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Duderstadt Senioren-Tagespflege statt Essen auf Rädern
Die Region Duderstadt Senioren-Tagespflege statt Essen auf Rädern
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20:50 12.06.2012
Tagespflege, Sozialstation, Beratungsdienste, Fair-Kauf-Laden: Im Caritaszentrum im Duderstädter Schützenring laufen alle Fäden zusammen.
Tagespflege, Sozialstation, Beratungsdienste, Fair-Kauf-Laden: Im Caritaszentrum im Duderstädter Schützenring laufen alle Fäden zusammen. Quelle: Thiele
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Duderstadt

Nach dem Duderstädter Senioren-Servicebüro wurde 2011 ein weiteres Büro in Göttingen eröffnet, mit der Tagespflege für Senioren die umfangreiche Angebotspalette des Verbandes erweitert.

B. Holst

Dafür wurde das Erdgeschoss des Caritas-Hauptgebäudes am Schützenring in Duderstadt komplett umgebaut. Die Erfolgsgeschichte des 2009 eröffneten Lorenz-Werthmann-Hauses mit Senioren-Wohngemeinschaften und Begegnungsstätte konnte fortgeschrieben werden.

Während die Sozialstation mittlerweile fast 800 Patienten täglich versorgt, hat sich der Caritasverband im vergangenen Sommer sang- und klanglos von „Essen auf Rädern“ verabschiedet. Wie derzeit bei der boomenden Tagespflege, für die im Altkreis Duderstadt in diesem Jahr drei weitere Anbieter einen Anlauf nehmen, hat die Caritas vor fast 30 Jahren mit dem mobilen Angebot Pionierarbeit geleistet.

Inzwischen gebe es zahllose Mitbewerber mit günstigen Preisen, räumt Vorstandsvorsitzender Bertil Holst ein. Vor dem Hintergrund der Zivildienst-Abschaffung sei „Essen auf Rädern“ im nahtlosen Übergang an den Kooperationspartner ARV (Allgemeiner Rettungsverband) ausgegliedert worden.

Nahtlos geglückt ist ansonsten der Übergang von der Zivildienst-Ära zum Bundesfreiwilligendienst. 250 Zivis haben den Verband in den vergangenen 30 Jahren durchlaufen. Alle ehemaligen acht Zivi-Plätze sind jetzt mit „Bufdis“ und FSJ‘lern (Freiwilliges Soziales Jahr) belegt. Derzeit hat der Caritasverband für Stadt und Landkreis Göttingen neben vielen ehrenamtlichen Helfern 220 Mitarbeiter – Tendenz steigend.

In der Sozialstation, deren Patientenzahl sich in zwei Jahrzehnten nahezu vervierfacht hat, werden immer wieder neue Teilzeitkräfte eingestellt, mittlerweile wurde ein fünftes Pflegeteam eingerichtet. „Die Fluktuation bei unseren engagierten Mitarbeitern ist noch relativ gering“, sagt Holst, ein weiterer Ausbau stoße zunehmend an personelle Grenzen: „Es mangelt an qualifiziertem Pflegepersonal.“ Schon jetzt an ihre Grenze stoße auch die Finanzierung der demografischen Herausforderung. Die sei immens, konstatiert Holst.

Auf hohem Niveau eingependelt haben sich die Klientenzahlen der Beratungsdienste, die Erziehungsberatung mit 453 Ratsuchenden 2011 einen neuen Höchststand erreicht. Für die Erziehungsberatung wurde eine neue Planstelle eingerichtet, das Team der Suchtberatung durch eine Psychologin verstärkt.

Erfreut ist Holst über die Erfolgsstory des im August 2009 eröffneten Lorenz-Werthmann-Hauses und die ebenfalls erfolgreiche Startphase der Tagespflege, die als teilstationäre Einrichtung der Heimaufsicht unterstellt ist und eine lange Warteliste hat. „Mit dem Konzept sind wir schon seit vielen Jahren schwanger gegangen“, sagt Holst.

Die Umsetzung sei aber erst mit Verbesserungen durch die Pflegeversicherung möglich gewesen. Von Vorteil sei die Verzahnung mit der Sozialstation und anderen Hilfsangeboten. Wie bei der Tagespflege gibt es auch für die ambulant betreuten Wohngruppen im Lorenz-Werthmann-
Haus eine Warteliste. In der Begegnungsstätte gab es in den beiden vergangenen Jahren mehr als 1000 Veranstaltungen und 10 000 Besucher. Vom Computerclub bis zur Schreibwerkstatt haben sich mehrere feste Gruppen etabliert.

Wie sehr sich die Aufgaben der Duderstädter Caritas gewandelt haben, verdeutlicht ein Blick in die Vergangenheit. Bei ihrer Gründung vor 66 Jahren ging es um Kriegstraumata und Vertriebene, heute um Cybermobbing, Migranten und eine vergreisende Gesellschaft.

Von Kuno Mahnkopf