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Duderstadt Schützenverein Diana Langenhagen feiert 75-jähriges Bestehen
Die Region Duderstadt Schützenverein Diana Langenhagen feiert 75-jähriges Bestehen
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19:35 25.07.2013
Von Kuno Mahnkopf
Noch ohne Frauen: Gruppenbild zum 25. Vereinsjubiläum 1963.
Noch ohne Frauen: Gruppenbild zum 25. Vereinsjubiläum 1963. Quelle: EF
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Langenhagen

Den kann man auch bei ungeschönter Betrachtung als tragende Säule der Dorfgemeinschaft bezeichnen. Wer gemeinsam in dem abgelegenen Duderstädter Bergdorf aufwächst, bleibt dem Ort, seinen Jugendfreunden und dem Verein verbunden. Und die Schützenfeste gehören zu den wenigen Ereignissen, bei denen in Langenhagen etwas los ist.

Der Duderstädter Ortsteil hat  580 Einwohner, der Schützenverein 234 Mitglieder – darunter gut 50 aktive Schützen. Für das wegen Regens in die Gymnastikhalle verlegte Jubiläums-Gruppenfoto im Mai strömten mehr als 140 Mitglieder zusammen. Den weitesten Weg hatte der Journalist und Buchautor Stefan Koch, der aus Russland zum Fototermin anreiste.

Bewirtung der Gäste in Eigenregie

Bei aller Vereinstreue und Kontinuität machen Zeitgeist und gesellschaftlicher Wandel aber auch um Langenhagen keinen Bogen. In den kleinen Orten werde es immer schwieriger, Schützenfeste zu bewerkstelligen, sagt Schwarze und räumt ein, dass es im Vorfeld Probleme gegeben habe, das Jubiläumsfest finanziell zu stemmen. Erstmals gibt es in diesem Jahr keinen Festwirt. Stattdessen übernimmt  der Verein die Bewirtung der Gäste in Eigenregie. Und der Vergnügungspark auf dem Festplatz am Sportplatzgelände ist inzwischen auf eine Schießbude und ein Kinderkarussell zusammengeschrumpft. Nur bei den Bands hat Diana wegen des Jubiläums draufgesattelt – bis hin zur achtköpfigen Jürgen-Zehner-Showband aus Erfurt.

Eine neue Vereinsfahne gibt es auch. Die alte Fahne, die jetzt archiviert wird, war seit Vereinsgründung nicht ausgetauscht worden, porös und fadenscheinig geworden. Die rund 4000 Euro teure neue Fahne, die die Volksbank gesponsert hat, wird beim Festgottesdienst am 4. August eingeweiht. Identisch geblieben ist das zeitlose und seltene Motiv: eine Schützenscheibe mit gekreuzten Gewehren.

Emanzipation im Schützenwesen

Nur über Köcher und Bogen verfügt die Namensgeberin des Schützenvereins Diana, die römische Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt. Mit der heutigen Emanzipation im Schützenwesen hatte die Namensgebung wohl nichts zu tun. In der Gründungsversammlung   am 2. Januar 1938 in der Gastwirtschaft Siebert, die bis heute Vereinslokal ist, schlug der damalige Bürgermeister Karl Piepenbring den kämpferischen Ton der Nazizeit an. Das verschweigt auch die Festschrift zum Jubiläum nicht, in der die Niederschrift der Gründungsversammlung abgedruckt ist.

In seinem Grußwort spricht Lutz Beuleke als Vorsitzender des Schützenverbands Eichsfeld vom Wandel eines patriotischen Vereins, der unter anderem der Kriegsvorbereitung diente, zum heutigen modernen Sportschützenverein. Die schießsportlichen Leistungen, die sich kreisweit sehen lassen können, hebt Lothar Koch – Ortsbürgermeister, CDU-Landtagsabgeordneter, Jubiläumsschirmherr und seit Jahrzehnten Vereinsmitglied – ebenso hervor wie die Begegnung der Generationen und gelebte Konstanz.

Krieg und seine Folgen

In den 75 Jahren, die der Schützenverein besteht, gab es lediglich sechs Vorsitzende – mit Unterbrechung von 1939 bis 1951. Bedingt durch den Krieg und seine Folgen ruhte in dieser Zeit das Vereinsleben, der Schützenverein wurde jedoch nicht aufgelöst. Den 19 Vereinsmitgliedern, die aus dem Krieg nicht wieder heimkehrten, wird jährlich beim Schützenfest am Ehrenmal gedacht. Bevor Walter Otto 2007 zum Vorsitzenden gewählt wurde, leitete Ehrenvorsitzender Helmut Greisler 25 Jahre lang die Geschicke des Vereins.

