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Duderstadt Strauchgarten im „Fuchsloch“ im Fuhrbacher Soolbachtal
Die Region Duderstadt Strauchgarten im „Fuchsloch“ im Fuhrbacher Soolbachtal
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19:58 21.07.2014
Von Kuno Mahnkopf
Renaturierung als Reaktion auf die demografische Erosion:  Degenhardt (links) und Karlen geben im Soolbachtal der Natur eine Chance und Ortsräten einen Denkanstoß. Quelle: Richter
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Fuhrbach

Die Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) wandelt den ehemaligen Spielplatz in Abstimmung mit Stadt und Ortsrat in einen Strauchgarten um.  

Der Begriff trifft die Biotop-Vielfalt des abgelegenen Areals an dem asphaltierten Rundweg durchs Soolbachtal  nur bedingt. Es gibt auch neu gepflanzte Bäume (zweiter Ordnung), eine Feuchtwiese und Tümpel. Dort tummeln sich Molche, Frösche und Kröten, zwischen Mädesüß, verschiedenen Distelarten und Schilf schwirren Libellen und flattern Schmetterlinge, mit viel Geduld kann man auch den Feuersalamander erspähen.

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Der Soolbach trennt das abschüssige Gelände vom Waldrand, ein unbefestigter Wanderweg führt  über eine Brücke und als Alternativstrecke zurück ins Dorf.

„Baumparks und -lehrpfade gibt es in der Region inzwischen mehrere“

Auf die Strauchgarten-Idee ist der engagierte Fuhrbacher Nabu-Aktivist Reinhard Karlen durch das Rüdershäuser Arboretum gekommen. „Baumparks und -lehrpfade gibt es in der Region inzwischen mehrere“, sagt der 63-Jährige: „Deshalb wollten wir heimische Sträucher in den Vordergrund stellen.“

Das gefiel auch dem Ortsrat, der ebenso wie die Stadt grünes Licht für das Projekt gab.  Entscheidend sei gewesen, dass für den Strauchgarten weder die Stadtkasse noch Ortsratsmittel belastet werden, sagt Fuhrbachs stellvertretender Ortsbürgermeister Matthias Degenhardt (parteilos).

Die Umweltstiftung Bingo und der Energieversorger Harz Energie unterstützen die ökologische Aufwertung des früheren Spielplatzes mit vierstelligen Summen, die Nabu-Ortsgruppe bringt ihre Arbeitskraft ein und übernimmt die Pflege des Strauchgartens

„Wir wollen Wissen über die heimische Fauna vermitteln“

Geholfen haben auch zwei Bürgerarbeiter, deren Verträge zum Jahresende auslaufen. Nach einer Bestandsaufnahme wurden die vorhandenen 16 Gehölze durch ebensoviele neue Arten ergänzt.  Nach einer Pflanzaktion leistet der Schneeball der Felsenbirne Gesellschaft, die Hundsrose der Heckenkirsche.

„Wir wollen Wissen über die heimische Fauna vermitteln, das immer mehr verlorengeht“, sagt Karlen. Früher habe es in vielen Gärten schwarzen Holunder gegeben: „Heute ist die Heilpflanze aus den Gärten verschwunden.“

Drei Schautafeln sollen im Strauchgarten über Feuchtwiesen und Tümpel, Gehölze und Vögel unserer Heimat informieren. Die Lärchenholzgerüste dafür stehen bereits. Gefertigt wurden sie von der Duderstädter Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB). Von der stammte auch die Idee, sie mit Nisthilfen für Schmetterlinge zu kombinieren.

„Der Spielplatz ist dem demografischen Wandel zum Opfer gefallen“

Viel Arbeit haben Karlen und seine Mitstreiter noch vor sich. Im Herbst soll das Areal ausgebuscht werden, am Tümpel soll eine Sitzgruppe geschaffen, die Kunststoffbank am Weg durch Holzbänke ersetzt und ergänzt, an der vorhandenen Schutzhütte Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten angebracht werden, die Feuchtwiese muss für ihren Erhalt regelmäßig gemäht werden.

Der Spielplatz wurde in der Vergangenheit vor allem vom nahegelegenen Fuhrbacher Inge-Sielmann-Kindergarten genutzt. Der verfügt inzwischen über ein attraktives Außengelände mit vielen Möglichkeiten, für die Erneuerung der faulenden Spielgeräte aus Holz fehlte sowohl das Geld als auch der Bedarf.

„Der Spielplatz ist dem demografischen Wandel zum Opfer gefallen“, konstatiert Karlen. Degenhardt pflichtet ihm bei. In dem Ort mit rund 900 Einwohnern gebe es noch drei  weitere Spielplätze, die erhalten blieben: „Im Prinzip hatten wir eine Überausstattung, die im Zuge von Zukunftsvertrag und Haushaltskonsolidierung auf den Prüfstand kam.“

Degenhardt und Karlen betrachten den Strauchpark auch als Impulsgeber für andere Dörfer. „Mit diesem Pilotprojekt möchten wir auf eine Nutzungsmöglichkeit für weitere aufzuhebende Kinderspielplätze in der Stadt Duderstadt mit ihren 15 Ortsteilen hinweisen“, sagt Karlen: „Wir möchten verhindern, dass solche Anlagen als nutzlos betrachtet werden, in Kleingärten oder Ackerland umgewandelt werden oder womöglich noch als Hundeklo missbraucht werden.“