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Duderstadt Schauburg: Tobende Kinder statt Kinotrailer
Die Region Duderstadt Schauburg: Tobende Kinder statt Kinotrailer
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18:32 26.09.2011
Hat sich vorübergehend in eine Malwerkstatt für Kindergartenkinder und Grundschüler verwandelt: der Schauburg-Saal. Quelle: Blank
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Duderstadt

Allein für die Spielgeräte investiert der in Immingerode lebende Holländer und ehemalige Baukonzern-Geschäftsführer Heerke Kempinga (68), der das geschichtsträchtige Fachwerkgebäude am Steintor erworben hat, rund 200 000 Euro, in die Sanierung des Gebäudes erheblich mehr.

Nach Verzögerungen soll das umgebaute Lichtspielhaus bis Ende des Jahres unter dem Namen „Schauburg-Kindertraum“ wieder eröffnet werden. Betriebsleiterin wird die 31-jährige Schwiegertochter des Investors, Jessica Kempinga. Zwischenzeitlich hat die Familie Kempinga auch die Regie über den Märchenwald Teichtal in Hainrode übernommen.

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Über dem Vordach am Duderstädter Steintor sind die alten Schauburg-Buchstaben bereits demontiert, über den ehemaligen Kino-Aushangkästen prangen noch die „Film und Bühne“-Lettern. Im Gebäudeinnern herrscht geschäftiges Treiben. Wo Generationen von Eichsfeldern in Plüschsesseln Händchen hielten und Popcorn futterten, wuseln zwischen Handwerkern Kinder mit ihren Erzieherinnen und Lehrerinnen herum und verwandeln den Saal in eine Malerwerkstatt. Einige Kunsthandwerkerinnen, die das Malprojekt unter Regie von Sabine Tippach koordiniert haben, pinseln über kunterbunten Kinder-Handabdrücken „Schauburg-Kindertraum“ an die Bühne vor der Leinwand. An den Wänden, die die Vielfarbigkeit der Kletterlandschaft mit Kriechtunneln, Netzen, Rutschen und dicken Matten im Zentrum des Saals aufnehmen, lassen Kindergarten- und Grundschulkinder ihrer Kreativität freien Lauf, malen Blumen, Bäume, Wolken, Ufos, Aliens und Sterne.

Bislang beteiligen sich rund 120 Kinder aus Duderstädter Tagesstätten und Schulen, Emmaus und Pfadfinder an der Wandgestaltung. Die Ergebnisse der Mal-aktion werden nach Eröffnung des Projektes, für das aus urheberrechtlichen Gründen nicht die Bezeichnung Kinderstadt verwendet werden darf, von der Sparkasse Duderstadt prämiert. Das Kreditinstitut will sich dort auch mit dem Knax-Klub präsentieren. Künstlern sollen Ausstellungsmöglichkeiten geboten, eine Medienecke eingerichtet werden, weitere Matten den Kinderlärm dämpfen.

Nach Wanddurchbrüchen nicht wiederzuerkennen ist der Eingangsbereich vor dem Saal mit der Gewölbedecke. Dutzende von Balken wurden in dem Fachwerkgebäude über dem aus dem Jahr 1556 stammenden Gewölbekeller ausgetauscht, Decken erneuert, großzügige und behindertengerechte Sanitäranlagen sind im Entstehen. Nur der eingestaubte alte Filmprojektor, der schon zu Schauburg-Zeiten als Dekoration diente, erinnert noch an den Kinobetrieb.

Die Erinnerung an eines der ältesten Lichtspieltheater Deutschlands will Kempinga wachhalten. Der alte Projektor soll im Foyer wieder ebenso zu Ehren kommen wie der Flügel aus Stummfilmzeiten, der seinem Schattendasein hinter Leinwand entrissen und restauriert werden soll. Über das italienische Restaurant Rimini im Erdgeschoss hinaus will Kempinga auf Ebene des Saales einen Gastronomiebereich einrichten, der auch abends geöffnet werden soll.

Denn Kempingas schwebt ein generationsübergreifendes Konzept vor. Für den Indoor-Spielpark, der für Kindergeburtstage gebucht werden kann, wird Betreuung angeboten, damit Eltern in Ruhe shoppen gehen können. „Hier sollen sich drei Generationen wohl fühlen“, schreibt Heerke Kempinga auf der Internetseite schauburg-kindertraum.de: „Auch die Kids werden begeistert sein, wenn sie hier erleben, wie es damals war, als Opa und Oma ins Kino gegangen sind.“

Von Kuno Mahnkopf