Die Lehrer wohnen auch nicht komfortabler“, sagt Schlie.

Eine „Ergänzung zum Sachkundeunterricht“ werde auf dem Schulbauernhof angeboten, sagt der Dozent. Um Artenschutz geht es hier, um Ressourcen und vieles mehr. Gezeigt werde den Schülern: „Die Erde ist kein Dreck“, sondern Grundlage der Nahrungsmittelproduktion. Sogar schmecken können die Schüler die Erde. Schlie: „Was Geschmack gibt, ist der Humus.“

Weitgehend ausgebucht

Näher gebracht wird den Schülern aber auch die Obstvielfalt, die das Angebot in den Supermärkten weit übertrifft. 170 Obstsorten finden sich auf den Streuobstwiesen, darunter alleine 40 Apfelsorten. Die Erkenntnis bei den Schülern: „Die schmecken ja unterschiedlich.“

Drei Tage Unterrichtsveranstaltung mit den Tieren und draußen auf den landwirtschaftlichen Flächen umfasst das Angebot der Schule. Zwischen Ende Februar bis in den Oktober hinein ist der Schulbauernhof laut Schlie weitgehend ausgebucht. Künftig soll das Gebäude auch wintertauglich sein. Schlie verrät schließlich noch die Lieblingsbeschäftigung der Schüler: das Ausmisten.

Umweltbildungszentrum mit Schulbauernhof

Der Tierfilmer Heinz Sielmann (1917-2006) und seine Ehefrau Inge, die am 25. März 2019 starb, gründeten 1994 die Heinz-Sielmann-Stiftung, die eine Vielzahl von Naturschutzprojekten betreibt und unterstützt. 1996 bezogen sie das Gut Herbigshagen vor den Toren Duderstadts. Die Stiftungszentrale ist dort, nahe der innerdeutschen Grenze, angesiedelt. Es ist heute ein Regionales Umweltbildungszentrum des Landes. Neben dem Harzer Rotvieh leben eine ganze Reihe bedrohte Rassen auf dem Hof, um die sich neben Landwirt Daniel Wehmeyer auch die Schüler des Schulbauernhofes kümmern. Das ist nicht ihre einzige Aufgabe. Sie müssen auch dafür sorgen, dass das Essen auf den Tisch kommt und das Geschirr abgeräumt und gereinigt wird, erklärt Dozent Gerhard Schlie. Meist wird es geliefert, doch den Klassen könne auch selbst kochen, wenn sie es wollen. Die Küche ist komplett ausgestattet.

Von Peter Krüger-Lenz

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