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Duderstadt „The World of Motorshow“ zeigt Stunts
Die Region Duderstadt „The World of Motorshow“ zeigt Stunts
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00:26 16.05.2018
Stuntshow in Duderstadt: Ein Auto wird durch ein zweites Fahrzeug zum Überschlag gebracht. Quelle: Hey
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Duderstadt

4,8 Tonnen wiegt der amerikanische Monstertruck, der auf dem Schützenplatz in Duderstadt Gas gibt. Der Lärm der Maschine ist ohrenbetäubend, als er über eine Rampe fliegt und vier Autos unter sich zerstört. Mehrere Hundert Besucher sind gekommen, viele mit Kindern. Sie filmen mit ihren Handys und applaudieren, wenn die Stuntmänner mit ihren weißen BMW auf zwei Räder fahren und Weitsprünge mit dem Motorrad zeigen. Die Gäste der Show sehen Burn-Outs, bei denen die Fahrer die Reifen ihrer Maschinen durchdrehen lassen, bis der Platz mit Gummi-Qualm erfüllt ist und Autos, die sich überschlagen.

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Jeffrey Korth hält den Guiness-Weltrekord im Slalomfahren mit dem Auto auf zwei Rädern. Im ZDF, in der Sendung „Wetten... dass?“ hat er sein Können demonstriert, auch in der Sendung „Galileo“ auf „Pro Sieben“ war er schon zu sehen. Die Stunt-Shows haben bei den Korths Tradition: Die Brüder Jeffrey und Stephen Korth sind die dritte Generation der Familie, die als Stuntmänner ihr Können zeigen. Schon ihr Großvater habe Ende der 1960er-Jahre Stunts gezeigt. Die Auto seien stabiler geworden, sagt Steven Korth „Im Alter von vier Jahren fuhren wir schon auf dem Mini-Motorrad durch den Feuertunnel“, so Korth. Das Autofahren hätten sie im Alter von 7 Jahren gelernt, auf abgesperrten Plätzen.

Knochenbrüche und Gehirnerschütterungen

28 Knochenbrüche, 14 Gehirnerschütterungen und eine Menge verlorener Haut gehörten zum Job, sagt der Motor-Artist. Eine Gefahr für die Fahrer seien Airbags. „Bei frontalen Crashs können sie einen schützen aber wir überschlagen uns seitlich mit den Wagen“, erklärt Korth. Die schützenden Luftkissen könnten Quetschungen verursachen. Der Gedanke ans Aufhören sei Korth nie gekommen: „Wir sind da reingeboren worden. Vor der Show geht im Kopf ein Schalter um. Man geht alles noch einmal in Gedanken durch, dann läuft alles ab, wie in einem Film“.

Die Brüder Korth, bei deren Shows Autounfälle zum Programm gehören, helfen Autos sicherer zu machen. „Wir sind lebendige Crashtest-Dummies, die Puppen können nicht berichten – Wir schon“, sagt Korth. Die Stuntmänner arbeiten mit der Dekra Thüringen zusammen. Sie testen Sicherheitsgurte. Auf dem Hockenheim Ring testen sie Reifen in extremen Fahrsituationen. Auch Stoßdämpfer testen sie mit Sprüngen, bei denen die Materialen mehr als vier Mal so stark belastet werden, wie im Alltag. Um die „World of Motorshow“ zeigen zu können, müssten die Organisatoren viele Auflagen beachten. „Wir sind die einzige Show, die mit dem Arbeitsschutzzentrum in Deutschland zusammen arbeitet.

Die Materialen, unter anderem Seile zum Sichern der Fahrzeuge, würden auch bei Kontrollen des Zentrums überprüft. Damit die Zuschauer hinter den Schutzzäunen sicher sind, investiere man über 100 000 Euro in Equipment. Es wird in zertifizierten Betrieben gefertigt. „Andere machen Stunts, um damit Geld zu verdienen. Wir verdienen Geld, um Stunts zu machen“, sagt Korth.

Die Motorshow der Korths hat viele Nachmacher. Die hätten sich bei der Stadt Braunschweig schon als die „World of Motorshow“ ausgegeben, um den Brüdern den Platz für die geplante Show vor der Nase wegzuschnappen, erklärt Korth. „Es gibt viele Möchtegerns, die uns kopieren. Die achten nicht auf Sicherheit“. Die Nachmacher zeigten oft sehr schlechte Shows. „Wenn wir mit unserer Show nach denen in die Stadt kommen, haben wir wenige Besucher“. Rund 40 Shows zeigt das Team der „World of Motorsport“ im Jahr. Eine Rente kann der Stuntman nicht erwarten. „Die wäre unbezahlbar, über 10 000 Euro im Monat“, erklärt Korth. In Deutschland sei es immer schwieriger, Werbung zu machen und gebrauchte Autos zu kaufen, die bei der Monstertruckshow zerstört werden. Mit den Monstertrucks geht es deswegen von April bis November 2019 auf Tour nach Frankreich. „Wir waren vor zwei Jahren da und der Zuspruch war sehr hoch und haben dort nicht so viele Mitbewerber.“

Von Julian Habermann

13.05.2018
13.05.2018
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