Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Morgens um 10 Bootsverleih in Seeburg: Perfekter Morgen am See
Die Region Duderstadt Themen Morgens um 10 Bootsverleih in Seeburg: Perfekter Morgen am See
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:11 06.08.2013
Leine los: Karl-Heinz Weidemann (rechts) gibt Heiner und Annabelle Bernhard den letzten Anschubser zu einer Tretbootfahrt auf dem Seeburger See. Quelle: Walliser
Anzeige
Seeburg

Eine sachte Brise, ein frischer Duft nach Wasser, es sind kaum Geräusche zu hören. Die Sonne ist schon da und verspricht einen herrlichen Tag. Über die glitzernde Oberfläche gleiten wir nahe an die Seerosen, wo der Haubentaucher auf seinen Eiern sitzt. So nah kommt man den Seebrütern vom Ufer aus nicht. 10 Uhr am Seeburger See – ein perfekter Morgen zum Bootfahren.

„Ihr fahrt bitte nicht ins Naturschutzgebiet“, hatte Bootsverleiher Karl Heinz Weidemann Heiner Bernhard und seiner elfjährigen Tochter Annabelle kurz vorher noch bestimmt hinterher gerufen. Die beiden sind am diesem Sonnabend aus Gerblingerode hierher gekommen, um ein Tretboot zu mieten.

Anzeige

Acht Euro für eine Stunde, eine halbe kostet schon sechs – da lohnt sich die Mehrausgabe von zwei Euro. „Die Tretboote sind der Renner“, sagt Heinz Weidemann. Die ersten zwei wurden im vergangenem Jahr angeschafft, die restlichen acht sind dieses Jahr dazu gekommen. Die unkomplizierten Tretboote sind bei Familien besonders beliebt.

„So können wir beide zusammen etwas unternehmen“, hatte Vater Bernhard erklärt, der in dieser Saison nicht das erste Mal hier ist.

Der nächste Interessent, nur zehn Minuten später, ist gar keiner: „Wir wollen mit unserem aufblasbaren Paddelboot auf den See – geht das?“ Natürlich nicht. Der ganze See und Teile des angrenzenden Schilfgürtels stehen seit genau 40 Jahren unter Naturschutz.

„Auge des Eichsfeldes“

Lediglich die 30 Boote des Seeburger Bootsverleihs, der von der Gemeinde Seeburg betrieben wird, sind erlaubt. „Und auch dann muss ich den Leuten immer wieder sagen, dass sie Grenzen einhalten müssen“, sagt Weidemann.

Zwei so genannte Paraboote für Menschen mit Behinderung sind eine Besonderheit des Bootsverleihs. Die Amphibienboote werden mit zwei Ketten betrieben, ähnlich wie ein Fahrrad.

Trotz des idealen Wetters ist aber heute Morgen nicht so viel los. Immerhin hat der Bootsverleiher heute früh aber schon drei Angelscheine verkauft. Tagesscheine für Gastangler kosten 7,50 Euro. Vom Boot aus kann dann mitten auf dem See die Angel ausgeworfen werden. Das „Auge des Eichsfeldes“ gilt als gutes Revier, in dem Aal, Hecht, Zander und Schlei zuhause sind.

In einer Serie beuscht das Tagebaltt morgens um 10 Uhr Menschen und Orte der Region. heute: Der Bootsverleih am Seeburger See. 

Für die Sportangler gibt es besondere Holzboote mit Kunststoffboden. „Die Fische werden ja gerne direkt an Ort und Stelle ausgenommen“, sagt Weidemann, der selbst passionierter Angler ist. Die Angelrute hängt heute vom Steg an der Ostseite des kleinen Bootshauses im Wasser.

Nach unserem Ausflug auf den morgendlichen See ist Zeit für einen Kaffee, der in der voll ausgestatteten Küche des Bootshauses aufgebrüht wird. „Viele denken, ich wohne hier“, sagt Weidemann. Außer der Küche beherbergt das Bootshaus noch ein winziges Bad, das mit Angelutensilien gut gefüllt ist.

Den umlaufenden Steg schmücken prächtige Sommerblumen und ein duftender Oleander, der in der Morgensonne für ein bisschen südliches Flair sorgt. Ein Traum-Arbeitsplatz für den braungebrannten Gerblingeröder, der im Hauptberuf eine Firma für Hausmeisterservice betreibt. In der Saison, die vom 1. Mai bis 31. Oktober geht, kümmern sich Angestellte um das Geschäft. 

Er selbst ist von 8 Uhr morgens an im Bootshaus, offiziell öffnet der Verleih von 9 bis 19 Uhr. Vor zwei Jahren hat der 52-Jährige, der in Brehme geboren und aufgewachsen ist, den Job als angestellter Bootsverleiher beim Zweckverband Seeburger See von seiner Vorgängerin übernommen, die damals in den Ruhestand ging.

„Wollt Ihr fahren?“

Die meisten Besucher, „so etwa 400 bis 500“, kämen sonntags. „Wenn dann so ein Wetter ist wie heute, bin ich froh, dass ich noch einen Helfer habe“, sagt Weidemann.

Der Seeburger See ist bei Ausflüglern beliebt: „Gerne nehmen sich die Leute auch einen Picknickkorb mit und genießen die Atmosphäre mitten auf dem Wasser“, sagt der Bootsverleiher.

Gäste des nahen Grafen Isang kommen oft spontan vorbei – wie die vierköpfige Familie Kubatzky aus Hannover, die jetzt um die Ecke des Bootshauses schaut und mit einem routinierten „Wollt Ihr fahren?“ begrüßt wird. Klar, wenn sich das hier so anbietet. Wegen des zehn  Monate alten Niklas soll aber eine halbe Stunde reichen.

Weidemann hat für alle potenziellen Bootsfahrer noch einen besonderen Tipp: „Vor dem Besteigen der Boote bitte das Handy gut verstauen – was meinen Sie, wie viele dieser Dinger schon im Schlamm des Sees liegen!“

Von Birgit Freudenthal

Anzeige