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Duderstadt Tausende Besucher beim Bürgerfest
Die Region Duderstadt Tausende Besucher beim Bürgerfest
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20:04 28.08.2011
Gedränge zwischen Oberkirche und Rathaus: Der Temperatursturz zum Wochenende tut der Stimmung beim Bürgerfest keinen Abbruch.
Gedränge zwischen Oberkirche und Rathaus: Der Temperatursturz zum Wochenende tut der Stimmung beim Bürgerfest keinen Abbruch. Quelle: AT
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Duderstadt

Die Kerze, die der stellvertretende Vorsitzende der Lebenshilfe, Manfred Thiele, mit bangem Blick gen Himmel vor Eröffnung des Bürgerfestes am Sonnabend in der St.-Cyriakus-Kirche anzündete, hat offenbar geholfen. Pünktlich zum Programmstart endete der Nieselregen, bis auf kleinere Schauer und die Kehlen von mehreren tausend Besuchern blieb es weitgehend trocken.

Bei der Eröffnung erinnerte Thiele an die Verdienste des in diesem Jahr gestorbenen langjährigen Vorsitzenden und Bürgerfest-Initiators Edwin Unzeitig, dessen „Arbeit Früchte getragen hat und der immer präsent sein wird“. Lebenshilfe-Vorsitzende Monika Herbold, deren Mann Hans-Helmut durch das Programm führte, konnte das Fest aus gesundheitlichen Gründen nicht eröffnen. Als stellvertretender Landrat überreichte Lothar Koch (CDU) einen „kleinen Scheck“, erinnerte an die Pioniere der Lebenshilfe und den Wandel im Umgang mit behinderten Menschen – von der „Integration zur Inklusion“.

Am Abend strömten viele Fans vor die Oberkirche, um am einzigen Konzert der Eichsfelder Band Midlife Crisis in diesem Jahr teilzuhaben. Doch zuvor stand Mind‘s Gap auf der Bühne, verpasste mit der stimmgewaltigen Frontfrau Caren „Caan“ Hollenbach rockigen Klassikern von Led Zeppelin bis zu den Red Hot Chili Peppers eine druckvolle Frischzellenkur, coverte Nina Hagen ebenso wie die Guano Apes. Das Vater-Tochter-Gespann – Carens Vater Sammy spielt Gitarre bei Mind‘s Gap – erwies sich einmal mehr als musikalischer Glücksfall. Menschentrauben drängten sich von der Bühne bis zur Mariensäule, und selbst der kurze Schauer, der zu „good times, bad times“ einsetzte, konnte die Stimmung nicht trüben.

Zu Midlife Crisis funkelten tatsächlich wieder die Sterne, worauf Willi Funke meinte: „Ich habe einen besonders hellen Stern gesehen, Götz ist bestimmt bei uns“, in memoriam an den 2005 gestorbenen Drummer Götz Stollberg. Eine „Mordsstrecke“ hatte an diesem Abend Uwe Pohl zu bewältigen, der sowohl bei Mind‘s Gap als auch Midlife Crisis Schlagzeug spielte.

Mit der Stones-Aufforderung „Let‘s spend the night together“ starteten Midlife Crisis ihren bewährten Streifzug durch die 60er und 70er-Jahre und versetzten die Zuhörer mit Songs von den Beatles, Manfred Man, den Mamas & Papas und vielen mehr in Oldie-Glückseligkeit. „Ist das ein Anblick, seid ihr alle alt geworden“, frotzelte Funke und warnte vor den Bässen, die zu Zellulitis führen könnten. Die Warteschlangen an den Bierbuden wurden immer länger, und Sektkisten mussten während des Konzerts beim Getränkehandel nachbestellt werden. Midlife Crisis verabschiedeten sich erst nach Mitternacht und Zugaben mit „Morning has broken“.

Die Fans zeigten ihre Freude durch tosenden Applaus, Pfiffe und Johlen, denn eigentlich hatte sich Midlife Crisis vor einigen Jahren aufgelöst. Zu dem Revival-Konzert in diesem Rahmen hatte sich die Band in Erinnerung an ihren Karrierestart im Jahr 1989 entschlossen – auf dem ersten Bürgerfest der Lebenshilfe.

Einen hochklassigen Beitrag zum Bürgerfest leistete die LNS-Gesellschaft am Sonntagnachmittag: „The Bavarian Classic Jazzband“ legte auf ihrer Tournee durch Norddeutschland einen Zwischenstopp in Duderstadt vor der Oberkirche ein und präsentierte die großen Jazzklassiker von Duke Ellington, George Gershwin, Luis Armstrong und vielen anderen. „Die Band wollten wir für den Kultursommer gewinnen. Zufällig passte aber der Termin auf dem Bürgerfest“, freute sich Horst Bonitz als Gesellschaftsvorsitzender.

Auch am Sonntag zog es die Besucher scharenweise in die Innenstadt. An den Ständen wurden Leckereien verkauft, die Gäste konnten sich über Themen zur Gesundheit informieren, und auf dem Herwig-Böning-Platz gab es ein umfangreiches Spiele-Programm für die jüngsten Gäste. Zu den Highlights auf der Bühne gehörten an beiden Tagen auch die farbenfrohen Musik- und Tanzvorführungen der Behindertengruppen der Lebenshilfe und der Harz-Weser-Werkstätten. „Das ist pure Lebensfreude!“ rief eine Zuschauerin.

„Den Besuchern werden Konzerte und Unterhaltung zum Nulltarif geboten. Aber es geht uns auch darum, Spenden einzunehmen und uns zu präsentieren“, sagte Manfred Thiele. Dabei lobte er den „tollen Zusammenhalt“ – nicht nur der vielen Ehrenamtlichen bei der Lebenshilfe, sondern auch den der anderen Teilnehmer, Gruppen, Vereine und Institutionen an den Ständen, deren Erlöse ebenfalls der Lebenshilfe zugute kämen. Die Einnahmen des Festes sollen dazu beitragen, die Baupläne der Lebenshilfe für ein Wohnheim am Kutschenberg zu verwirklichen.

Von Kuno Mahnkopf und Claudia Nachtwey