Sieben Kaiserlinden ersetzen gefällte Bäume an Marktstraße in Duderstadt
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Duderstadt Kaiserlinden für die Marktstraße Duderstadt
Die Region Duderstadt Kaiserlinden für die Marktstraße Duderstadt
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18:43 16.04.2020
Frank Wüstefeld und Thorsten Fahlrott (vorne) sowie Markus Sommerfeld und Frank Erhardt im Hintergrund) vom Bauhof der Stadt Duderstadt setzen an der Marktstraße in Duderstadt sieben Kaiserlinden in die Erde. Quelle: Eichner-Ramm
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Duderstadt

Als vor wenigen Wochen sieben Bäume an der Marktstraße in Duderstadt gefällt worden waren, stieß das nicht bei jedem auf Zustimmung. Manche Anwohner hatten für die Maßnahme kein Verständnis. Doch die Duderstädter mussten nicht lange auf die Bäume im Stadtbild verzichten. Am Donnerstag sind sieben Kaiserlinden als Ersatz gepflanzt worden.

Damit seien jetzt alle Straßenbäume entlang der Marktstraße ausgewechselt worden, sagte Frank Widera, Leiter des städtischen Bauhofes Duderstadt. Das Ganze gehe zurück auf einen Beschluss des Ortsrates von 2012, wonach die alten Linden entlang der Fußgängerzone gefällt werden sollen. Bei Begehungen durch den Baumausschuss sei diese Entscheidung seither immer wieder bestätigt worden. Als einer der Gründe war der Brandschutz angeführt worden. Die Feuerwehr hatte bemängelt, dass durch die groß gewachsenen Kronen die dahinter stehenden Häuser mit der Drehleiter nur schwer zu erreichen seien.

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„Die waren abgängig“

Auch der Zustand der Bäume habe für eine Fällung gesprochen. „Die waren abgängig“, hielt Widera Kritikern entgegen. Die verstärkte Ausbildung von Früchten sei ein deutliches Zeichen, dass die Pflanze versuche, gegen Schädigung anzukämpfen. Als Alleebaum sei eine Linde anderen Bedingungen ausgesetzt als in ihrer natürlichen Umgebung, erklärte der Fachmann. Sie erreiche nur den Bruchteil der Größe, und auch die Lebenserwartung sei nicht vergleichbar. Der eingeschränkte Raum der Wurzeln, äußere Beschädigungen und das Umfeld seien eben nicht ideal für die Entwicklung.

Jetzt ist die Ersatzbepflanzung im Bereich zwischen Börsengasse und Jüdenstraße erfolgt. Wie schon in den vergangenen Jahren, als die ersten Bäume entlang der Marktstraße und an der Unterkirche ausgetauscht wurden, wurde auch jetzt schon binnen weniger Wochen nachgepflanzt.

Baumscheiben vorbereitet

Sieben Kaiserlinden in einer Größe von etwa vier Metern haben die Bauhofmitarbeiter am Donnerstag an den Standorten der gefällten Bäume in die Erde gebracht. Zuvor mussten die Baumscheiben vorbereitet werden, berichtete Widera. Das Wurzelwerk der alten Bäume wurde entfernt und das alte Erdreich wurde bis auf einen Meter Tiefe ausgetauscht. „Das ist wichtig, denn verrottendes organisches Material hätte das Anwachsen der neuen Bäume beeinträchtigt,“ sagte der Bauhofleiter. Die Erdarbeiten seien durch ein Fuhrbacher Bauunternehmen erledigt worden, die Fällung hatte ein Duderstädter Betrieb vorgenommen, so Widera.

Die Pflanzung der Jungbäume indes übernahmen am Donnerstag Wideras Bauhof-Trupp. So kümmerten sich Frank Wüstefeld und Thorsten Fahlrott sowie Markus Sommerfeld und Frank Erhardt jeweils im Team um das Platzieren der Wurzelballen von 60 bis 70 Zentimetern Durchmesser im Erdloch. Sie richteten die Stämme aus und verfüllten die Löcher mit Erde. Stabilisiert wurden die Kaiserlinden mit Holzpfählen.

Schutz vor Sonnenbrand

Außerdem erhielten die Stämme zum Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung ein Ummantelung aus Kokosmatten. „Das schützt die Bäume vor zu großer Verdunstung“. Andernorts würden die Stämme von Jungbäumen mit weißer Farbe versehen, was den selben Effekt habe und die Bäume vor Sonnenbrand, im Fachjargon Rindenbrand, schütze.

Wie schon im vorigen Jahr, als im oberen Teil der Marktstraße die Altbäume ersetzt wurden, sind auch jetzt wieder acht bis zehn Jahre alte Kaiserlinden gepflanzt worden. Man erhofft sich, dass auch sie sich so gut entwickeln wie die bisherigen. Um den Verlust der ökologischen Vielfals möglichst gering zu halten und schon bald wieder eine entsprechende räumliche Wirkung zu erzielen, seien bewusst ältere, etwas stärkere Bäume gewählt worden, ergänzte Widera. Kaiserlinden gelten nach Angaben Wideras als robust und relativ resistent gegen Trockenheit. Sie würden sehr gleichmäßig wachsen und nach Rückschnitt ohne Probleme wieder austreiben.

Kaiserlinde

Kaiserlinden wurden früher zu besonderen Anlässen gepflanzt. In Duderstadt zieren sie die Marktstraße. Vielerorts wurden sie wegen ihrer weit ausladenden Äste und großen Blätter als Schattenspender und Regenschutz im Dorfmittelpunkt gepflanzt, wie auf Wikipedia zu lesen ist. Früher wurde unter Gerichtslinden Gericht gehalten, in manchen Orten gab es den „Tanz unter den Linden“. Symbolisch stehen Linden also für soziale Treffpunkte. Kaiserlinden wurden bereits beim Ausbau der Duderstädter Marktstraße verwendet. Die veredelten Bäume zeichneten sich durch einen gleichmäßigen Kronenaufbau aus.

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Sie erreichen die Autorin per E-Mail an b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de oder unter Telefon 05527/9499712.

Von Britta Eichner-Ramm

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