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Duderstadt 1000 Ottobock-Mitarbeiter gewährten einen Blick hinter die Kulissen des Duderstädter Werks
Die Region Duderstadt 1000 Ottobock-Mitarbeiter gewährten einen Blick hinter die Kulissen des Duderstädter Werks
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17:36 07.09.2019
Futuring Ottobock – Digital Family Day. Tag der offenen Tür für Mitarbeiter, Freunde und Familien. Quelle: Niklas Richter
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Duderstadt

Dicht an dicht standen die Autos rund um das Firmengelände an der Max-Näder-Straße 15. 32 Stationen gab es während des Tags der offenen Tür auf dem weitläufigen Arealzu besuchen. Überall sprachen Mitarbeiter angeregt mit Gästen. Der Vorstand stellte sich in kurzen Talkrunden vor. Im Kinderland konnten die Kleinen unter Betreuung spielen. Beeindruckt von der Resonanz zeigte sich Firmeninhaber Hans Georg Näder. Eine Wiederholung der Großveranstaltung stellte der Vorstandsvorsitzende Philipp Schulte-Noelle in Aussicht.

4500 Familienangehörige, Freunde und Nachbarn haben am Freitag den Digital Family Day von Ottobock in Duderstadt besucht. 1000 der insgesamt 1500 Mitarbeiter am Standort betreuten die Gäste.

„Wir arbeiten hier mit ultraleichten Materialien wie Titan und beschäftigen uns mit Mensch-Maschinen-Schnittstellen“, erzählte Maschinenbau-Ingenieur Leonhard Vier fasziniert. Seine Kollegen, so der Mitarbeiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, seien ständig auf der Suche nach neuen Techniken und Werkstoffen. Sie prüften, wie sie sich zur Lösung von Kundenproblemen oder zur Entwicklung neuer Produkte nutzen ließen.

Exoskelett

„Eines der neuen Produkte, das wir 2018 auf den Markt brachten, ist ein Exoskelett“, sagte Werkstudent Paul Hunger. Es sei ein außen am Körper angebrachtes System, das in der Industrie und auf dem Bau die rasch ermüdende Arbeit über dem Kopf erleichtere. Am Stand von Vertriebsmitarbeiterin Cindy Fix konnten Besucher das Exoskelett ausprobieren. Sie stemmten spielen schwere Maßkrüge in die Höhe und schraubten entspannt Glühbirnen ein. „Sobald die Exoskelettträger die Arme heben, gehen auch ihre Mundwinkel nach oben“, beobachtete Fix.

Einen Minigolfparcour hatten Orthopädietechniker aufgebaut. „Unsere Abteilung sorgt unter anderem dafür, dass bei neuen Produkten biomechanisches Wissen Berücksichtigung findet und die einzelnen Teile sich zu einem abgestimmten Produkt zusammenfügen“, führte Mark Schönemeier aus. Wie beim Minigolf gebe es bei diesem Prozess Hürden zu überwinden, Sackgassen zu vermeiden und auch Schleifen zu drehen.

Werkzeuge für den Spritzguss

In einer der Produktionshallen zeigte Werkzeugmacher Patrick Otto, wie mit computergesteuerten Fräsmaschinen aus massiven Aluminiumblöcken die Spritzgussformen für die Herstellung von Füßen hergestellt werden. „An die 400 Fußformen gibt es bei Ottobock“, berichtete der Mitarbeiter. In sie werde heißer Kunststoff gespritzt. Sehr widerstandsfähig seien die Werkzeuge. Nur manchmal seien Macken auszubessern oder Teile an der Form auszutauschen.

Ausbildung zum Verfahrensmechaniker

Verfahrensmechaniker für Kunststoffe und Kautschuk lernt Lukas Achtermeier im zweiten Lehrjahr bei Ottobock. Sein Vater, ein CNC-Fräser, habe ihn auf das Unternehmen aufmerksam gemacht, erzählte der junge Mann aus dem Eichsfeldort Steinbach. Er habe nach dem Abitur zuerst Public Management studiert, sei dann aber nach Duderstadt gewechselt. An der Hochschule sei ihm schnell klar geworden, dass er lieber etwas Praktisches machen wolle, erklärt er. An seinem Beurf fasziniere ihn die Technik. Chemie habe er als Leistungskurs gehabt.

Wieder Freude am Leben finden

Seit 2012 ist der gebürtige Hesse Ahmed Topci bei Ottobock. Der gelernte Fertigungsmechaniker hat sich in der Montageabteilung, wo 52 Mitarbeiter tätig sind, zum Industriemeister weiterqualifiziert. Dort ist er heute einer von vier Schichtkoordinatoren. „Wir helfen mit unseren Produkten Menschen mit Handicap dabei, wieder Freude am Leben zu entwickeln und ein aktives Teil der Gesellschaft zu werden“, sagte Topci. Das gebe seiner Arbeit einen Sinn.

Von Michael Caspar