Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstädter Häuser-Serie "Duderstadt": Ein Buch des Fotografen Götz Diergarten wird zur Schnitzeljagd
Die Region Duderstadt Themen Duderstädter Häuser-Serie "Duderstadt": Ein Buch des Fotografen Götz Diergarten wird zur Schnitzeljagd
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 18.08.2013
Von Ilse Stein
Beeindruckender historischer Straßenzug der Hinterstraße: 1852 wurden hier bei einem Brand mehr als 100 der Häuser beschädigt. Quelle: Iris Blank
Anzeige
Duderstadt

Hinterstraße 11,17
Vom Westerturm kommend biegen wir nach links in die Hinterstraße ein,  die längste Straße von Duderstadts Innenstadt, die bis parallel zur Marktstraße direkt zum hinteren Bereich von St. Cyriakus, der katholischen Kirche, führen wird. Im 16. Jahrhundert hieß sie deshalb auch Lange Gasse.

Fachwerk und interessante Geschichte bietet hier beinahe jedes Haus. Den Fotografen hat als erstes das Haus Nummer 11 interessiert, wo sich Motive aus der Renaissance betrachten lassen. Die Füllhölzer zwischen den Balkenköpfen treten bauchig hervor und sind mit Ranken und Blumenornamenten geschmückt – zu sehen sind die Details im Flur des ersten Stockes im Hotel zum Löwen. Ein kleiner Türknopf am Haus Nummer 17 ist das nächste Fotografen-Motiv.

Hinterstraße 21-25
Hier hat Historikerin Maria Hauff feinstes Rokoko mit aufwendigem Muschelwerk ausfindig gemacht. Den Künstler und Fotografen Diergarten reizt ein eher schliches Balkenstück. Der Hauseingang weist auf einen wohlhabenden Besitzer hin, den Ratsherren Johann Henrich Holzborn (1752-1787).

Hinterstraße 28, 30, 36
„An Gottes Segen ist alles gelegen“ ist die Inschrift am Haus Nr. 28,  eines um 1700 entstandenen Fachwerkhauses. 16 schmuckvolle Füllhölzer sind zu entdecken, Schlangenwesen waren wohl die Spezialität des Schnitzmeisters – und interessant für immerhin vier große Fotografien, die jetzt die Zimmer im Hotel zum Löwen schmücken.

Auch wenn vom original Fachwerk nicht mehr so viel zu sehen ist: Die reich verzierte Tür ist ein Hingucker. Die Breite der Tür ist es, die in der Hinterstraße 36 Interesse erregt: Sie konnte Pferdefuhrwerke durchlassen – oder auch die Möglichkeit bieten, die Braupfanne unbeschädigt von Haus zu Haus weiterzureichen.

Immerhin 350 Bürgerhäuser hatten seit dem Mittelalter Braurechte. Wie Hauff herausfand, hat erst der nachlassende Bierdurst der Duderstädter die Hausbrauerei um 1850 zum Erliegen gebracht. Hans Georg Näder, Besitzer des Hotels zum Löwen, will diese Tradition im September 2013 wiederbeleben: im Keller des Hotels.

Hinterstraße 50, 62, 69 und 71
An der Fassade der Hinterstraße 50 lernen wir Duderstadt-Flaneure wieder etwas Neues: An den Doppel- und Dreifachfenstern erkennt man die klassizistische Fachwerkkonstruktion, wie sie in Duderstadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vertreten ist. Fußstreben in Form eines „M“ hingegen, so Historikerin Hauff, seien die untrüglichen Erkennungszeichen für barockes Fachwerk des 18. Jahrhunderts.

Das hat unseren Fotografen aber weder hier noch an den anderen Häusern mit den Nummern 62, 69 oder 71 interessiert: Seine Details entstammen mal wieder vorwiegend aus den Türrahmen und Türblättern. Vor dem Eingang des Hauses 69 fragen wir einen jungen Mann, der gerade das Haus verlässt, ob er denn wisse, dass dieses Gebäude ein Kunstwerk sei. Der Blick in das Diergarten-Büchlein überrascht ihn deutlich, der Hinweis auf eine Fotografie seiner Haustür, die man nunmehr im Löwen besichtigen könne, noch mehr.

