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Duderstadt Seltener Wespenbussard in Hilkerode in Pflege
Die Region Duderstadt Seltener Wespenbussard in Hilkerode in Pflege
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17:19 12.07.2019
Der Wespenbussard wird in der Wildvogelhilfestation Hilkerode gepflegt. Quelle: Rüdiger Franke
Hilkerode

„In Niedersachsen gibt es nur etwa 500 Paare“, erzählt Duda. Deutschlandweit seien es etwa 4500. Damit zählt der Wespenbussard in der Roten Liste in der Kategorie drei zu den gefährdeten Brutvogelarten. Im Vergleich dazu gebe es in Deutschland rund 96000 Paare des zurzeit nicht gefährdeten Mäusebussards. Die Polizei Heiligenstadt habe den Wespenbussard in der Wildvogelhilfestation in Hilkerode abgeliefert. Er sei flugunfähig am Boden gefunden worden. „Die Flügel sahen schlecht aus, der Stoß auch“, berichtet Duda.

Der Wespenbussard und seine Mitbewohner:

In der Greif- und Großvogelanlage in Hilkerode werden ein Wespenbussard, zwei Mäusebussarde, vier Waldkäuze vier Turmfalken, ein Grünspecht, ein Buntspecht, eine Elster sowie Amseln und Drosseln gepflegt.

Während sich das Flügelbild des Wespenbussards mittlerweile deutlich verbessert habe, sei der Stoß, wie Jäger und Falkner die Schwanz- oder Steuerfedern nennen, noch immer schlecht. „Wir können nicht sagen, ob er eine Kollision mit einem Fuchs, Dachs oder Hund hatte“, sagt Duda. Es könne aber auch sein, dass er wie einer der ebenfalls in Hilkerode gepflegten Mäusebussarde einen Verkehrsunfall hatte. Ein Problem sei, dass die Vögel das Auto noch als Hindernis erkennen, dann aber von der Antenne erwischt werden.

Am Boden unterwegs

Ein Aufeinandertreffen mit kleinerem Raubwild wie Fuchs und Dachs könne öfter auftreten, denn der Wespenbussard legt während seiner Futtersuche durchaus Strecken zu Fuß zurück. „Er ernährt sich von Insekten“, erklärt Duda. Bevorzugt seien das Wespen, Hummeln, Hornissen und Käfer. Deshalb sei er auch ein Zugvogel, im Gegensatz zum Mäusebussard, der Kleinsäuger, Reptilien und Vögel auch im Winter als Nahrung findet.

Teurer Unterhalt

Der Wespenbussard wird in der Wildvogelhilfestation Hilkerode gepflegt. Quelle: Rüdiger Franke

„Der Wespenbussard gräbt vorwiegend Nester von Erdwespen aus“, so Duda. Deshalb sei er am Boden unterwegs. Mit seinen speziellen Scharrfüßen sei er für das Graben ausgerüstet. Er suche Nester mit Brut und Honig. „Auf Honig steht er total.“ In seinem derzeitigen Quartier in Hilkerode wird der seltene Vogel mit Drohnenbrut gefüttert. „Wenn wir die nicht hätten, wäre der Unterhalt teuer.“ Wenn er mit ausschließlich mit Insekten aus dem Handel ernährt würde, würde er im Monat Futterkosten von rund 800 Euro verursachen. „Für die Insekten, die er frisst zahlen wir um 32 Euro für 450 Gramm, was der Verkaufseinheit von einem Liter entspricht“, sagt Duda. Und das sei auch fast die Menge, die der ein Kilogramm schwere Vogel pro Tag vertilgen würde.

Auswildern oder überwintern?

Aufgrund des Futterbedarfs hofft Duda, dass der Wespenbussard in diesem Jahr wieder ausgewildert werden kann. In der unter anderem von der Bingo-Umweltlotterie gesponserten Greif- und Großvogelanlage lasse sich ein vier mal 18 Meter großes Abteil einrichten. „Dort werden wir im August seine Flugfähigkeit begutachten.“ Dann werde entschieden, ob der Vogel wieder entlassen werden könne oder ob er in Hilkerode überwintern müsse. Das würde dann allerdings teuer, denn für den ganzen Winter reicht die Drohnenbrut nicht. Und auch Schwalben und Mauersegler fressen diese.

Pflegegäste

Die Waldkäuze werden in der Wildvogelhilfestation Hilkerode gepflegt. Quelle: Rüdiger Franke

Zurzeit kümmern sich Duda und Metternich in Hilkerode zusätzlich zum Wespenbussard auch um zwei Mäusebussarde, um vier Waldkäuze und um vier Turmfalken. „Sieben Turmfalken konnten wir gerade auswildern“, erzählt Duda. Darüber hinaus sind in den Volieren ein Grünspecht, ein Buntspecht, eine Elster sowie Amseln, Drosseln und Enten in Pflege. Außerdem benötigen auch verschiedene Singvögel Hilfe.

Unterstützung

Wer die Arbeit der Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen (IGWSN) in Hilkerode unterstützen möchte, kann dies über eine Fördermitgliedschaft oder Spenden tun. Die Kontonummern der IGWSN: DE02 2606 1291 0001 4128 30 bei der Volksbank Mitte beziehungsweise DE86 2605 1260 0000 2441 37 bei der Sparkasse Duderstadt.

Tag der offenen Tür am 1. September

Magnus Duda und Julia Metternich organisieren einen Tag der offenen Tür in der Wildvogelhilfestation in Hilkerode. Am Sonntag, 1. September, wollen sie die Einrichtung und ihre Arbeit der Öffentlichkeit von 11 bis 17 Uhr vorstellen. Geplant sind Stationsführungen und Mitmachaktionen. Vertreten sind der Nabu, die Heinz Sielmannstiftung mit einem Nistkastenbau, Tierfotografin Tanja Brandt, ein Falkner mit seinem Harris und einem Frettchen. Geplant sei noch, einen Fledermausexperten einzuladen. Für die Besucher gibt es Kaffee, Kuchen und Gegrilltes.

Von Rüdiger Franke

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