Bereits beim ersten Schützenfest im Juni 1938 wurde das Schützenhaus eingeweiht, die Anlage Drei Linden oberhalb des Ortes seitdem immer wieder erweitert und modernisiert. 1959 hielten Laufscheiben Einzug im Schießstand, 1961 nahm der Verein erstmals am Kreiskönigsschießen des damaligen Landkreises Duderstadt teil, 1965 am Grenzlandpokalschießen. Ein Jahr später erhielt der Schießstand einen Stromanschluss. 1969 wurde eine Damenriege gegründet, 1970 erwarb der Verein das Schießstandgelände von der politischen Gemeinde, der Festplatz wurde befestigt, das Schützenhaus bekam einen Wasseranschluss. 1973 wurde erstmals ein Silberkönig ausgeschossen, 1978 der Luftgewehr-Schießstand fertiggestellt. Weitere Neuerungen, Renovierungen und Anbauten folgten. 1983 wurde für die Premiere des Nachtpokalschießens eine Scheinwerferanlage installiert, Helmut Greisler wurde der erste Doppelkönig der Vereinsgeschichte – als Schützenkönig und Ratskönig.

Orkan und seine Schäden

Der Orkan im Herbst 1997, als erstmalig der Bürgermeister-Koch-Pokal ausgeschossen wurde, hinterließ erhebliche Schäden und trug dazu bei, dass eine  jährliche Bauumlage erhoben wurde. 2007 wurde das Schießstandgelände durch eine private Grundstücksschenkung noch einmal erweitert, vor zwei Jahren Spielgeräte aufgestellt und erstmals ein Vogelschießen durchgeführt. Ein Kreis hat sich geschlossen, als sich am 2. Januar dieses Jahres 80 Mitglieder bei Siebert (Zur Talsperre) trafen. Dort war auf den Tag genau 75 Jahre zuvor der Verein gegründet worden.

Programm: Festumzug und Königsball

Das Volkskönigsschießen ist bereits gelaufen, das Königsschießen beschränkt sich auf kommenden Sonntag und den Schützenfestsonnabend. Das Königsschießen am Freitag fällt in diesem Jahr wegen des Festaktes aus. Mit dem beginnt am Freitag, 2. August, nach dem Einholen der König mit dem Spielmannszug Hilkerode die Festwoche zum 75. Jubiläum. Dem Festakt um 18 Uhr folgen im Festzelt Kommersabend, Ehrungen und Tanz mit der Band Quante Stils aus Hundeshagen.

Nach dem Wecken durch den Spielmannszug Hilkerode, Antreten am Vereinslokal, Königsschießen im Schießstand und Mittagessen im Festzelt werden am Sonnabend, 3. August, um 14 Uhr Könige, Pokalsieger und Volkskönig proklamiert, die Könige anschließend mit dem Spielmannszug Hilkerode eingebracht. Beim öffentlichen großen Königsball ab 20.30 Uhr im Festzelt spielt die Jürgen-Zehner-Showband aus Erfurt.

Am Sonntag, 4. August, wird beim Festgottesdienst um 10.30 Uhr in der Kirche die neue Vereinsfahne geweiht. Die Schützen treffen sich dafür in Uniform vor der Kirche, nach der Messe wird ein Kranz am Ehrenmal niedergelegt. Um 14 Uhr zieht der Festumzug durch die Straßen des Dorfes, die beteiligten Musikzüge geben von 15 bis 16.30 Uhr ein Platzkonzert samt Kaffeetafel und Grußworten der Gastvereine im Zelt. Um 16.30 Uhr werden dort die Pokale der Schießsportwochen verliehen, ab 17 Uhr steht Tanz mit der Ecklingeröder Blasmusik auf dem Programm.

Die Festtage klingen am Montag, 5. August, um 11 Uhr mit einem Frühschoppen im Schießstand aus. Außerdem wird der Katerkönig ausgeschossen. 

Im Mai in der örtlichen Gymnastikhalle aufgenommen: Gruppenfoto im Jubiläumsjahr mit mehr als 140 der 234 Vereinsmitglieder.