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Duderstadt Gefahr durch Alkohol unterschätzt – auch in Duderstadt
Die Region Duderstadt Gefahr durch Alkohol unterschätzt – auch in Duderstadt
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02:15 02.01.2019
Die Gefahr der Alkoholabhängigkeit wird unterschätzt. In Deutschland sterben jährlich rund 74 000 Menschen durch Alkohol in Kombination mit Tabak. Quelle: dpa
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Duderstadt

Antworten geben Diplom-Sozialarbeiter Ulrich Schmalstieg und seine neue Kollegin, Diplom-Sozialpädagogin Friederike Smilge, von der Suchtberatung des Caritasverbandes Südniedersachsen in Duderstadt.

„Es geht nicht, zu sagen: So viel darf ich trinken, bis ich abhängig werde“, sagt Smilge. „Wenn ich schon bewusst darauf verzichten muss, ist eine Regelmäßigkeit vorhanden“, ergänzt Schmalstieg mit Blick auf die guten Vorsätze.

Eine genaue Menge, ab wann Alkohol gesundheitsschädlich ist, lasse sich nicht festlegen, erklärt Smilge. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe Grenzmengen veröffentlicht, die bei gesunden Menschen wahrscheinlich gesundheitlich unschädlich sind. Für Frauen gelten danach zehn Gramm pro Tag als maximale Menge, für Männer 20 Gramm pro Tag. Das entspreche etwa einem Viertel beziehungsweise einem halben Liter Bier. Forscher der Universität Cambridge hätten allerdings in einer neuen Untersuchung 100 Gramm als maximale Menge pro Woche genannt. Für die Arbeit hatten die Forscher zahlreiche medizinische Untersuchungen ausgewertet.

Drei Prozesse durch Alkohol: zwei im Gehirn, einer in der Leber

Das Risiko durch den Konsum von Alkohol werde immer noch unterschätzt, sagt Smilge. Es gebe in Deutschland 3,4 Millionen alkoholbezogene Störungen, 1,6 Millionen Mal könne man von Missbrauch sprechen und in 1,8 Millionen Fällen von Abhängigkeit. 74 000 Todesfälle seien pro Jahr auf Alkohol und Tabak in Kombination zurückzuführen, erklärt Smilge. Im Vergleich dazu sterben rund 1300 Menschen an illegalen Drogen. Ein weiterer Vergleich: Im Straßenverkehr habe es im Jahr 2017 rund 3200 Todesopfer gegeben.

Seit 2018 im Team

Friederike Smilge ist seit Mitte 2018 als Suchtberaterin im Caritas-Centrum in Duderstadt tätig. Sie hat den Platz von Martin Weber-Becker übernommen, der in den Ruhestand verabschiedet wurde. „Ich habe vorher in zwei Suchtberatungsstellen gearbeitet“, erzählt sie. Schwerpunkt waren zunächst illegale Drogen jugendlicher Abhängiger mit aufsuchender Arbeit zu Hause. Danach habe sie zehn Jahre als Therapeutin in einer Suchtfachklinik in Salzgitter gearbeitet. „Ich bin ein bisschen spezialisiert auf Suchttherapie im interkulturellen Kontext, zum Beispiel durch die Flüchtlingswelle.“

Der Alkohol setze drei Prozesse in Gang, zwei im Gehirn und einen in der Leber, so Schmalstieg. In der Leber werde ein Enzym gebildet, das den Alkohol abbaut. Im Gehirn sorgen verschiedene Botenstoffe für ein Ungleichgewicht der Synapsen. Das normalisiere sich aber nach zwei Monaten. Lebenslang bleibe hingegen das sogenannte Suchtgedächtnis. „Das macht Süchtige auf banale Augenscheinlichkeiten aufmerksam.“ So verbinde ein Drogenabhängiger vielleicht einen nackten Unterarm mit Heroin. Und so wisse man nicht, welche alten Erinnerungen zum Beispiel der Geschmack von alkoholfreiem Bier im Gehirn auslöse. Aber diese Momente lösen den Wunsch aus, der Sucht nachzukommen.

Langfristiger Verzicht notwendig

Wenn jemand feststellen möchte, ob er ein Suchtmittel im Griff habe, bleibe nur der Verzicht, „aber nicht nur vier Wochen“. Es gebe schließlich auch die sogenannten Quartalstrinker, die zwischendurch zwei bis drei Monate Pause machen, sagt Smilge. Abhängige gehörten, abgesehen vom körperlichen Entzug, in ärztliche Behandlung, denn durch das Auftreten von einem Delir, einem Kreislaufkollaps oder epileptischem Anfall könne der sogenannte kalte Entzug bei Alkohol lebensgefährlich sein.

„Wenn die Diagnose stimmt, bleibt die Abhängigkeit“, sagt Schmalstieg. Kontrolliertes Trinken funktioniere nicht. „Bei verstecktem Alkohol in Lebensmitteln machen wir keine Panik“, aber wenn jemand bewusst Vanilleeis mit Eierlikör bestelle oder Schwarzwälder Kirsch, dann ist es ein Schritt zurück. In dem Zusammenhang möchte das Duo auch mit einer weit verbreiteten falschen Meinung aufräumen: „Es stimmt nicht, dass Alkohol in Speisen verkocht.“ Bester Gegenbeweis sei in der Winterzeit der Glühwein.

Das Gemeine sei, dass im Zusammenhang mit einer Sucht der Gehirnteil das Sagen habe, der für die Gefühle zuständig ist, und nicht der, der den Verstand kontrolliert.„Wir wollen nicht alles verteufeln, aber es gibt viele Verhaltenssüchte“, sagt Schmalstieg. Jeder könne mal bei sich schauen, was eventuell eine Abhängigkeit hervorruft – vielleicht Kaffee oder das Handy?

Die Fachstelle für Suchtprävention und Rehabilitation ist im Caritas-Centrum Duderstadt, Schützenring 1, angesiedelt. Die Berater sind erreichbar unter Telefon 0 55 27 / 98 13 60 und per Mail an suchtberatung@­caritas-suedniedersachsen.de

Von Rüdiger Franke

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