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Duderstadt Schmierereien in der Schule: Schüler in Angst
Die Region Duderstadt Schmierereien in der Schule: Schüler in Angst
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20:13 11.11.2011
Diskrete Präsenz: Polizisten im Streifenwagen beobachten das Umfeld des Schulzentrums in Duderstadt. Quelle: Thiele
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Gieboldehausen/Duderstadt

Am Donnerstag fand sich ein ähnlicher Schriftzug in einer Mädchentoilette der Heinz-Sielmann-Realschule in Duderstadt. Die Folge: Teils mehr als die Hälfte der Schüler an den Schulzentren in Gieboldehausen und Duderstadt erschienen am Freitag, nicht zum Unterricht. Die Polizei war mit Ermittlungsteams in den Schulen, Beamte in Uniform waren im Umfeld präsent. Am frühen Nachmittag gab es die Entwarnung: Nichts war passiert, die Polizei zog ab.

Die Tage zuvor waren von hektischer Aktivität, dem Schwanken zwischen Besonnenheit und Panik gekennzeichnet. Zunächst lief alles geordnet ab. Die Gieboldehäuser Schulleitung hatte nach eigenen Angaben die Schmiererei am Dienstag entdeckt. Sie informierte die Landesschulbehörde, ein Notfallprogramm lief ab.

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Susanne Strätz von der Niedersächsischen Landesschulbehörde bestätigte gestern diese Tageblatt-Information. Wie immer in solchen Fällen, die nicht selten vorkämen, seien die Kollegen der Realschule in Gieboldehausen in Kooperation mit dem Schulelternrat und dem Schulvorstand an den Rat der Polizei gebunden gewesen.

Die Polizei wusste laut Aussage ihres Sprechers Joachim Lüther bereits ab Montag von der Schmiererei in Gieboldehausen. „Es gab Hinweise auf eine Gefährdungslage“, formuliert Lüther. Die Polizei habe ermittelt, sei „mit offenen und verdeckten Kräften“ an der Schule gewesen. Es hätten sich nach einer Prüfung jedoch keine Anzeichen einer konkreten Gefahr ergeben, betont die Gieboldehäuser Schulleiterin Daniela Breckerbohm.

Aber: Die Polizei nehme die Vorfälle ernst, so Lüther. Ein Verfahren wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten (Paragraph 126 Strafgesetzbuch) sei eingeleitet. Gleiches gelte seit Donnerstag auch für Duderstadt. „Wir gehen hier sehr stark von einem Trittbrettfahrer aus“, so Lüther.

Denn: So diskret Schulleitungen und Polizei auch agierten, über Kurznachrichten auf dem Handy und die Internet-Netzwerke Facebook und Twitter kursierte die Nachricht von den Schmierereien unter den Schülern. Vermutungen und Gerüchte, sich aufbauschende Varianten verbreiteten sich schnell. Von Bombendrohungen und Gewaltankündigungen an den Realschulen in Gieboldehausen und Duderstadt sowie dem Eichsfeld-Gymnasium sei die Rede gewesen, berichtet Breckerbohm.

Unzählige Anrufe und E-Mails prasselten auf die Verantwortlichen ein. Duderstadts Realschulleiter Stefan Hoppe spricht von einer Hysterie: „Wir haben versucht, beruhigend einzuwirken. Doch gegen Gerüchte, die über elektronische Medien in Windeseile verbreitet werden, ziehen wir den Kürzeren.“

Am Donnerstagabend standen die Telefone nicht still, berichtet auch die Elternratsvorsitzende der Heinz-Sielmann-Realschule, Mareike Jost: „Besorgte Eltern haben bei mir angerufen, aber auch andere Elternvertreter.“ In Absprache mit Schulleitung und Polizei habe auch der Elternrat beschlossen, Ruhe zu bewahren und keine Panik aufkommen zu lassen. „Aber letztendlich kann niemand den Eltern die Entscheidung abnehmen, ihr Kind zur Schule zu schicken“, so Jost. Sie hat ihr Kind am gestrigen Freitag zur Schule geschickt, „aber ganz ruhig ist man innerlich nicht“, gesteht die Mutter.

Von Ulrich Lottmann, Erik Westermann, Heinz Hobrecht und Claudia Nachtwey