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Duderstadt Statt Großer Pause Dienst im Krankenzimmer
Die Region Duderstadt Statt Großer Pause Dienst im Krankenzimmer
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19:44 16.11.2010
Engagiert im Sanitätsdienst: Björn Degener, Christine Siemerkus, Pascal Denecke, Anika Ahlborn, Manuela Abend, Anna Faßhauer, Katharina Strom (von links).
Engagiert im Sanitätsdienst: Björn Degener, Christine Siemerkus, Pascal Denecke, Anika Ahlborn, Manuela Abend, Anna Faßhauer, Katharina Strom (von links). Quelle: Blank
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Nicht alle Tage sind so dramatisch wie dieser eine“, sagt Biologielehrerin Christine Siemerkus. Gemeint ist der Tag, an dem sich ein Schüler morgens eine Platzwunde am Kopf zugezogen hatte – beim Sprung gegen den Türrahmen. In der großen Pause wurde ein anderer Schüler mit einem Papiergreifer am Auge verletzt, und in der sechsten Stunde fuhr man einen weiteren mit einem Radiergummi in der Nase in die Klinik.
„Da hatten wir gut zu tun“, erinnert sich auch Anna Faßhauer, die mit elf weiteren Jugendlichen zur zweiten Schulsanitäter-Staffel der Realschule Gieboldehausen gehört. „Meistens geht es aber um Bauchschmerzen, Übelkeit, Abschürfungen oder Sportverletzungen“, nennt Pascal De-necke die alltäglichen Leiden, mit denen die Mitschüler die Sanitäter im schuleigenen Krankenzimmer aufsuchten. Da könne man helfen, mit Kompressen, Pflastern und Verbänden. Nur Medikamente dürften nicht verabreicht werden, betont der Schulsanitäter.
Die Ausbildung in erster Hilfe, insgesamt über 30 Stunden, erhielten die Schüler bei den Duderstädter Maltesern. Hier habe Maik Adler auch schon die Schüler der ersten Staffel unterrichtet, erklärt Siemerkus. Die Lehrerin hat vor einigen Jahren die Organisation der Schulsanitäter in die Wege geleitet und lobt die gute Zusammenarbeit mit den Maltesern.
In den Unterrichtseinheiten, die nachmittags stattgefunden hatten, seien nicht nur Grundkenntnisse für verschiedene Verbände, Unfallversorgung und der Umgang mit dem Beatmungsgerät vermittelt worden. „Wir wurden auch über Gefahrenrettung aufgeklärt, beispielsweise über die Notfallmaßnahmen bei einem Brand im Chemieraum“, erzählt Pascal. Durch die Ausbildung sei das Verhältnis zu den Maltesern sehr freundschaftlich geworden, so dass die Schüler den Profis auch mal bei Einsätzen auf Sportfesten und Großveranstaltungen zur Seite stehen. „Da können wir schon kleine Wunden und Kreislaufschwächen behandeln“, nennt Anna einige Beispiele.
Die Schulsanitäter genießen eine hohe Akzeptanz bei Schülern und Lehrern. Damit alle Beteiligten den Überblick behalten, regeln Dienstpläne die Einsatztage. In jeder Pause sind zwei der Sanitäter im Krankenzimmer zu erreichen. Aber auch während der Unterrichtszeit kommt es zu Einsätzen. „Manchmal gibt es Schnittwunden oder Quetschungen zu behandeln oder es wird jemandem schlecht. Dann werden die Sanitäter, die Dienst haben, von der Schulsekretärin ausgerufen. Unsere Lehrer kennen das und lassen uns auch während der Schulstunde raus, um zu helfen“, erklärt Anika Ahlborn. „Unsere Sekretärin Margret Gerhardy ist immer im Einsatz und ein wahre Perle für die Schule. Über sie läuft der gesamte Informationsfluss“, ergänzt Siemerkus.
Die Ersthelfer-Ausbildung an den Nachmittagen und die Pausen im Krankenzimmer statt auf dem Schulhof – das ist viel freie Zeit, welche die Schulsanitäter opfern. „Es macht aber richtig Spaß, man lernt sich untereinander gut kennen und das Vertrauen der Schüler, aber auch das Selbstvertrauen, wird gestärkt“, nennt Anna die Gründe für das Ehrenamt an der Schule. „Und später in der Bewerbung macht sich das auch ganz gut, wenn man ehrenamtlich tätig war“, weiß Pascal. Katharina Strom sieht die Sanitäter-Ausbildung bereits als erste Grundlage für ihren Berufswunsch: „Ich möchte gern Kinderkrankenschwester werden. Dass ich mich mit solchen Dingen wie Blutdruckmessen schon auskenne, macht mich auch sicherer“, stellt sie fest.
Im kommenden Sommer verlässt die zweite Staffel der Gieboldehäuser Sanitäter die Schule. Doch zuvor kümmern sich die Zehntklässler selbst um das Anwerben der dritten Staffel. „Wir gehen in die Klassenräume, fragen die Schüler, ob sie mitmachen wollen und erzählen von den Aufgaben der Sanitäter“, erklärt Pascal. Ungefähr ein halbes Jahr würden die Ersthelfer-Schulungen bei den Maltesern dann dauern, so dass die neuen Sanitäter nach den Sommerferien einsatzbereit wären.

Von Claudia Nachtwey