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Duderstadt Stadtrundgang statt Mai-Kundgebung
Die Region Duderstadt Stadtrundgang statt Mai-Kundgebung
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00:29 26.04.2018
In der Duderstädter Schauburg, hier eine Aufnahme von etwa 1910, hat die erste Mai-Kundgebung in Duderstadt 1890 stattgefunden..
In der Duderstädter Schauburg, hier eine Aufnahme von etwa 1910, hat die erste Mai-Kundgebung in Duderstadt 1890 stattgefunden.. Quelle: Stadtarchiv/Mecke
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Duderstadt

Als „Feiertag der Arbeiter“ wurde der 1. Mai in Duderstadt erstmalig 1890 in der Gastwirtschaft Gläse, der späteren Schauburg, gefeiert. Die erste Festrede hielt der Zigarrenarbeiter Wilhelm Lenz vor mehr als 50 Zigarren- und Handschuhmachern. „Das Eichsfeld war für Gewerkschaften immer ein schwieriges Pflaster. Hohe Arbeitslosigkeit, wenige Industriearbeitsplätze und die Spaltung der Arbeiterbewegung in christliche und freie Gewerkschaften prägten die Situation“, erklärt Schwedhelm. Am 10. August 1879 wurde in Duderstadt zunächst ein Arbeiterbildungsverein gegründet. Die Zielsetzung war, Arbeitern durch Wissen bessere berufliche Chancen zu geben. Die Arbeiterbildungsvereine gelten als Vorläufer der freien Gewerkschaften, aber auch der Volksbüchereien und der Volkshochschulbewegung.

1905 gab es den ersten Streik im Eichsfeld

Zu Beginn der russischen Revolution 1905 sammelten Eichsfelder Arbeiter Geld für ihre russischen Kollegen und solidarisierten sich mit ihnen im Hinblick auf Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen. Der erste Streik im Eichsfeld brach 1905 in Rhumspringe aus, als Zigarrenarbeiter eine Angleichung an die Löhne der Provinzen Hannover und Sachsen forderten. Der Streik war erfolgreich: Am 13. Mai wurde die Arbeit nach erfolgtem Lohnangleich wieder aufgenommen.

Der diesjährige Stadtrundgang in Duderstadt hat als Schwerpunkt die politische und wirtschaftliche Situation in den Jahren 1932 und 1933 – und die jeweiligen Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit. „Den 1. Mai 1933 prägten schon die Nationalsozialisten mit Aufmärschen, Marschmusik und der Übertragung von Hitlerreden im Duderstädter Schützenhaus und Kino“, berichtet Schwedhelm. Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften verboten und zerschlagen. „Auch in Duderstadt wurden die Büros besetzt und die Mitglieder und ehrenamtlichen Funktionäre verhaftet. Das Vermögen der Gewerkschaften wurde beschlagnahmt“, so Schwedhelm.

Gewerkschafter finden nach dem Krieg zusammen

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte große Arbeitslosigkeit, bis sich im Jahr 1947 zwei Wirtschaftsbetriebe als Arbeitgeber in Duderstadt ansiedelten: Ottobock und der Reißverschlusshersteller Opti, bei dem vor allem Frauen eingestellt wurden. Zeitgleich fanden sich wieder die Gewerkschaftler zusammen. Da vor dem Krieg die Arbeitnehmerbewegung in verschiedene christliche, freie und kommunistische Organisationen gespalten war und so der Einfluss durch die Nationalsozialisten nicht verhindert werden konnte, sollte nach dem Krieg die Arbeitnehmerschaft in einer Einheitsgewerkschaft organisiert werden – der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wurde gegründet. Mit der Auflösung des Altkreises Duderstadt im Jahr 1973 fusionierten auch der DGB-Kreis Duderstadt und der DGB Hann. Münden mit dem DGB-Kreis Göttingen. Dennoch gab es bis 1995 eine aktive Gewerkschaftsarbeit in Duderstadt. Der letzte hauptamtliche Leiter der DGB-Geschäftsstelle Duderstadt war von 1983 bis 1996 Rainer Nowak. „Die Gewerkschaften haben sich dann aus dem ländlichen Raum mit hauptamtlichen Vertretern zurückgezogen“, sagt Nowak. Ortskartelle des DGB wurden nur noch mit Ehrenamtlichen besetzt. Von 2009 an gab es in Duderstadt keine eigenen Mai-Kundgebungen mehr. Die Gewerkschaftler aus dem Eichsfeld wurden aufgefordert, an den Kundgebungen in Northeim teilzunehmen.

Von Claudia Nachtwey

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