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Duderstadt Suppe und Bio-Würstchen für Ehrenpreis-Träger
Die Region Duderstadt Suppe und Bio-Würstchen für Ehrenpreis-Träger
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19:07 19.08.2011
Von Kuno Mahnkopf
Kartoffelsuppe vom Schwenkgrill und Bio-Würstchen: Michael Otto (3. v. r.) isst auf Gut Herbigshagen mit Schülern.
Kartoffelsuppe vom Schwenkgrill und Bio-Würstchen: Michael Otto (3. v. r.) isst auf Gut Herbigshagen mit Schülern. Quelle: Blank
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Duderstadt

Der von der Heinz Sielmann Stiftung verliehene Sielmann-Ehrenpreis ist nicht die erste Auszeichnung, die Otto für sein Engagement auf dem Gebiet des Natur- und Umweltschutzes erhalten hat. Die Palette reicht vom Deutschen Umweltpreis bis zum Theodor-Heuss-Preis für eine ethisch vorbildliche Firmenkultur.

Beim Rundgang auf Gut Herbigshagen, Natur-Erlebniszentrum und Zentrale der Sielmann-Stiftung, nimmt sich Otto zurück. Er hört aufmerksam den Stiftungsmitarbeitern zu, die verschiedene Projekte erläutern, hakt nach und vertieft einzelne Themen. So unprätentiös der 68-Jährige auftritt, so interessiert ist er in der Sache – ob Transparenz beim Weg der Nahrung, die von der Sielmann-Stiftung geplante bundesweite Kampagne zur Rettung der Bienen oder der Schulbauernhof.

Den bevölkert zurzeit eine siebte Klasse aus Hessen, die den Gast mit einer Kartoffelsuppe, die über offenem Feuer auf dem Schwenkgrill köchelt, und Bio-Bockwürstchen verköstigt. Otto schmeckt es: Der promovierte Volkswirt nimmt Nachschlag, ergänzt durch ein kleines Büffet vom Catering-Team der Pestalozzi-Schule. Mit den in Duderstadt geborenen Schülerinnen kosovarischer Herkunft unterhält sich der erfolgreiche Manager über ihre Berufsvorstellungen, freut sich mit Stiftungsvorstand Spielmann über pragmatische Ansätze und das im Eichsfeld etablierte regionale Netzwerk, das auffange, was Kinder nicht mehr von ihren Eltern und Großeltern lernten.

„Regionalität erspart auch lange Wege“, merkt der Unternehmer an, der die Otto-Group zum global erfolgreichsten Versandhaus und zweitgrößten im Internethandel ausgebaut hat. Auf Gut Herbigshagen ist Otto zum ersten Mal, hat aber Heinz Sielmann persönlich kennen und schätzen gelernt. Passend zur Trophäe in Form einer Skulptur von Sielmanns Lieblingstier, die bei Verleihung des Ehrenpreises überreicht wird, hat Otto die 10 000 Euro Preisgeld für ein Fischotter-Schutzprojekt in Schleswig-Holstein gespendet. Die Sielmann-Stiftung hat diese Summe um den gleichen Betrag aufgestockt.

„Dr. Michael Otto hat sich seit jeher dafür eingesetzt, konstruktive Lösungen für Mensch und Natur über die Beteiligung unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessengruppen zu ermöglichen“, betonte Stiftungsratsvorsitzende Inge Sielmann bei der Preisübergabe. So sei beispielsweise der umweltpolitische Beschluss, den Mittellauf der Elbe nicht mit Staustufen auszubauen, auf die durch die Michael-Otto-Stiftung herbeigeführte Elbe-Erklärung zurückzuführen“, hob Sielmann hervor.

„Biodiversität und Nachhaltigkeit liegen mir am Herzen“, sagt Otto selbst. Nagelprobe seien häufig die Kosten. Auf die kommt auch Spielmann zu sprechen bei der Frage, warum es im Hofcafé Hamster keinen Bio-Kaffee gebe. Mangelnde Kaufkraft und sozioökonomische Struktur des Eichsfelds erforderten Patchwork-Lösungen, mit denen er kein Problem habe. Die Kosten-Hürde hat auch Otto genommen, nachdem er Naturschutz als Unternehmensziel verankert und ein Umwelt-Management-System entwickelt hat: „Anfangs haben wir die Marge wegen der teureren Produkte reduziert, ab einer bestimmten Größenordnung rechnete es sich dann.“

Die 1972 vom Club of Rome veröffentlichte Studie „Die Grenzen des Wachstums“, die viele auf die Öko-Schiene gebracht hat, nennt auch Otto als Auslöser für sein Engagement: „Handeln zählt nicht nur in der Politik. Jeder muss bei sich selbst anfangen.“ Otto drängte auf europäische Sozialstandards, gründete 1993 seine Stiftung mit dem Schwerpunkt Wasser- und Gewässerschutz und überarbeitete gemeinsam mit Hochschulen und Instituten das Firmensortiment – immerhin rund 250 000 Artikel. „Bei den Textilien haben wir begonnen“, sagt Otto und nennt beispielhaft den Anbau von Bio-Baumwolle in der Türkei und die Verwendung biologisch abbaubarer Farben. Fast alles sei ersetzbar, vom Anbau bis zum Recycling könnten die Methoden verändert und verfeinert werden, zieht Otto ein positives Fazit.

Heinz-Sielmann-Ehrenpreis

Der Heinz-Sielmann-Ehrenpreis wird seit 1994 vergeben. Als Kriterien zählen außergewöhnliche Leistungen in der naturkundlichen und wissenschaftlichen Forschung ebenso wie Pflege der Artenvielfalt, Vermittlung des Naturschutzgedankens, Verwirklichung von Nachhaltigkeitsprinzipien im unternehmerischen Handeln und Verankerung des Naturschutzes in Gesetzgebung und Verwaltung. Als Preisträger kommen Einzelpersonen in Frage, aber auch Institutionen und Unternehmen, die sich um den Naturschutz verdient gemacht haben. So gehörten in der Vergangenheit unter anderem Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, die Stadt Duderstadt und ihre Bürger, das Naturkundemuseum Erfurt und Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt zu den Preisträgern.