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Duderstadt Statt zum Grenzlandmuseum geht es zum Papst
Die Region Duderstadt Statt zum Grenzlandmuseum geht es zum Papst
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13:06 28.09.2011
Miteinander vertraut werden: Schüler aus Combs-la-Ville und Duderstadt beim Kennenlernprogramm. Quelle: Thiele
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Die Französischklassen des EGD nahmen auch in diesem Jahr am Schüleraustauschprogramm mit den Deutschklassen des Collège Les Cités Unies aus der Duderstädter Partnerstadt Combs-la-Ville teil. Mit 25 Jugendlichen war eine der größten Gruppen seit Beginn des Programms Mitte der 1980er-Jahre angereist, sagte Margrit Nolte-Rietveld. Die Französischlehrerin organisierte den Austausch am EGD.

„Es gefällt mir gut hier und ich möchte die Sprache besser lernen“, sagte Pauline, die für eine Woche bei Nora wohnte. Auch die junge Französin Blandine wollte ihre Sprachkenntnisse verbessern und findet deutsch „interessant“. „Aber die Franzosen sprechen schon besser Deutsch als wir Französisch“, stellte EGD-Schüler Daniel Schanz fest. Das liege daran, dass die französischen Gäste Deutsch als erste Fremdsprache hatten, die EGD-Schüler Französisch als zweite Fremdsprache nach Englisch, erklärte Gudrun Borchert, die seit Jahren in Frankreich lebt und Deutsch am Collège unterrichtet.

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Bewährt habe sich am ersten gemeinsamen Schultag in Duderstadt das Kennenlernprogramm, mit dem die französischen Gäste und die deutschen Schüler vertrauter werden sollen, sagte Nolte-Rietveld. So erklärte Sportlehrerin Helgard Doschiri die Spielregeln auf Deutsch, Borchert übersetzte ins Französische, und schon bildeten sich Schülerkreise, die mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen aufeinander zugingen. Jede Hand sollte eine fremde Hand greifen, und dann gelte es, mit offenen Augen den Schülerknoten aufzulösen. Etwas chaotisch sah das Ganze aus, aber die Jugendlichen kicherten und schmiedeten Pläne zur Lösung der Aufgabe – auf Deutsch und Französisch. „So werden die ersten Berührungsängste überwunden“, erklärte Nolte-Rietveld.

In diesem Jahr sei das Wochen-Programm jedoch etwas verändert worden: „Sonst fahren wir immer ins Grenzlandmuseum und in den Mittelbau Dora, aber das schaffen wir diesmal zeitlich nicht“, sagte die EGD-Lehrerin. Wegen des Papstbesuchs fiel ein Schultag aus, was auch für die Gasteltern mehr Belastung bedeutete. „Da hat das Wochenende drei Tage, an denen den Schülern ein Programm geboten werden muss. Aber viele Familien pilgern mit den Schülern zum Papst nach Etzelsbach“, wusste Nolte-Rietveld. Um dennoch einen geschichtlichen Hintergrund mit Blick auf das Eichsfeld zu bieten, hatte die Lehrerin an der Schule eine Einführung in die historischen Besonderheiten der Region gegeben. Das weckte nicht nur das Interesse der Schüler, auch die Lehrerin Martine Voy betonte ihr Interesse an der deutschen Geschichte und Kultur. Daher habe sie sich gern gemeldet, als ihre Kollegin Caroline Peillier nach einer zusätzlichen französischen Lehrkraft suchte, um die große Gruppe der Austauschschüler zu betreuen.

Dass ein Schüleraustausch nicht nur das Lernen der fremden Sprache fördert, sondern auch Hemmungen abbaut, hat Gudrun Borchert beobachtet: „Meine Schülerin Lea ist im Unterricht sehr still und traut sich nicht oft zu, Deutsch zu sprechen. Hier auf dem Schulhof sah ich sie als einzige Französin zwischen fünf deutschen Schülern – und sie sprach und lachte.“

Nora und ihre Mitschüler erwarten schon mit Spannung ihren Gegenbesuch in Frankreich. „Im nächsten Sommer fahren wir nach Combs-la-Ville und sehen unsere neuen Freunde wieder. Da freuen wir uns drauf“, sagte die Achtklässlerin.

Von Claudia Nachtwey