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Duderstadt Spenden werden mit Vogelkalender 2019 gesammelt
Die Region Duderstadt Spenden werden mit Vogelkalender 2019 gesammelt
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20:17 20.12.2018
Rund 40 Schwalben überwintern bei der Wildvogelhilfe Südniedersachsen. Quelle: r
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Hilkerode

Eine kleine verletzte Rauchschwalbe hat 2008 einen großen Stein ins Rollen gebracht. Die Biologin Julia Metternich startete ihr erstes Projekt zur Hilfe von Wildvögeln. Daraus ist eine Lebensaufgabe geworden.

Ein Grundwissen sei damals ja schon vorhanden gewesen, sagt die Hilkeröderin, während in der oberen Etage des Hauses in der Ellerstraße gebohrt und gehämmert wird. „Wir bereiten uns auf die nächste Saison vor“, erklärt Metternich den Umbau. Platz für noch mehr Vögel wird geschaffen. Seit ihrer Kindheit hatte Metternich mit Wellensittichen zu tun, im Biologiestudium sei auch Vogelkunde ein Thema gewesen. Aber mit der ersten kleinen Schwalbe holte sie sich doch lieber Rat von einer Schwalben-Expertin in Berlin. „Wir telefonierten viel, und ich lernte immer mehr dazu“, erzählt Metternich. Und da das so gut lief, kamen im ersten Sommer noch zwei kleine Schwalben dazu, die mit aufgepäppelt wurden. Alle drei wurden nach der Mauser in die Freiheit entlassen.

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Zwischenzeile: Spritzmittel gefährlich für Wildvögel

Dass Metternich zehn Jahre später mit ganzen Vogelschwärmen unter einem Dach leben würde, die sie füttern und pflegen müsste, hatte sie im ersten Jahr noch nicht geplant. 2016 hängte sie ihren Beruf an den Nagel und verschrieb sich mit der Vereinsgründung der Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen vollends den gefiederten Patienten. Dieser Aufwand funktioniere nur, weil ihr Mann Magnus Duda mit am Strang ziehe, sich zum Falkner ausbilden ließ und den Verein mit gegründet habe, sagt die Biologin.

Der vergangene Sommer habe dann gezeigt, dass die Kapazitäten erweitert werden müssten. „Es kommen immer mehr Wildvögel, die Spritzmittel in der Landwirtschaft nicht vertragen und Schäden davontragen. Dann kam der lange trockene Sommer dazu. Wir hatten in der Hauptsaison rund 140 Wildvögel gleichzeitig, die wir gepflegt haben“, erzählt Metternich. Um sich auf einen erneuten Andrang vorzubereiten, sollen nun mehr Räume im Haus hergerichtet werden. Denn Schwalben seien für Volieren oder Käfighaltung völlig ungeeignet. „Die Federn brechen sofort, sogar am Netz einer Soft-Transportbox“, erklärt die Fachfrau.

Zwischenzeile: Rund 40 Schwalben überwintern im Haus

Rund 40 Schwalben, die nicht fit genug für den Flug in den Süden waren, überwintern in dafür eingerichteten Räumen im Haus. Im Garten kommen die Greifvögel unter wie der Turmfalke, auf den mit einem Luftgewehr geschossen wurde oder der Bussard, der mit einem Auto kollidierte. „Große Unterstützung bekommen wir von den Duderstädter Tierärzten Rebecca Rust und Rene Rautenberg, die sich schon auf unsere Patienten spezialisiert haben, und von Brigitte Sindermann“, lobt Metternich die Kooperation.

Doch nicht nur das Pflegen der Vögel sieht die Biologin als ihre Aufgabe, auch Aufklärung liegt ihr am Herzen. „Viele Menschen machen schon Fehler, wenn sie einen verletzten Vogel finden. Das fängt bei der Ernährung an und geht bis zum Transport“, sagt Metternich. Um möglichst breitgefächerte Informationen weiterzugeben, bietet der Verein nach Absprache Führungen für interessierte Gruppen und Schulklassen an. Neu ist die Möglichkeit, Fördermitglied zu werden und für einen kleinen Jahresbeitrag die Arbeit der Wildvogelhilfe zu unterstützen.

Eine besondere Aktion ist vor Weihnachten angelaufen: Fotos von den Hilkeröder Vogelpatienten zieren einen Jahreskalender, der verkauft wird. Die Erlöse fließen zu 100 Prozent in die Futterkasse der Wildvogelhilfe Südniedersachsen. Die Kalender gibt es in Duderstadt in der Tierartzpraxis Rust & Rautenberg oder direkt bei der Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen. Kontakt auch über Facebook oder auf der Webseite https://igwsn.de/kontakt.html. ny

Von Claudia Nachtwey