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Duderstadt Windräder im Schatten des Milans
Die Region Duderstadt Windräder im Schatten des Milans
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09:33 03.07.2017
Von Kuno Mahnkopf
Quelle: ch
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Duderstadt

Zur Wahl für eine Änderung des Flächennutzungplanes stehen drei bis vier Sondernutzungflächen bei Esplingerode, Nesselröden und Gerblingerode. Alle anderen potenziellen Standorte hat das Planungsbüro Schwerdt ausgeschlossen, eine zentrale Rolle spielt dabei der Rotmilan. Mit der Planänderung, über die am 29. August der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt- und Feuerschutz befindet, soll auch die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit beschlossen werden.

Diesen Beschluss hatte der Rat der Stadt bereits im Dezember 2014 gefasst, dann wurde die Planung aber maßgeblich verändert. Als Gründe dafür nennt die Stadtverwaltung neue Vorgaben aus dem niedersächsischen Winderlass, neue Kartierungen des Rot- und Scharzmilans durch den Landkreis, neue Abstandsregelungen zu Brutstandorten und Hinweise aus Thüringen zum Naturschutz-Großprojekt Grünes Band. Als mögliche Vorranggebiete für Windenergie übrig geblieben sind 36 Hektar im Norden von Esplingerode, vier Hektar im Osten von Esplingerode, 46 Hektar südlich von Nesselröden und 22 Hektar östlich von Gerblingerode im Bereich des Baches Lindenbeeke.

Erster Bauantrag vor 25 Jahren

Für die grüne Stadtratsfraktion ist das eine Minimallösung. Die müsse mit Nachdruck bearbeitet werden, um die Ziele des Ratsbeschlusses von 2011 erreichen zu können. Damals hatte der Rat beschlossen, die Energieversorgung ab 2025 ausschließlich aus regenerativen Quellen sicherzustellen.  Eine Lanze für die Windenergie bricht Jochen Mitschke (Grüne) und hinterfragt die sogenannten weichen Faktoren als Verhinderungsgrund. Auch mit Blick auf den Rotmilan sei eine Raumnutzungsanalyse vonnöten ("Nisten die Vögel dort oder überfliegen sie das Geände nur?").

Mitschke moniert in seinem Plädoyer für Windkraft, dass die vorgeschlagenen Flächen am äußersten Rand der Gemarkungsgrenze sehr klein seien und eher bescheidene Perspektiven zur Windausnutzung hätten. Andere Flächen wie östlich von Hilkerode oder zwischen Mingerode und der Tettelwarte, wie sie die Firma WKN AG aus Husum vorgeschlagen habe, hätten hervorragende Windprognosen und seien nur durch weiche Faktoren eingeschränkt. Mitschke erinnert auch daran, dass bereits vor 25 Jahren der erste Bauantrag für die Errichtung einer Windkraftanlage an der Birkenallee bei Gut Herbigshagen gestellt und mit Hinweis auf das mittelalterliche Stadtbild abgelehnt worden sei.

Koch erwartet neue Vorgaben

Lothar Koch (CDU) stimmt dem Ziel des Ratsbeschlusses von 2011 generell zu. Aufgrund neuer Erkenntnisse müsse dieser Beschluss aber stets mit Augenmaß fortgeschrieben werden. Der Landtagsabgeordnete prognostiziert, dass es schon im kommenden Jahr neue gesetzliche Vorgaben geben werde, verweist auf Abwägungsprozesse und erhebliches bürgerschaftliches Engagement gegen Windräder. "Häufig stehen bei der Windenergie Interessen dahinter, die nicht von hehren ökologischen Absichten getragen werden." Für die Flächen bei Rhumspringe und Hilkerode sei nicht nur der Rotmilan ein Verhinderungsgrund gewesen.

Auch Mitschke räumt ökonomische Interessen bei Windenergieanlagen ein und will sich neuen Erkenntnissen nicht verschließen. Er verweist aber auch auf Gewerbesteuereinnahmen und betont: "Wir kommen ohne Windenergie nicht weiter."