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Duderstadt So steht es um den Hochwasserschutz in Duderstadt
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So steht es um den Hochwasserschutz in Duderstadt

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09:00 27.09.2021
Das Rückhaltebecken Brehme-Sandwasser in Duderstadt stand 2017 kurz vor dem Überlaufen.
Das Rückhaltebecken Brehme-Sandwasser in Duderstadt stand 2017 kurz vor dem Überlaufen. Quelle: Rüdiger Franke
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Duderstadt

Die Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal hat auch die Diskussion um den Hochwasserschutz in Duderstadt wieder in den Fokus gerückt. Sowohl SPD- als auch CDU-Fraktion hatten einen Antrag gestellt, um den aktuellen Stand zu erfahren.

Die Stadt Duderstadt habe in den vergangenen Jahren knapp 150 000 Euro direkt in den Hochwasserschutz investiert, berichtet Stefan Rathswohl vom Fachdienst Tiefbau und Umweltschutz der Stadt Duderstadt in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt- und Feuerschutz. Allerdings trügen auch andere Ausgaben indirekt zur Verbesserung des Hochwasserschutzes bei. Dazu zählten die Unterhaltung der Gemeindestraßen, Abwasserbeseitigung, Wasserläufe und Wirtschaftswege. Die Ausgaben hierfür betrügen insgesamt 220 000 Euro. Zudem seien verschiedene Investitionsmaßnahmen umgesetzt beziehungsweise geplant, wozu unter anderem die Sanierung des Hartmannkanals unterhalb des Schützenrings zähle. Zusammengerechnet seien für die Maßnahmen rund 950 000 Euro gezahlt worden. Rathswohl verwies auch auf verschiedene Expertenrunden, zum Beispiel eine Hochwasserschutz-Konferenz in Mingerode im Oktober 2019.

„In Mingerode kommt das Wasser ungebremst rein“, berichtete Joachim Vetter (SPD) aus seinem Heimatdorf. Die Bankette seien abgefahren. Außerdem würden oft Äste in die Gräben geworfen. Dem müsse entgegengewirkt werden. Der Ausschussvorsitzende Hermann Hesse (CDU) schlug vor, ein Hochwasserkataster zu erstellen. Fuhrbachs Ortsbürgermeisterin Beate Sommerfeld (CDU) forderte, dass sich alle an einen Tisch setzen sollten. „Wir sollten auch die Landwirtschaft ins Boot holen“, sagt sie. Das Freihalten der Bäche und das Leeren der Sinkkörper müssten automatisch erledigt werden. Man müsse sich nach und nach alles anschauen, sagte Rathswohl. Die schlimmsten Fälle sollten zeitnah verbessert werden. Aber es gebe eben auch viele Gräben im Stadtgebiet.

„Vermutlich mehr Geld bereitstellen“

Hochwasserschutz sei auch eine Frage des Geldes, betonte Hesse. „Wir müssen künftig vermutlich mehr Geld bereitstellen.“ Aber auch die Anwohner seien in der Pflicht, betont Rathswohl. Es müsse geprüft werden, ob alles frei ist. Man müsse auf Verbände und Privatpersonen zugehen, damit sie wissen, dass sie gefordert seien, erklärte Duderstadts Bürgermeister Thorsten Feike (FDP). „Wir müssen die Eigentümer sensibilisieren“, sagte er. Es sei eine Gesamtaufgabe, nicht nur an einer Stelle zu schauen, sondern den gesamten Bereich im Blick zu haben. Michael Hasse (CDU) regte an, Flyer für Anwohner zu erstellen, auf denen mögliche Maßnahmen erläutert werden.

Thomas Rössing-Schmalbach (CDU) sagte, dass „wir vielleicht doch über ein Regenrückhaltebecken an der Hahle nachdenken müssen - aber auch über Rückhaltebecken im Bereich Nathe oder Muse“. Dazu müsse man schauen, ob es Landesfördermittel für solche Vorhaben gebe.

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Hesse verwies darauf, dass es bei künftigen Überlegungen auch um die Alarmierung im Katastrophenfall gehen müsse. Irgendwann sei man auf stille Alarmmelder umgestiegen. „Wie lange halten zum Beispiel die Stangen, auf denen die Sirenen montiert waren?“, fragte er. Die meisten Sirenen seien abgebaut, ergänzte Sommerfeld. Man müsse die Verwaltung bitten, zu überprüfen, welche Möglichkeiten es gebe. „Die bestehende Infrastruktur ist ausgedünnt“, bestätigte Feike. „Und mit den Tönen der Sirenen kann heute auch kaum noch einer etwas anfangen.“ Es sei aber eine Anfrage vom Bund gekommen, inwiefern man die Alarmierungssysteme wieder herstellen wolle.

Die neuen Ortsräte sollten Vorschläge an die Hand bekommen, was gemacht werden könne und worauf zu achten sei, schlug Thomas Gerlach (Hilkerode, WDB) vor. Und Jochen Mitschke (Grüne) forderte, dass das Thema Hochwasserschutz künftig mindestens einmal im Jahr auf die Tagesordnung der Ratssitzungen gehöre.

Wichtiges Thema aus Sicht der Feuerwehr

„Auch aus Sicht der Feuerwehr ist der Hochwasserschutz ein wichtiges Thema“, bekräftigte Thorsten Krone (CDU), auch Ortsbrandmeister in Duderstadt. Er erinnerte an das Hochwasser nach einem mehrere Tage andauernden Dauerregen vor vier Jahren. Damals habe es in Westerode einen nächtelangen Einsatz gegeben. „Und Duderstadt wäre um ein Haar abgesoffen“, blickte er zurück. „Wir sind da, wo wir sonst das Osterfeuer anzünden, mit Schlauchbooten gefahren.“ Denn damals sei das Regenrückhaltebecken im Verlauf der Brehme erstmals nach dem Bau vollgelaufen. Krone hob die Bedeutung einer solchen Anlage hervor. „Wir sollten dranbleiben, das Rückhaltebecken an der Hahle umzusetzen.“

Der zweite wichtige Aspekt sei tatsächlich die Alarmierung der Bevölkerung. Beim Umstellen auf die Meldeanlagen habe man nicht an solche Ereignisse gedacht. „Radio und App hören die Menschen nachts nicht“, so Krone weiter. Und die Feuerwehr habe nur zwei oder drei Fahrzeuge, die mit Lautsprechern ausgerüstet seien. Sein Vorschlag ist, darüber nachzudenken, ob man den alten Ratsbeschluss zu dem Thema abändern oder erweitern sollte. „Wir müssen auf jeden Fall etwas machen.“

Von Rüdiger Franke