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Duderstadt Älteste Glocke Duderstadts schlägt in evangelischer Wallfahrtskirche
Die Region Duderstadt Älteste Glocke Duderstadts schlägt in evangelischer Wallfahrtskirche
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08:00 27.04.2019
Die älteste Kirchenglocke Duderstadts ist in einer evangelischen Wallfahrtskirche entdeckt worden. Quelle: Andreas Philipp
Duderstadt/Gottsbüren

Von einem in mehrfacher Hinsicht sensationellen Glockenfund berichtet die Göttinger Historikerin Dr. Sabine Wehking: Die wahrscheinlich älteste Kirchenglocke Duderstadts schlägt bis heute zu jeder vollen Stunde in der evangelischen Wallfahrtskirche in Gottsbüren, einem Ortsteil der Kleinstadt Trendelburg im Landkreis Kassel.

Von Stadtbrand verschont geblieben

Als Glockensachverständiger der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover besteigt Andreas Philipp immer wieder Kirchtürme. Dabei entdeckte er in Gottsbüren die Glockeninschrift „Sivitas de Dvderstat“ und informierte darüber Wehking von der Inschriftenkommission der Göttinger Akademie der Wissenschaften. Die Historikerin, die im Eichsfeld schon Chroniken wie die über das Amt Gieboldehausen geschrieben und dort 2003 im Festumzug bei der 1000-Jahr-Feier mitmarschiert ist, fiel aus allen Wolken. Die Glocke sei ihrer Inschrift zufolge eindeutig für die Pfarrkirche der Stadt Duderstadt, die seit der Zeit um 1250 errichtete Kirche St. Cyriakus, gegossen worden. Die Inschrift Sivitas (eigentlich Civitas) sei ein sehr früher Beleg für die Bezeichnung von Duderstadt als Stadt: „Außerdem ist es die mit Abstand älteste Inschrift Dudertadt, die zweitälteste stammt erst aus dem Jahr 1370.“ Aus der Mitte des 13. Jahrhunderts gebe es überhaupt nur sehr wenige erhaltene Glocken mit Inschriften. Und wenn die Glocke in Duderstadt verblieben wäre, würde es sie heute wegen des Stadtbrandes nicht mehr geben.

Tauschgeschäft nach der Reformation

Doch wie ist die Glocke, die immer noch als Uhrschlagglocke in Gebrauch ist, nach Gottsbüren gekommen? Auch darauf weiß Wehking eine Antwort. Die Glocke soll zu einem unbekannten Zeitpunkt gegen papistisches Kirchengerät eingetauscht worden sein. Das sei nach der Reformation für den liturgischen Gebrauch in Gottsbüren überflüssig geworden, während es im katholischen Eichsfeld Bedarf dafür gegeben habe. Der Tausch gehe aus Notizen des langjährigen Pfarrers von Gottsbüren, Christoph Ellenberger (1638-1734), hervor, sei offenbar deutlich vor seiner Amtszeit geschehen, lasse sich aber nicht mit Hilfe anderer archivalischer Belege nachweisen.

Die unregelmäßige Art der Inschriften entspreche den frühesten erhaltenen Glocken im Landkreis Göttingen, die teilweise datiert seien, sagt Wehking: „Es spricht einiges dafür, dass die Bewohner von Duderstadt um die Mitte des 13. Jahrhunderts aus dem wachsenden Selbstbewusstsein heraus, Bürger einer Stadt zu sein, eine Glocke gießen ließen, deren Inschrift genau dies zum Ausdruck brachte.“ Die aus heutiger Sicht nicht mehr verständliche Abgabe der ältesten Duderstädter Glocke an die Wallfahrtskirche Gottsbüren habe immerhin den Vorteil, dass diese nicht wie die anderen Glocken von St. Cyriakus dem Stadtbrand von 1852 zum Opfer gefallen sei. Möglicherweise habe man auch die Inschriften nicht weiter beachtet, meint Wehking und zitiert Kanonikus Johann Wolf, den „Vater der Eichsfelder Geschichtsschreibung“: „Nur wenige können so alte Schriften lesen, und wer sie lesen kann, steigt nicht gern an die Glocken.“

Die Inschrift kündet vom Erwachsen städtischen Selbstbewusstseins im Duderstadt des 13. Jahrhunderts. Quelle: Andreas Philipp

Zeichen für die Ökumene

Duderstadts Propst Bernd Galluschke freut sich über den Sensationsfund, der den Inkunabel-Bücherfund vom Vorjahr fortsetze: „Die Geschichtsforschung bringt Kostbarkeiten zu Tage, über die man dankbar sein kann.“ Dass die Glocke in der evangelischen Wallfahrtskirche Gottsbüren weiterhin in Gebrauch sei, schaffe nicht nur eine Verbindung zu Duderstadt, sondern sei auch ein schönes Zeichen für die Ökumene. Und die Kirche St. Cyriakus ist auch ohne die Glocke 2015 vom Papst zur Basilika erhoben worden.

Von Kuno Mahnkopf

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