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Duderstadt Studentin will Schlammschlacht im Internet um Bürgermeisterwahl untersuchen
Die Region Duderstadt Studentin will Schlammschlacht im Internet um Bürgermeisterwahl untersuchen
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08:44 13.09.2019
Anders als in den Wahl-Flyern der vier Bürgermeisterkandidaten hat es im Internet auch persönliche Angriffe gegeben. Quelle: Eichner-Ramm
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Duderstadt

Der Bürgermeister-Wahlkampf in Duderstadt hat für Verwerfungen gesorgt und wird ein akademisches Nachspiel haben. CDU-Kandidat Stefan Koch, der am Sonntag in der Stichwahl gegen Thorsten Feike (FDP) antritt, teilt via Facebook mit, dass sich eine Studentin der Medienwissenschaften des Themas annehmen wolle. Die Studentin aus Wolfsburg mit Bezug zum Eichsfeld wolle für ihre Bachelorarbeit insbesondere die Auseinandersetzungen im Internet unter die Lupe nehmen. Was oder wer sie dazu motiviert hat, bleibt vorerst offen. Ihren Namen nennt Koch nicht, die Studiengangkoordinatoren der Hochschulen dürfen keine personenbezogenen Daten herausgeben.

Bei den Kommentaren zur Wahl im Internet seien Grenzen überschritten worden, einige Unterstützer von Kandidaten hätten sich im Ton verhoben, moniert Koch: „Alle haben auf mich eingeprügelt.“ Damit habe er leben können, nicht aber mit persönlichen Angriffen, die schmerzhaft für seine Familie seien. So hatte eine Facebook-Userin, die sich später dafür entschuldigte, Koch vorgeworfen, „körperlich beeinträchtigte Menschen durch eine völlig überfüllte Fußgängerzone zu schieben, um auf sich aufmerksam zu machen“. Mit seinem behinderten Sohn sei er täglich unterwegs, sagt Koch. Die finsteren Zeiten, in denen Behinderte auf Dachböden versteckt wurden, seien schon lange Vergangenheit.

„Angegangen und niedergebrüllt“

Er sei von Fake-Accounts angegangen, bei einer Podiumsdiskussion von Claqueuren eines Mitbewerbers niedergebrüllt worden, Erstwähler seien in WhatsApp-Gruppen gelockt worden, um Stimmung zu machen, sagt der langjährige USA-Korrespondent einiger Tageszeitungen: „Das hätte ich bei Trump erwartet, aber nicht hier in Duderstadt.“ Regionale Facebook-Gruppen hätten sich diskreditiert, die Administratoren früher eingreifen müssen. Die hässlichsten Postings seien inzwischen gelöscht worden. Immerhin gebe es auf einmal sachliche Kommentare im Netz, und nach geringer Wahlbeteiligung in der ersten Runde sei das Interesse an der Wahl gewachsen.

Auch er sei im Internet der Lüge und Vorteilnahme bezichtigt worden, sagt Feike. Er habe die Debatten auf Facebook verfolgt, selbst nichts gelöscht und sei gespannt auf das Ergebnis der Untersuchung, aber auch skeptisch wegen der gelöschten Kommentare: „Was will man da kontrollieren?“. Im Vorfeld der Stichwahl haben Florian Lillpop, der für Die Partei angetreten war, und die SPD eine Wahlempfehlung für Feike ausgesprochen, die Grünen und die WDB keine Empfehlung.

Gegner im Netz verunglimpft

Anfangs sei der Wahlkampf freundlich angelaufen und keine Schlammschlacht gewesen, sagt Matthias Schenke, der für die SPD angetreten war und bedauert, dass die Auseinandersetzung vor allem durch Internet-Kommentare aus dem Ruder gelaufen seien. „Attacken habe ich auch aushalten müssen“, sagt Schenke. Zu seiner Wahlempfehlung für Feike habe über inhaltliche Gründe hinaus auch beigetragen, dass die Reaktionen von Stefan Koch „immer dünnhäutiger und abgrenzender“ geworden seien: „Beide Kandidaten müssen sich an die Zügel nehmen und ihre Mitstreiter bremsen.“

Bis zum Wahltag sei die Debatte hart in der Sache, aber fair gewesen, meint Lillpopp. Er habe mehr oder weniger Kontakt zu den anderen Kandidaten gehabt, aber mit keinem Probleme. Die sozialen Netzwerke im Internet sieht Lillpopp nicht als geeignete Plattform für sinnvolle inhaltliche Diskussionen an und fühlt sich durch die Eskalation bestätigt: „Das Netz wurde von vielen Seiten genutzt, um Gegner zu verunglimpfen. Das ist besorgniserregend.“ Seine eigenen Slogans über Klüngel und „Erbdemokratie abwählen“ seien nicht persönlich gemeint. Damit habe er die jahrzehntelange Vorherrschaft einer Partei kritisieren wollen, die der Demokratie stets abträglich sei.

Neuer Bürgermeister kann bis 2026 im Amt bleiben

Wer am Sonntag zum neuen Duderstädter Bürgermeister gewählt wird, kann dieses Amt bis 2026 bekleiden. Das hängt mit der um zwei Jahre vorgezogenen Wahl wegen des vorzeitigen Rückzugs von Wolfgang Nolte (CDU) zusammen. Ansonsten hätte die nächste Bürgermeister-Wahl mit den Kommunalwahlen 2021 angestanden – dann mit nur noch einer Amtszeit von fünf Jahren. Für fünf Jahre war Nolte auch 2001 bei der ersten Direktwahl gewählt worden, 2006 dann aufgrund gesetzlicher Änderungen für acht und 2014 für sieben Jahre.

Bei der Wahl 2001 mit fünf Kandidaten erhielt Nolte 64,8 Prozent der Stimmen, 18,4 Prozent die parteilose Einzelbewerberin Sabine Holste-Hoffmann. Hanno Meyer (SPD), Lothar Dinges (WDB) und Hans-Georg Schwedhelm (Grüne) erzielten einstellige Ergebnisse. 2006 trat dann nur Matthias Schenke (SPD) gegen Nolte an, der mit 72,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde. Auch 2014 gab es nur eine Gegenkandidatin: Viola von Cramon erzielte 39,91 Prozent, Nolte 60,09 Prozent.

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