Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Storchenpaar besetzen alte Molkerei in Westerode
Die Region Duderstadt Storchenpaar besetzen alte Molkerei in Westerode
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:17 31.05.2013
Von Heinz Hobrecht
Endlich: Das erste Storchenpaar baut sich auf dem Schornstein in Westerode ein Nest. Quelle: Pförtner
Anzeige
Westerode

„Überglücklich“, wie er selbst sagt, ist Alfred Klingebiel über den Anflug der Störche, die auch als Glücksvögel bezeichnet werden. „Seit 25 Jahren warte ich darauf und habe nicht mehr daran geglaubt“, berichtet der Besitzer der ehemaligen Molkerei in Westerode, in der sich seit Jahrzehnten das Unternehmen „Klingebiel Zigarettenautomaten-Tabak-Spirituosen“ befindet.

Den Kopf des Schornsteins habe er damals mit einem Deckel versehen, in der Hoffnung, dass sich – ähnlich wie in Gieboldehausen – Störche niederlassen könnten, berichtet Klingebiel. „Kaum zu glauben, nun ist es soweit“, freut sich der Duderstädter.

Anzeige

Auch Johannes Nolte ist begeistert. Von seinem Balkon in der Amtmannswiese bietet sich dem Westeröder ein hervorragender Blick aufs Storchennest.

„Am Freitag vergangener Woche kam gegen 15 Uhr zunächst ein Storch und wenig später ein zweiter angeflogen“, schildert der ehemalige Zivilangestellte beim Bundesgrenzschutz das Eintreffen der Vögel. „Wunderbar, so etwas erleben und beobachten zu können.“

Nur kurz währte allerdings das Storchenglück in Hilkerode. Petra und Bernward Wetzko schickten dem Tageblatt ein Foto zum Beweis. Rund 150 Meter von ihrem Haus entfernt ließ sich – ebenfalls am Freitag vergangener Woche – ein Storch auf dem Nest im Ellertal nieder, das dort vor einigen Jahren von Naturfreunden errichtet worden war. 

Immer wieder ein Storch auf dem Nest

„Es war das erste Mal, das ich einen Storch auf dem Nest gesehen haben“, erklärte Bernward Wetzko am gestrigen Freitag. Doch seit einigen Tagen sei der Vogel nicht mehr da.

Ähnlich geht es an einem Nest zu, das für Adebar in Wollershausen eingerichtet wurde. Nur sporadisch findet sich ein Storch ein. Auch in Obernfeld sei dies  der Fall, berichtet  Bürgermeister Karl-Bernd Wüstefeld (CDU).

Ebenso wie im vergangenen Jahr, sei in seiner Hahlegemeinde auch in diesen Wochen immer wieder ein Storch auf dem Nest in der Hahlewiese gesichtet worden, der jedoch rasch wieder entflogen sei.

Friedel Bode aus Gieboldehausen wartet bislang vergebens  darauf, dass sich in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ein Stochenpaar einnistet. Hin und wieder fliegt zwar ein klappernder Vogel das Nest an, das Bode  mit seinen Nachbarn gebaut hat.

Bisher keine Jungstörche

Der Alt-Storch vom Schornstein der ehemaligen Molkerei, der auch dieses Jahr wiedergekommen sei, dulde jedoch offenbar keine weitere Brutstätte und vertreibe seine Artgenossen, berichtet der Gieboldehäuser. „Mit einer jüngeren Störchin hat sich der alte Storch auf der Molkerei ein Nest gebaut“, weiß Bode.

Am Ring des Weibchens habe er erkannt, dass das Tier vor zwei Jahren in Wasungen in Thüringen geschlüpft und beringt worden sei.

Gibt es bereits junge Störche in der Region? Wie wirkt sich das Wetter aus? Hat das Westeröder Paar noch Chancen, Junge großziehen zu können? Zu diesen Fragen nimmt Georg Fiedler, Storchenbeauftragter des Landkreises Göttingen und Experte der staatlichen Vogelschutzwarte in Niedersachsen, Stellung.

Weder vom Nest auf dem Hof von Ludwig Pape in Seeburg noch vom Schornstein des Unternehmens Nachtwey in Gieboldehausen seien ihm bislang Jungstörche bekannt geworden, sagte Fiedler. Das nasskalte Wetter könnte dazu führen, dass einige von ihnen, wie bereits anderswo geschehen, nicht überlebten.

Keinesfalls in diesem Jahr noch brüten

„Ich habe Bedenken, dass die Störche am Seeanger ihre Jungen hochkriegen, da sie schon früh mit dem Brüten begonnen haben.“

Keinesfalls würden die Störche in Westerode in diesem Jahr noch brüten, ist sich Fiedler sicher. Beim Nestbau, wie er jetzt von Anwohnern beobachtet werde, handele es sich aus biologischer Erfahrung nur um eine spielerische Tätigkeit, die nach einiger Zeit mit dem Verschwinden der Störche ende.

Allerdings sei das Einrichten des Nests ein gutes Zeichen dafür, dass diese Störche im kommenden Jahr wiederkämen und sich kein neues Nest suchen müssten.

Neben Gieboldehausen und den beiden Nestern in Seeburg sowie in Westerode gibt es in Lütgenhausen ein weiteres Nest, auf dem ein Storchenpaar nistet. Auch dort sind bis gestrigen Freitag noch keine Jungstörche geschlüpft, wie Wilhelm Koch auf seinem Grundstück beobachtet hat.