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Duderstadt Syrisches Ehepaar fasst mit ihren Kindern im Eichsfeld Fuß
Die Region Duderstadt Syrisches Ehepaar fasst mit ihren Kindern im Eichsfeld Fuß
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00:18 06.12.2017
Die syrische Familie Nhalawi lebt jetzt im Eichsfeld. Quelle: Peter Heller
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Duderstadt

Freundlich und hilfsbereit hat Mahmoud Nhlawi (37) die Eichsfelder erlebt. Seit August 2015 lebt der Syrer, der vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen ist, in Deutschland. Mit seiner Frau und den drei Kindern gehört er zu den 100 Flüchtlingsfamilien, die die Caritas im Altkreis Duderstadt betreut.

Wie einen Familienangehörigen würden ihn deutsche Freunde behandeln, freut sich Nhlawi. Viel Unterstützung hätten er und seine Frau Abeer Najib (29) in Rüdershausen und – seit ihrem Umzug – in Duderstadt erfahren. Für seine Kinder Mariam (12) und Kamal (11) müsse er in Deutschland kein Schulgeld bezahlen, hebt der Flüchtling hervor. Die medizinische Versorgung sei über die Krankenversicherung abgedeckt. Nun hoffe er, Arbeit als Metallbauer zu finden. Einen vom Jobcenter finanzierten, vierwöchigen Schweißerlehrgang habe er erfolgreich abgeschlossen und außerdem zwei Praktika absolviert.

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Assad-Regime oder der Islamische Staat

„Nach Beendigung der Schulzeit war ich 15 Jahre lang im Metallbaubetrieb meines Vaters in Damaskus tätig“, erzählt Nhlawi. Dann habe der Krieg begonnen. „Ich musste mich entscheiden, ob ich auf Seiten des Assad-Regimes oder des Islamischen Staats kämpfe“, erinnert er sich. Er habe beides nicht gewollt. So sei ihm nur die Flucht geblieben. Auch seine beiden Brüder und die drei Schwestern hätten das Land verlassen.

„Drei Jahre lebte ich mit meiner Frau im Libanon“, erzählt der Syrer. Arbeit habe er dort sofort gefunden und auch gutes Geld verdient. Doch die Lebensmittel seien teuer, die Miete hoch gewesen. Für den Schulbesuch der Kinder habe er jeweils 4000 Dollar im Jahr zahlen müssen. Ärztliche Behandlung gebe es dort nur gegen Barzahlung. Einmal habe er sich mit der Flex am Arm verletzt. „Der Arzt verlangte 300 Dollar, damit er mir die Wunde zunäht“, sagt Nhlawi.

Adam kommt in Deutschland zur Welt

„Frauen haben auf der Straße vor dem Krankenhaus ihre Babys zur Welt gebracht, weil sie die 3000 Dollar für die Entbindung nicht bezahlen konnten“, schildert der Flüchtling seine Erlebnisse. Das habe er seiner Frau nicht antun wollen. So haben sie ihr drittes Kind erst in Deutschland bekommen. Adam wird am 13. November ein Jahr alt.

„Mein Cousin, der in Obernjesa lebt, riet mir, nach Deutschland zu kommen“, berichtet Nhlawi. Mit seinem Sohn sei er im August 2015 nach Izmir geflogen. „Um ein Uhr nachts stiegen wir in ein Boot“, sagt der Syrer. Sechs Stunden habe die Fahrt von der Türkei nach Griechenland gedauert. 70 Menschen seien an Bord gewesen. Das Wasser habe ihnen bis zu den Knien gestanden. „Wenn sich jemand erhob, schwankte das Boot gefährlich“, erinnert sich Nhlawi. In Ungarn habe ihn ein Landsmann in ein Auto gesetzt, das nach München gefahren sei.

„Ich will Ärztin werden“

„Vier Monate später kam meine Frau mit unserer Tochter auf dem gleichen Weg nach“, erinnert sich Nhlawi. 9000 Dollar habe die vierköpfige Familie für die Flucht gezahlt. „Die ersten anderthalb Jahre wohnten wir in Rüdershausen“, berichtet der Syrer. Dann seien sie nach Duderstadt gezogen, wo Tochter Mariam das Gymnasium besuche. „Ich will Ärztin werden“, sagt sie. „Und ich Ingenieur“, erklärt ihr Bruder Kamal, der in diesem Jahr auf die Realschule gekommen ist.

Von „einer gut integrierten Familie“, mit der man sich ohne Dolmetscher verständigen könne, spricht Flüchtlingssozialarbeiterin Tina Hallemann von der Caritas. Mit einer Kollegin betreue sie im Auftrag des Landkreises 100 Familien sowie eine Anzahl von Einzelpersonen. Eine andere Kollegin, deren Stelle das Land finanziere, unterstütze Migranten, die schon länger in Deutschland leben.

Von Michael Caspar

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