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Duderstadt Schädlingsbekämpfung im Heimatmuseum Obernfeld
Die Region Duderstadt Schädlingsbekämpfung im Heimatmuseum Obernfeld
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22:17 19.07.2013
Luftdicht verpackte Exponate: Unter Spezialfolien wird Schädlingen wie dem Holzwurm der Garaus gemacht.
Luftdicht verpackte Exponate: Unter Spezialfolien wird Schädlingen wie dem Holzwurm der Garaus gemacht. Quelle: Thiele
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Obernfeld

Ursache sind zwei große Generatoren, die für die kommenden zwei Wochen eine besondere Aufgabe haben: Stickstoff zu produzieren, der den Schädlingen in den Exponaten des Museums den Garaus machen soll. Für insgesamt zwei Monate bleibt das Museum jetzt für Besucher geschlossen.

„Das Verfahren kommt ohne giftige Chemie aus“, erklärt der Physiker Georg Fröba von der Firma Binker aus dem bayerischen Franken, die zu den wenigen Unternehmen in Deutschland gehört, welche auf diese Art Schädlingsbekämpfung spezialisiert sind.

„Die Apparatur trennt die angesaugte Luft in ihre Bestandteile Sauerstoff und Stickstoff.“ Letzterer ist nicht nur für Menschen lebensgefährlich, sondern auch für Insekten und ihre Nachkommen.

„Das überleben selbst die hart gesottenen Insekten nicht“

Was liegt also näher, als den Schädlingen den dringend benötigten Sauerstoff zu entziehen? Damit das gelingt, wurden in den vergangenen Tagen die Ausstellungsstücke des Museums auf Spezialfolien zusammen gestellt und mit Verbundfolie überdeckt, die sorgfältig mit der Bodenfolie verklebt werden musste.

So entstand jeweils ein luftdicht abgeschlossener Raum. Mittels kleiner Schläuche wird nun ständig Luft abgesaugt und der gewonnene Stickstoff wieder in die Zelte hineingeblasen. Der abgetrennte Sauerstoff wird in die Umgebungsluft entlassen.

Der Vorgang wiederholt sich so lange, bis der Sauerstoffgehalt bei einem Prozent liegt, „das überleben selbst die hart gesottenen Insekten nicht.“ In etwa zwei Wochen wird der Wert erreicht sein, der Rest ist Warten.

Im Heimatmuseum Obernfeld ist der Wurm drin: Wegen Holzwurm-Befall ist eine Schädlingsbekämpungsfirma mit schwerem Gerät im Einsatz.

Bereits vor drei Jahren war den Verantwortlichen des Museums klar, dass etwas passieren musste. „Die Ausstellungsstücke wären uns buchstäblich unter den Händen zerbröselt“, sagt Silvia Engelhardt, Bürgerarbeiterin im Museum.

Der größte Teil der 1200 Exponate, zusammengetragen in Jahrzehnten, besteht aus Holz, „von kleinen Dingen des täglichen Gebrauchs bis zur Kutsche“, so Engelhardt.

Bedrohlichster Schädling ist der gemeine Nagekäfer, dessen Larven besser bekannt sind unter dem Namen Holzwurm. Nur zwei Wochen seines Lebens verbringt das Insekt als Käfer, drei bis fünf Jahre hingegen als Larve direkt in seiner Leibspeise, dem Holz. Museen auf der ganzen Welt sehen sich dem gleichen Problem gegenüber und müssen reagieren, um ihre Sammlungen zu retten.

Das ist der Grund, warum die bayerische Firma, die 30 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Schädlingsbekämpfung hat, in ganz Europa unterwegs ist, um ihre Arbeit vor Ort zu erledigen. Große Museen mit umfangreichen Beständen wie das Landesmuseum in Hannover haben mittlerweile feste Kammern, die die Aufgabe der Zelte übernehmen.

„Wärme mag der Holzwurm nicht“

„Das ist einfach wirtschaftlicher“, sagt Schädlingsbekämpfer Fröba, der bei Bedarf auch schon mal ganze Kirchen luftdicht verpackt. Die Prozedur, ständig kontrolliert durch entsprechende Messinstrumente, ist zwar letztlich ungefährlich für den Menschen, aber energieaufwändig. Ein Grund, warum die Arbeiten fast ausschließlich im Sommer durchgeführt werden.

„Wärme mag der Holzwurm überhaupt nicht“, sagt Fröba. „Im Winter müssen wir dann noch zusätzlich heizen.“ Das Verfahren ist daher auch nicht ganz billig: Etwa 15 000 Euro muss auch das kleine Museum in Obernfeld für die Erhaltung seines Bestands ausgeben.

Geld, das zum Glück über das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Hannover beantragt werden konnte. In spätestens acht Wochen, so hofft Engelhardt, kann das Museum wieder öffnen. Der Abbau der Zelte ist übrigens für Menschen nicht gesundheitsschädlich – der Volumengehalt des Stickstoffs ist einfach zu gering.

Von Birgit Freudenthal