Hinterstraße 73 und 75
Hinterstraße 73: Hier stehen wir vor einem der größten Schmuckstücke der Stadt. Bauherr David von Sothen, Angehöriger einer Duderstädter Ratsfamilie, hat die reich verzierte Fassade 1600 in Auftrag gegeben. Die Inschrift lautet: „Ich hoff, auf dich Herr Jesu Christ, Ich weiss, das du sehr (hier fehlt etwas) ..Herz im Leib das freuet sich, Du wirst mit helfen.... Ich dein Barmherzigkeit rühmen und preisen in Ewigkeit.“

Vermutlich ist sie einem evangelischen Kirchenlied entnommen. Dezidiert protestantische Hausinschriften brachte man um das Jahr 1600 herum auch an anderen Duderstädter Häusern an. Nebenan findet sich ein Kontrastprogramm im Haus Nummer 75: ein Ackerbürgerhaus mit Braurecht, das um 1500 entstanden ist.

Hinterstraße 78, 81 und 89
In der oberen Hinterstraße verbindet die große klassizistische Häuserfamilie, so Historikerin Hauff, eine gemeinsame Geschichte: Ein Brand fegte 1852 durch die Straße und hatte nach drei Tagen mehr als 100 Häuser zerstört.  

Hausnummer 81: Das barocke Ackerbürgerhaus stammt aus dem Jahre 1670.  Die Jahreszahlen 1742 und 1985 schmücken das Gebäude, in dem der Stadtschultheiss Johann Christoph Böning von 1684 bis 1714 gewohnt hat. Er soll eine Autorität im Duderstädter Stadtrat gewesen sein und 1690 verfügt haben, dass mit hohen Strafen rechnen müsse, wer sich beim Ratsessen Sticheleien oder gar Schlägereien hingäbe. Ob die Verfügung heute noch gilt, ist allerdings nicht bekannt.

Bei der Nummer 89 angekommen, haben wir einen direkten Blick auf die Kirche St. Cyriakus. Das passt, denn in diesem Haus in der Hinterstraße wohnte zeitweilig ein geistlicher Herr, der Propst und Prälat Rudolf Bank, Stadtpfarrer von 1893 bis 1919. Er war Duderstädter Ehrenbürger und Stifter des nazarenischen Fensters im Langhaus von St. Cyriakus.

Bank starb als Domkapitular 1932 in Hildesheim. Die geometrisch angeordneten Briefkasten-Schlitze im Türblatt, die haben es dem Fotografen angetan. Vom der Geschichte Banks hat er dabei wohl nichts gewusst.

Nächste Folge: „Bei der Oberkirche“.

In seinem Buch „Duderstadt“ unternimmt der international bekannte Fotograf Götz Diergarten einen Spaziergang durch Duderstadt: mit Detailaufnahmen von 50 Fachwerkhäusern. Hier die Häuser hinter den Details. Teil 5: Die Hinterstraße.
Mehr zum Thema

In seinem Buch „Duderstadt“ unternimmt der international bekannte Fotograf Götz Diergarten einen Spaziergang durch Duderstadt: mit Detailaufnahmen von 50 Fachwerkhäusern, die alle das Hotel zum Löwen schmücken. Ilse Stein hat sich auf eine Schnitzeljagd der anderen Art gemacht und die Häuser hinter den Details gesucht. Teil 4: Haberstraße und Sackstraße.

Ilse Stein 12.08.2013

In seinem Buch „Duderstadt“ unternimmt der international bekannte Fotograf Götz Diergarten einen Spaziergang durch Duderstadt: mit Detailaufnahmen von 50 Fachwerkhäusern, die alle das Hotel zum Löwen schmücken. Ilse Stein hat sich auf eine Schnitzeljagd der anderen Art gemacht und die Häuser hinter den Details gesucht. Teil 3: Steintorstraße.

Ilse Stein 12.08.2013

In seinem Buch „Duderstadt“ unternimmt der international bekannte Fotograf  Götz Diergarten einen Spaziergang durch Duderstadt: mit Detailaufnahmen von 50 Fachwerkhäusern, die alle das Hotel zum Löwen schmücken. Ilse Stein hat sich auf eine Schnitzeljagd der anderen Art gemacht und die Häuser hinter den Details gesucht. Teil 2: Scharrenstraße, Apothekenstraße, Steinstraße.

12.08.2013