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Duderstadt Softairwaffen sind bei Jugendlichen beliebt – aber nicht ungefährlich
Die Region Duderstadt Softairwaffen sind bei Jugendlichen beliebt – aber nicht ungefährlich
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19:32 09.04.2014
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Duderstadt

Dierk Falkenhagen vom Duderstädter Polizeikommissariat schildert das mögliche Schreckensszenario:

Ein Jugendlicher ist auf dem Weg zu seinem Freund, sie haben sich zum Schießen mit ihren Softairwaffen verabredetet. Unterwegs wird er gesehen – von jemandem, der nicht wissen kann, dass die Waffe nicht echt ist. Die Polizei wird hinzugerufen – im Glauben, ein Jugendlicher sei mit einer Waffe unter dem Arm unterwegs. Entsprechend ausgerüstet würden die Beamten ihm begegnen.

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Damit es dazu gar nicht erst kommt, informiert die Duderstädter Polizei nicht nur die Kinder und Jugendlichen, die mit Softairwaffen hantieren, sondern auch die Eltern, die oftmals gar nicht über die rechtliche Lage im Bilde seien, so Falkenhagen. „Eine Softairwaffe bis zu 0,5 Joule gilt als Spielzeug“, erläutert Falkenhagen. Damit sei kein Waffenschein zum Kauf nötig. In Joule wird die Geschossenergie angegeben, mit der die Kugel durch eine Feder aus der Waffe geschleudert wird.

Anscheinswaffe

Trotz der Einstufung als Spielzeug ist auch eine „kleine“ Softairwaffe eine Waffe – eine Anscheinswaffe nämlich. Wie der Name schon sagt, sieht sie einer echten Waffe täuschend ähnlich. Und damit darf sie in der Öffentlichkeit nicht geführt werden, um ein Szenario wie das eingangs geschilderte zu vermeiden. Die Außenwirkung bezieht sich dabei auch auf den Transport.

Eine Softairwaffe müsse immer in einem undurchsichtigen und verschließbaren Behälter wie etwa einem Koffer transportiert werden. Auch dies sei vielen Eltern nicht bewusst, wenn sie dem Kind das Spielzeug kauften, so Falkenhagen. Sollten Polizeibeamte ein Kind oder einen Jugendlichen mit einer Softairwaffe antreffen, würde diese von der Polizei einbehalten.

Ebensowenig sei bekannt, dass das Benutzen nur abgeschirmten, abgeschlossenen und schallgeschützten Räumen stattfinden dürfe. Außerdem müsse im Vorfeld geklärt werden, wer im Falle eines Unfalles haftet. „Das würde ich schriftlich festhalten“, empfiehlt Falkenhagen Eltern, die ihren Kindern und deren Freunden das Schießen beispielsweise in einer entsprechend ausgestatteten Scheune erlauben wollen.

Schutzbrille tragen

Nicht per Gesetz vorgeschrieben, aber sinnvoll sei es, Masken oder Schutzbrillen zu tragen. Zwar seien die frei verkäuflichen Softairwaffen ungefährlich, wenn eine Kugel den Körper berühre, „aber im Gesicht kann es schon zu Verletzungen kommen“, begründet Falkenhagen.

Außerdem  mahnt er Eltern, genau darauf zu achten, welche Softairwaffen ihre Kinder benutzen. Es seien oft schon Zwölfjährige, die „geprägt sind von gewalttätigen Computerspielen“, die sich eine starke Softairwaffe besorgten. „Das Problem fängt schon in der Grundschule an.“

Konkrete Fälle, in denen ermittelt werden musste, habe die Polizei in Duderstadt bisher nicht gehabt. Eben deshalb setzen Falkenhagen und seine Kollegen auf Prävention: „Schließlich wollen wir gar nicht erst einen Anlass haben zu ermitteln.“