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Duderstadt Spezialisierung ja, Zentralisierung nein
Die Region Duderstadt Spezialisierung ja, Zentralisierung nein
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00:30 23.03.2018
dud-martinibau • Das Bettenhaus Block A des Krankenhauses St. Martini in Duderstadt soll erweitert werden. Quelle: Rüdiger Franke
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Duderstadt

Dem war die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vehement entgegentreten: Die Studie sei eine „gezielte Diskreditierung“ der Krankenhausmedizin und verunsichere Patienten, so die DKG. Vor allem aber vergleiche sie „Äpfel mit Birnen“, weil aus Abrechnungsdaten Schlüsse auf die Leistungsfähigkeit geschlossen worden sein – ohne die Hintergründe der jeweiligen Behandlung zu betrachten. Kohlstedde teilt eigenen Angaben zufolge diese Kritik an der Studie.

Zentralen Forderungen des Krankenhausreports hingegen stimmt er teilweise zu: Gerade in Ballungsräumen mit mehreren Krankenhäusern hält Kohlstedde eine Zentrenbildung, also die ­Spezialisierung einzelner Kliniken bei planbaren Eingriffen, für sinnvoll.

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Diese hatte auch der Krankenhausreport im Fokus: Fänden beispielsweise Darmkrebs-Operationen in Kliniken statt, die 50 oder mehr entsprechende Patienten jährlich versorgten, steige die Qualität der Eingriffe deutlich. Mit nach Kohlsteddes Angaben 35 Darmkrebs-Patienten 2017 wäre St.-Martini aus Sicht der AOK ein Standort, der die Leistung zukünftig nicht mehr erbringen dürfe.

Kohlstedde verweist aber auf die bereits enge Zusammenarbeit seines Hauses mit der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): St. Martini sei Ausbildungskrankenhaus für die UMG, und die Ärzte stimmten sich ohnehin eng ab. Im Sinne der Patienten erfolge Untersuchung, Diagnose und Therapie wohnortnah in Duderstadt. Wenn es geboten sei, würden Patienten aber an die Universitätsklinik überwiesen, so Kohlstedde. Auch gebe es bereits eine Kooperation im Rahmen des „G-CCC Universitätskrebszentrums“, bei der Therapien in St. Martini mit Spezialisten aus der UMG koordiniert würden.

Zugleich betonte Kohlstedde die Wichtigkeit einer umfassenden Grund- und Regelversorgung in Wohnortnähe der Patienten, was auch die Notfallmedizin und den Notfallstandort umfasse. Dem Krankenhausreport zufolge könne beispielsweise bei Herzinfarkten die bessere Ausstattung in einer größeren Klinik die möglicherweise längeren Fahrtzeiten aufwiegen. „Gerade bei Herzinfarkten sind viele Behandlungen Akutbehandlungen“, sagt Kohlstedde dagegen und verweist darauf, dass bei einer Fahrt nach Göttingen wertvolle Zeit verloren ginge.

Aus Kohlsteddes Sicht hat sich St. Martini schon auf die von der AOK geforderte Schwerpunktsetzung eingestellt. Entlang der Bedarfe vor Ort konzentriere sich das Krankenhaus auf die Bereiche Geriatrie, Kardiologie, Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie und Endoprothektik, teilte Kohlstedde angesichts des demografischen Wandels in der Region mit. „Auch mit harten Entscheidungen, wie der Schließung der Geburtshilfe, haben wir auf prognostizierte Entwicklungen reagiert.“

Von Christoph Höland

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