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Duderstadt Teilzeitkräfte sollen Parksünder kontrollieren
Die Region Duderstadt Teilzeitkräfte sollen Parksünder kontrollieren
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19:58 16.11.2010
Viele Parkplätze, zu wenig Kontrollpersonal: Der ruhende Verkehr lässt der Duderstädter Verwaltung keine Ruhe.
Viele Parkplätze, zu wenig Kontrollpersonal: Der ruhende Verkehr lässt der Duderstädter Verwaltung keine Ruhe. Quelle: Pförtner
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Ebenfalls ein Reizthema, bei dem jeder mitreden kann. Auch die Duderstädter Kommunalpolitiker. Und die sind sich durchaus nicht einig, was sie von dem verschärften Vorgehen gegen Parksünder halten sollen.

Noch in diesem Monat will die Stadt bis zu drei Teilzeitkräfte einstellen, die sich mit insgesamt 20 Wochenstunden um die Kontrolle geparkter Autos kümmern sollen. Der ursprünglich angedachte Einsatz von Ein-Euro-Jobbern sei bei dieser kommunalen Pflichtaufgabe nicht möglich, teilte Duderstadts Justitiarin Annelore von Hof jetzt im Bauausschuss mit. Bisher verteilt eine Stadtbedienstete Strafzettel, verbringt von ihren 25 Wochenstunden aber die Hälfte im Innendienst. Weil das nicht ausreicht, hilft ihr seit rund drei Monaten ein weiterer Ordnungsamtsmitarbeiter aus – insbesondere bei Kontrollen in den dunklen Abendstunden. Auch das ist aus Sicht der Verwaltung aber nicht genug.

Es gehe nicht allein um den Innenstadtbereich mit vielen Parkplätzen und Seitenstraßen, sondern um das gesamte weitläufige Stadtgebiet inklusive der Ortsteile, betont Ordungsamtsleiterin Sabine Holste-Hoffmann. Wegen der Vielzahl von Verstößen hält sie eine stärkere Überwachung für absolut erforderlich: „Wir reagieren nur. Die Leute werden immer gedankenloser, bequemer und undisziplinierter und parken dort, wo Platz ist.“ Im Übrigen habe Duderstadt im Städtevergleich die geringsten Parkgebühren, merkt die Käfer-Fahrerin an.

Die neuen Kontrolleure am liebsten selbst einweisen würde Hubertus Werner (CDU), Ratsherr, Ortsbürgermeister und Treffpunkt-Stadtmarketing-Vorsitzender: „Wir dürfen keine Kunden vergraulen.“ Es sollte nicht um möglichst viele Strafzettel gehen, die das Stadtsäckel füllen, sondern um Konzentration auf neuralgische Punkte. Ansonsten sollten Betroffene moderat angesprochen und belehrt werden. Innenstadt-Gastronom und Ratsherr Gerardo Pizzano (CDU) findet schon die derzeitige Praxis „nicht in Ordnung“ und spricht sich gegen eine Verschärfung der Überwachung aus: „Leute, die stinksauer sind, kommen nicht wieder.“

Dem widerspricht der Nesselröder Joseph Nolte (CDU). Verstöße hätten sich in Duderstadt eingebürgert und dürften nicht selbstverständlich werden. Das Problem sei die mangelnde Überwachung. Das Kunden-Argument lässt Nolte nicht gelten: „In Göttingen und Herzberg wird das Thema strenger gehandhabt. Dann würde dort ja keiner mehr einkaufen.“ (Zwischenruf Werner: „Tut ja auch keiner.“)

Dass in Duderstadt eher zu wenig aufgeschrieben werde, meint auch Bernd Krukenberg (WDB), spricht sich aber für fünf Minuten Karenzzeit bei Parkzeitüberschreitungen aus. „Mehr aufschreiben, aber nur dort, wo es nötig ist“, fordert Klaus Ohse (CDU) und weist auf die „Ungerechtigkeit“ hin, dass für das Überziehen der Parkzeit mehr Geld fällig wird als für das Parken ohne Schein. Das sei bundesweit so geregelt und auf kommunaler Ebene nicht zu ändern, erläutert von Hof. In Duderstadt sei man sehr großzügig, nehme Strafzettel bei längeren Arztwartezeiten und plausiblen Darlegungen auch zurück. „Es geht darum, Parkplätze für Kunden freizuhalten und nicht für Dauerparker“, meint Wolfgang Feike (FDP), mahnt dabei aber Fingerspitzengefühl an, das „es in Göttingen nicht gibt“. Und Thomas Gerlach (SPD) gibt zu bedenken, nicht das Gesamtkonzept für die „missverständlich beschilderte Fußgängerzone“ aus den Augen zu verlieren. Die Bußgeld-Einnahmen sind im Etat übrigens mit 40 000 Euro veranschlagt, die voraussichtlich auch erreicht werden. Die Einnahmen aus Parkgebühren bewegen sich seit Jahren im Bereich von rund 260 000 Euro jährlich. Die Parkraumbewirtschaftung verursache aber auch Kosten, relativiert Bauamtsleiter Manfred Bause – von den Parkautomaten bis zum Personal.

Von Kuno Mahnkopf