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Duderstadt Tag des offenen Denkmals in Duderstadt: Führungen wecken Erinnerungen
Die Region Duderstadt Tag des offenen Denkmals in Duderstadt: Führungen wecken Erinnerungen
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18:24 08.09.2013
An der Plastik „Die Geknechtete“: Ortsheimatpfleger Herbert Pfeiffer erklärt die Intention des Künstlers. Quelle: Lüder
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Duderstadt

„Der Begriff Denkmal ist nicht so ganz positiv belegt, weil damit oftmals Dinge in Verbindung stehen, an die man nicht so gerne zurückdenkt“, sagte Ortsheimatpfleger Herbert Pfeiffer. Unbequem könne ein Denkmal aber auch sein, wenn sich Besitzer – ob Stadt oder Privatpersonen – mit gesetzlichen Regelungen abfinden müssten, die sie sehr viel Geld kosten.

Erstes Thema waren die „Stolpersteine“, die an jüdische Einwohner der Stadt sowie an Kaplan Heinrich Kötter erinnern. Dieser war aus Westfalen ins Eichsfeld gekommen und zur Zeit des Nationalsozialismus in Tiftlingerode denunziert worden. Sein Weg führte ins Konzentrationslager Dachau, nach dessen Befreiung er im Jahr 1945 in die Heimat zurückkehrte, wie Pfeiffer erläuterte.

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Plastik „Die Geknechtete“

An der Plastik „Die Geknechtete“ in der Nähe des Ehrenmals erklärte er, dass die Darstellung den 750 ungarischen Jüdinnen gewidmet ist, die von November 1944 bis April 1945 am Euzenberg im Außenkommando des Konzentrationslagers Buchenwald unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten mussten.  Die weitere Route führte zur Stele in der Christian-Blank-Straße, die an die in der Nacht zum 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstörte Synagoge erinnert. Hier erfuhren die Teilnehmer des Rundgangs, dass die ersten Nachweise jüdischen Lebens in Duderstadt bis in das Jahr 1314 zurückreichen.

Als Beispiele für Denkmale, die im Zuge von Bauarbeiten und Ausgrabungen finanzielle und andere Unbequemlichkeiten auslösen können, führte Pfeiffer die Gruppe zum Neutorkreisel, zur Baustelle des ehemaligen Hotels Deutsches Haus und am Westerturm vorbei bis zum Hotel zum Löwen.

Neben dieser Führung, mit der das Motto des Aktionstages der Deutschen Denkmalpflege „Jenseits des Guten und Schönen. Unbequeme Denkmale?“ aufgegriffen wurde, gab es weitere Angebote im Duderstädter Heimatmuseum, und in den mittelalterlichen Erlebnisstationen Rathaus und Westertorensemble. Ein anderer Anziehungspunkt am Tag des offenen Denkmals war die barocke Pfarrkirche in Desingerode. Hier konnten Interessierte mit Ortsheimatpfleger Reinhard Schulzig zu einer Führung durch das Gotteshaus starten.

Von Axel Artmann