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Duderstadt Tag des offenen Denkmals enthüllt Geheimnisse in Gotteshäusern
Die Region Duderstadt Tag des offenen Denkmals enthüllt Geheimnisse in Gotteshäusern
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19:46 15.09.2014
Kapelle Esplingerode: die Orgel ist eine Kino-Orgel, 1952 gebraucht gekauft. Quelle: Richter
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Renshausen/Esplingerode

Neben Aktionen im Duderstädter Heimatmuseum und kostenlosen Stadtführungen durch den mittelalterlichen Kern der Brehmestadt gab es auch in einigen Eichsfelddörfern so manches Ungewöhnliche zu entdecken. Zum bundesweiten Oberthema „Farbe“ erwartete die Besucher in Renshausen beispielsweise ein entsprechender Vortrag sowie eine Ausstellung von unterschiedlichsten Messgewändern.

Das älteste der Gewänder, in der Fachsprache Kasel genannt, ist das prächtigste der Ausstellung in der Renshäuser Kirche: „Die Menschen sollten den Glauben mit allen Sinnen erfahren“, so Gemeinderatsvorsitzende Ursula Richter. Die Renshäuserin hatte sich im Vorfeld des Denkmal-Tages mit der Bedeutung der Farbe in der katholischen Kirche befasst. Fein mit goldgefassten Blumenornamenten bestickt datiert die älteste Kasel von 1803, als Renshausen noch zum Kloster Hildesheim gehörte.

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Mit Farben durch das Jahr geführt

Farbe und auch die Form änderten sich im Laufe der Zeit, und entsprechend dem Anlass und dem Gang des Kirchenjahres gab es auch unterschiedlichste Messgewänder. So wurden die Gläubigen mit den Farben durch das Jahr geführt. Etwas ganz Besonderes sind die Gemälde in der Renshäuser Kirche, über die Kirchenvorstandsmitglied Bernhard Richter anschließend den jeweils ein Dutzend Interessierten viele Details berichten konnte.

Das so genannte Annabild, das die junge Maria mit ihren Eltern Anna und Joachim zeigt, stammt aus der holländischen Schule und ist ein Dachbodenfund: „Erst 1985 wurde es auf dem Sakristeiboden wiederentdeckt“, sagt Richter. Vorher gab es lediglich ein altes Foto des Gemäldes, das ursprünglich in der Kirche gehangen hatte. Das Bild war stark beschädigt und konnte buchstäblich in letzter Minute durch die Unterstützung der niedersächsischen Klosterkammer fachgerecht restauriert werden.

Kapelle mit gebrauchter Kino-Orgel
 
Eine besondere Führung bot Ortsheimatpfleger Reinhard Schulzig den Besuchern in der Kirche in Esplingerode. Erst seit einhundert Jahren steht die Kirche an der heutigen Stelle, ersetzte einen Vorgängerbau in der Ortsmitte. „Wenige Monate nach der Weihe brach der erste Weltkrieg aus, und man wurde mit dem Geldausgeben ganz vorsichtig“, erfuhren die Besucher.

Also wurde die Ausstattung nach und nach angeschafft. Die großen Holzfiguren von Josef und Maria an der rechten Stirnseite des Kirchenschiffes kamen erst 1915 und wurden in einer Südtiroler Schnitzwerkstatt gefertigt. „Die gibt es übrigens heute noch“, weiß Schulzig. Einiges an Inventar konnte aus der Vorgängerkirche übernommen werden; der einstige Türsturz dient heute als Mauerstein an der Ostseite.

Und die Orgel? Die holzverzierte Vorderseite erinnert an Ornamente des Jugendstils aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts. „Kein Wunder, die Orgel wurde 1952 gebraucht gekauft und hat Jahrzehnte davor in einem Kino Dienst getan“, so Schulzig. Nachdem sich der Tonfilm etabliert hatte, wurde die Kino-Orgel überflüssig.

Von Birgit Freudenthal