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Duderstadt Storchen-Invasion am Seeburger See
Die Region Duderstadt Storchen-Invasion am Seeburger See
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18:31 24.08.2011
Von Kuno Mahnkopf
„Lang gescharrt, gleich frommen Pilgerzügen“: Klapperstörche auf der Seeburger Kirche.
„Lang gescharrt, gleich frommen Pilgerzügen“: Klapperstörche auf der Seeburger Kirche. Quelle: Nolte
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Seeburg

Offensichtlich wurden die Vögel vom reichhaltigen Nahrungsangebot angezogen, nachdem am Ortsrand Wiesenflächen gemäht worden waren. Die Tiere stürzten sich auf gehäckselte Frösche und kleine Mäuse, besetzten Wohnhausdächer auf dem Steinberg und ließen sich zum Verdauen auf dem Kirchenschiff neben dem Kindergarten im Ortskern nieder, bevor sie wieder verschwanden.

Holger Keil von der Sielmann-Stiftung war zwar nicht vor Ort, meint aber, dass es sich um einen der ersten Stoßtrupps von Alttieren handeln könnte, die sich bereits jetzt für den Zug gen Süden sammeln würden. Die Störche kämen sicher aus dem Norden und hätten in Seeburg Rast gemacht.

Der Seeburger Biobauer Ludwig Pape, auf dessen Scheune seit Jahren Störche brüten, geht eher von Jungtieren aus: „Die Jungstörche fliegen in aller Regel vor den Altstörchen.“ Sie würden sich vor dem Flug in den Süden jetzt mit unverpaarten Alttieren zusammentun und Exkursionen unternehmen. Derartige Trupps hätten sich schon in den Vorjahren in der Region gesammelt, der Leinepolder und der Bereich um den Seeburger See sich zu Anflugpunkten entwickelt.

Ob alt oder jung – im Ort sorgte die Invasion der Weißstörche, die sich auch auf dem Dach einer Hebammenpraxis niederließen, für schmunzelnde Kommentare zur demografischen Entwicklung. Immerhin war Seeburg im vergangenen Jahr laut Statistik die einzige Gemeinde in der Samtgemeinde Radolfshausen, deren Bevölkerung zulegen konnte – wenn auch nur um zwei Einwohner. Das sei ausbaufähig, frotzelten Augenzeugen der Storchen-Invasion.

Wenig Glück hatte allerdings in diesem Jahr der Seeburger Storchennachwuchs selbst. Von den acht Jungstörchen, die auf Papes Scheune im Ortskern sowie der Feldscheune zwischen dem Seeanger und Ebergötzen geschlüpft waren, haben nur zwei überlebt. Fünf Jungstörche haben das extrem trockene Frühjahr nicht überstanden. Ein weiterer Jungstorch verendete vor Kurzem bei einem Erkundungsflug im Leinepolder: Der in Seeburg beringte Seeanger-Storch verschmorte an einer Überlandleitung für Strom.