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Duderstadt Erstes Storchenpaar in Esplingerode
Die Region Duderstadt Erstes Storchenpaar in Esplingerode
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13:00 12.08.2019
Auch in Esplingerode hat sich jetzt ein Storchenpaar niedergelassen. Die Dorfbewohner haben die neuen Nachbarn Günter und Gerlinde getauft. Quelle: Helge Schneemann
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Esplingerode

Als zwei Störche auf dem Hof von Susann Heddergott und Thomas Klein ein Nest gebaut haben und dort blieben, war die Freude groß. Die beiden Pferdehalter aus Esplingerode haben alle Dorfbewohner zur Storchenparty eingeladen.

„Wir sind ganz begeistert, dass so viele gekommen sind“, sagt Susann Heddergott, während ihre Tochter Tina schnell noch ein paar zusätzliche Kaffeekannen auf die sommerlich dekorierte Tafel im Innenhof stellt. Weitere Tische, Stühle, Kuchen in Storchenform und Frosch-Plätzchen haben die Nachbarn mitgebracht. Die Freude über den Einzug der Störche eint die Esplingeröder. „Wir haben hier zurzeit 134 Einwohner“, erklärt Bürgermeisterin Christa Kellner (CDU), die ebenfalls anwesend ist. Weit mehr als die Hälfte aller Esplingeröder ist zum Storchenfest gekommen.

„Ich wohne seit meiner Hochzeit vor 55 Jahren in Esplingerode, aber Störche habe ich hier nie zuvor gesehen. Wir freuen uns, dass sie nun hier sind. Die bringen doch Glück“, sagt Annegret Maulhardt.

Renaturierungsmaßnahmen helfen den Störchen

Jahrzehntelang waren die Weißstörche im Eichsfeld so gut wie ausgestorben. Trockenlegung von Feuchtbiotopen, Begradigung von Bachläufen und zunehmend industrielle Landwirtschaft hatten die Lebensräume und die Nahrungsquellen der Vögel vernichtet. Erst nach verschiedenen Renaturierungsmaßnahmen haben sich die Weißstörche ab den 2000er-Jahren in der Region wieder blicken lassen, zunächst vereinzelt, doch inzwischen kommen immer mehr. Zu den Ortschaften im Untereichsfeld, die wieder nistende Störche verzeichnen können, gehören bisher Bernshausen, Bodensee, Ebergötzen, Gieboldehausen, Lütgenhausen, Obernfeld, Seeburg, Seulingen, Westerode, Wollbrandshausen und Wollershausen.

In Esplingerode sind in diesem Jahr noch keine Jungstörche geschlüpft. Aber nach einigen missglückten Nestbau-Versuchen des Männchens, das nun den Namen Günter trägt, wurde ab Mai der stabile Neubau in der Lindenkrone auch von Weibchen Gerlinde als Wohnsitz akzeptiert. „Zuerst hatte das Männchen an anderen Stellen im Dorf versucht, ein Nest zu bauen, zum Beispiel auf der Sirene, aber die ist nach oben gewölbt, und die Zweige rutschten immer wieder herunter“, hat Klein beobachtet. Spannend wurde die Sache, als ein Konkurrent sich dann ins gemachte Nest setzen wollte. „Da kam es zum Luftkrieg, die Federn sind geflogen, aber Günter hat sich durchgesetzt“, sagt Klein.

Erstmals nisten Störche in Esplingerode! Das muss gefeiert werden, fanden die Dorfbewohner und organisierten ein Fest. Rund die Hälfte aller Esplingeröder nahm daran teil.

Jeder kann seinen Beitrag leisten

Zur Willkommensparty unter der Linde auf dem Pferdehof hat sich das gefiederte Ehrenpaar zwar im Hintergrund gehalten, aber dafür war ein Fachmann anwesend, der einiges über den bedrohten Lebensraum von Wildvögeln zu berichten wusste: Magnus Duda hat zusammen mit seiner Frau Julia Metternich die Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen gegründet. Dort werden verletzte Wildvögel aller Art und in jeder Größe oder aus dem Nest gefallene Jungvögel aufgepäppelt, und es wird viel Aufklärungsarbeit zum Schutz der Vögel geleistet. „Natürlich hat das Insektensterben auch einen großen Einfluss auf das Nahrungsangebot von Wildvögeln“, sagt Duda. Um Lebensraum zu erhalten oder sogar wiederzugewinnen, müsste ein Umdenken stattfinden. Die Freude über die Rückkehr der Störche in der Region sei ein Schritt dahin. Helfen würde auch vielen anderen Vögeln weniger Chemie-Einsatz in der Landwirtschaft, mehr Ökolandbau mit größerer Artenvielfalt, sowie ein bewussteres Verhalten der Verbraucher. Im privaten Rahmen könne jeder, der seinen Garten als Lebensraum für Vögel und Insekten gestaltet, einen Beitrag leisten, sagt Duda und zeigt auf die üppige Mischhecke unter der Storchenlinde als positives Beispiel. Während der Storchenparty wurde auch gespendet. 125 Euro überreichte Susann Heddergott an Magnus Duda für die Wildvogelhilfe.

Notfalltelefon der Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen

Die Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen hat ein Notfalltelefon eingerichtet, um in Not geratenen Vögeln sofort helfen zu können: 0178/5268762.

Die Wildvogelhilfe empfiehlt: Wenig befiederte Nestlinge unbedingt warm halten; in Not geratene Vögel im Karton mit Luftlöchern sichern; kein Wasser oder Futter verabreichen, denn falsches Füttern kann tödliche Folgen haben.

Führungen für Besucher werden beim Tag der Offenen Tür am Sonntag, 1. September, von 11 bis 17 Uhr in Hilkerode, Im Ellertal 12, angeboten. Außerdem gibt es an verschiedenen Stationen und bei Mitmachaktionen Tipps zur Vogelfreundlichkeit in Natur und Garten.

Stargast beim Tag der offenen Tür ist die bekannte Tierfotografin, Falknerin, „Eulenflüsterin“ und Autorin zahlreicher Bücher Tanja Brandt. Der Eintritt ist frei. Die Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe wird gefördert durch die Bingo-Umweltstiftung, den Landkreis Göttingen, den NABU Niedersachsen und dem Niedersächsichen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Von Claudia Nachtwey

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