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Duderstadt Taufe mit Wasser aus dem Seeburger See
Die Region Duderstadt Taufe mit Wasser aus dem Seeburger See
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13:57 22.07.2014
Von Kuno Mahnkopf
Stolze Wasserträger: Kinder transportieren das am Isang-Steg geschöpfte Wasser aus dem auch als „Auge des Eichsfelds“ bekannten Seeburger See in Plastikschalen und -bechern zum Freialtar. Quelle: Mahnkopf
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Seeburg

In die Völkerwanderung von Bade- und Ausflugsgästen zum See mischten sich am Sonntag mehr als ein Dutzend Taufgesellschaften, gewappnet mit Picknickkörben, Klappstühlen und Sitzdecken.

Bevor sie den Talar über ihr Sommerkleid streifte, hatte Pastorin Wiebke Vielhauer aus Waake bereits mit Kirchenvorstand und Helfern aus dem evangelischen Gemeindeverbund Radolfshausen auf der Wiese Bierbänke und einen Freialter aufgebaut, für Blumenschmuck gesorgt, eine Beschallungsanlage installiert und Liedblätter gefaltet.

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Die Organistin Stefanie Walter aus Krebeck hatte als Orgelersatz ihr Keyboard aufgebaut. Noch wichtiger als die Logistik ist bei Freiluftgottesdiensten das Wetter. Aber auch das spielte mit. „Bei Regen wären wir auf die katholische Kirche in Seeburg ausgewichen“, sagt Vielhauer. Dort findet ohnehin bereits alle vier Wochen ein evangelischer Gottesdienst statt. In dem Eichsfeld-Ort gibt es inzwischen 220 Protestanten, viele Zugezogene und Mischehen.

„Es soll etwas Besonderes sein“

Die Outdoor-Taufe ist nicht die erste in der wasserreichen Samtgemeinde. Im Brotmuseum in Ebergötzen hat Vielhauer bereits Kinder mit Wasser aus dem Weißwasserbach getauft, in Waake am Gutshof-Teich. „Die Kirche als Ort ist nicht Voraussetzung für die Taufe“, sagt die Pastorin: „Bei lebensbegleitenden Festen wird die richtige Location für viele Menschen immer wichtiger.“

Dem pflichtet Wilhelm Isermann vom Kirchenvorstand bei: „Es soll etwas Besonderes sein. Der Wunsch nach Taufe ist da – auch auf andere Art als traditionell und bei nur leichter Bindung an die Kirche.“ Anfangs gab es noch innerkirchliche Vorbehalte gegen die Banalisierung eines Sakramentes. Inzwischen sind die Kritiker verstummt, Fluss- und Seetaufen gang und gäbe.

Eine Feier unter freiem Himmel mit raschelndem Schilf, rauschenden Bäumen und Vogelgezwitscher ist für viele auch ein elementares Erlebnis der Schöpfung Gottes. Und für Isermann „ein niederschwelliges Angebot und eine Möglichkeit, dem Mitgliederschwund der Kirche entgegenzuwirken.“

„Nicht alle Anmeldungen konnten berücksichtigt werden“

Den Wunsch nach einem Tauffest am Seeburger See hegt Vielhauer schon länger: „Der See ist so schön.“ Die Anfrage einer Seeburger Familie brachte dann den Stein ins Rollen. „Nach der Veröffentlichung im Pfarrbrief gab es einen regelrechten Run“, berichtet Vielhauer: „Nicht alle Anmeldungen konnten berücksichtigt werden. Wir mussten eine Grenze ziehen. Es sollte schließlich keine Massentaufe werden.“ Und das nächste Tauffest kommt bestimmt.

Überwiegend waren es Kinder aus Waake und Ebergötzen, die am Sonntag getauft wurden, aber auch aus Seeburg und über den Gemeindeverbund hinaus aus Rosdorf und Gelliehausen. Die meisten Kinder waren rund sechs Monate alt, einige aber auch erheblich älter.

„Immer mehr Eltern schieben die Taufe auf, weil es gerade nicht passt oder die Kinder sich selbst entscheiden sollen“, bestätigt Vielhauer. „Für Seeburger gibt es nichts Schöneres, als mit Seewasser getauft zu werden“, merkt Heike Bodmann an, Mutter des neun Jahre alten Täuflings Inga.

Im See untertauchen lassen

Während die Gemeinde  „Laudato si“ anstimmte, wurde am Isang-Steg mit einem Eimer Wasser geschöpft, von Kindern in bunten Plastikbechern zum Altar gebracht und in die „wie die Liebe Gottes überfließende“ Taufkanne umgefüllt, schließlich in die von den jeweiligen Paten gehaltene Taufschale aus Waake nachgegossen. Das Taufgeschirr aus Ebergötzen wäre zu klein für die Tauffeier gewesen.

Das Lied „Ins Wasser fällt ein Stein...“ fehlte beim See-Gottesdienst ebensowenig wie der Verweis auf Johannes den Täufer und die Geschichte von Noah, kindgerecht erzählt und von der Gemeinde lautmalerisch ausgeschmückt – mit Regen (pladder), Wellen (wusch), Blitz (zisch) und Donner (kawumm). Ein Donnerwetter blieb der Festgemeinde am Sonntag erspart.

Nicht erspart bleibt Vielhauer, bei der nächsten Seetaufe selbst nass zu werden: Der 13-jährige Seeburger Frederik Iggener will sich von ihr im September beim Konfirmanden-Camp im Edersee taufen lassen – und dabei untergetaucht werden.

Erstmals sind am Ufer des Seeburger Sees Kinder und Jugendliche mit Wasser aus dem See getauft worden. Gleich 14 Täuflinge im Alter von sechs Monaten bis 15 Jahren empfingen auf der Gemeindewiese zwischen Ausflugslokal Graf Isang und Freibad das Sakrament, mit dem sie in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen wurden. © Mahnkopf