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Duderstadt Sinti und Roma pilgern nach Germershausen
Die Region Duderstadt Sinti und Roma pilgern nach Germershausen
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19:55 21.07.2011
Beginn der Sinti- und Roma-Wallfahrt: 80 Menschen feiern in der Kirche in Germershausen die Heilige Messe.
Beginn der Sinti- und Roma-Wallfahrt: 80 Menschen feiern in der Kirche in Germershausen die Heilige Messe. Quelle: Pförtner
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Germershausen

Wolfgang Patzelt, der die Volksgruppe seit 2003 im Auftrag des Bischofs im Bistum Hildesheim betreut, bat in der Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung um eine Spur von Mandy Müller. Die junge Frau, die aus einer Nienburger Sintifamilie stammt, ist vor drei Jahren verschwunden. Die Polizei tappt im Dunklen. Viel Hoffnung, dass sie noch lebt, hat der Pfarrer nicht. Aber ein „würdiges Begräbnis“ soll sie erhalten.

Der hannoversche Propst Martin Tenge griff Patzelts Bitte in seiner Predigt auf. Als Regionaldechant sei er auch für Nienburg zuständig. Er wisse, dass auf vielen Sinti- und Roma-Familien „großer Schmerz“ laste. Tenge sprach den Völkermord an, den die Nazis während des Dritten Reichs an den Menschen verübt haben. Eine Wallfahrt, so Tenge, sei auch dazu da, an die Toten zu erinnern. Der Geistliche ermunterte die Sinti und Roma dazu, für die Daheimgebliebenen zu beten. Die Volksgruppe solle sich dem Schutz des Herrgotts und der Gottesmutter unterstellen.

Im Bibeltext der Eucharistiefeier ging es um das Volk Israel, das nach seiner Flucht aus der Sklaverei Ägyptens in der Wüste lebte. „Die Menschen wohnten in Zelten, nicht in Wohnwagen“, so Tenge. Die Lebenssituation sei jedoch die gleiche. Auch das Volk Israel sei Gefahren ausgesetzt gewesen.

Tenge ist im Eichsfeld kein Unbekannter. Daran erinnerte Augustinerpater Rudolf Götz, der als Hausherr der Germershäuser Kirche sprach. Tenge war bis 1999 Kaplan in Duderstadt. Dann berief ihn der Bischof zum Diözesanjugendseelsorger. Seit 2008 ist er Propst und Regionaldechant. Während des Gottesdienstes spielte die sechsköpfige Romanes-Kapelle von Bakro Rosenberg. Unter den 80 Zuhörern befand sich auch Gemeindebürgermeister Reinhard Scharf (CDU).

Am heutigen Freitag (19 UhrI Thomas Rahe, Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, in der Bildungsstätte St. Martin über Religiosität in den Konzentrationslagern.

Von Michael Caspar