Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Morgens um 10 Das Lädchen am Ring von Detlef Klippstein
Die Region Duderstadt Themen Morgens um 10 Das Lädchen am Ring von Detlef Klippstein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:56 19.07.2013
Zigaretten, Hochprozentiges, Shishas und Süßes: Detlef Klippstein bietet im Lädchen „das, was die Kunden haben wollen“ und dazu persönliche Atmosphäre.
Zigaretten, Hochprozentiges, Shishas und Süßes: Detlef Klippstein bietet im Lädchen „das, was die Kunden haben wollen“ und dazu persönliche Atmosphäre. Quelle: Pförtner
Anzeige
Duderstadt

Es ist ein Kommen und Gehen, es wird geplaudert, gestöbert, Kaffee getrunken – und gekauft natürlich. Seit frühmorgens geht das schon so, „vor allem am Wochenende und mittwochs, wenn die neuen Lottoscheine ausgefüllt werden“, sagt Detlef Klippstein.

Meist warten die ersten Stammkunden bereits, wenn der Desingeröder seinen kleinen Laden neben dem großen Penny-Markt am Duderstädter Adenauerring um 8 Uhr öffnet.

Wolfgang Rosenplänter aus St. Andreasberg tippt heute vormittag gleich für vier Wochen im Voraus. „Wenn ich bei meiner Lebensgefährtin in Gerblingerode bin, komme ich immer hierher, vor allem wegen der persönlichen und freundlichen Atmosphäre.“ Oder vielleicht doch eher wegen der Mitgebsel, die Detlef Klippstein seinen Kunden auf den Tresen legt? Schlüsselanhänger, mit oder ohne Einkaufschip oder durchsichtige Hüllen für den knickgefährdeten Lottoschein kommen jedenfalls gut an.

Käuflich sind die nachfüllbaren Stabfeuerzeuge in Form einer Flinte, die gut sichtbar in einem Ständer neben dem Tresen platziert sind. Ob man die gebrauchen kann? Rosenplänter überlegt noch. „Davon habe ich schon einen gekauft – als Geschenk“, wirft eine junge Frau ein, die gerade eine Zeitschrift für ihren Mann bezahlt hat.

„Eichsfeld-Ecke“ darf nicht fehlen

„Hier gibt es vieles, was Sie woanders nicht finden.“ Der neugierige Blick in die Regale des großzügig und aufgeräumt wirkenden Ladens fördert so einiges zutage, was man hier nicht erwarten würde: Senf aus Manufakturherstellung in den Sorten bunter Pfeffer, Wasabi oder Bärlauch.

Thymian-Honig und Pfirsich-Maracuja-Aufstrich mit Zitronengras. Deutschen Absinth und französischen Cognac. Möglich macht dies eine Einkaufsgesellschaft, welche die angeschlossenen „Depositäre“ ausschließlich mit Spezialitäten beliefert. Eine „Eichsfeld-Ecke“ darf dabei nicht fehlen; hier gibt es Heidelbeerlikör und andere regionaltypische Leckereien.

Die größte Überraschung sind aber wohl die Wasserpfeifen, Shisha genannt, samt dem dazugehörigen Tabak in 25 verschiedenen, aromatisierten Sorten. „Einmalig im Eichsfeld“, meint dazu Nichtraucher Detlef Klippstein.

Sogar für Raucher, die völlig auf Nikotin verzichten möchten, hat er etwas: „Das hier sind Steine, aromatisiert und angefeuchtet. Sie werden anstelle des Tabaks in die Shisha gefüllt“, sagt der Ladenbesitzer und zeigt ein rundes Döschen mit leicht klackerndem Inhalt.

Daraus lässt sich etwas machen

„Ich biete das an, was die Leute haben möchten“, sagt Klippstein, der 20 Jahre lang in der Autobranche gearbeitet hat. Rückenprobleme zwangen den gebürtigen Mühlhäuser vor drei Jahren, sich beruflich neu zu orientieren. Die Idee, das Lädchen zu übernehmen und sich mit 54 Jahren selbstständig zu machen, sei von seiner Frau Doris ausgegangen.

„Wir haben uns hier vier Wochen hingesetzt, Verkauf, Kunden, Lage und Sortiment beobachtet und analysiert.“ Am Ende stand fest: Daraus lässt sich etwas machen.

Wohnmobilcamper vom nahen Stellplatz können jetzt hier Wertmarken für die Entsorgung kaufen, „auch wenn andere Verkaufsstellen schon geschlossen haben“. Eine bestimmte Ausgabe einer Fachzeitschrift ist nicht mehr im Regal?

Viel mehr als eine Verkaufsstelle

Klippstein bestellt sie nach. Kinder finden außer den obligatorischen Süßigkeiten natürlich Eis, aber auch Schulhefte und Stifte. Seit neuestem hat das Lädchen auch Tintenpatronen für Drucker im Angebot – der Ladenbesitzer überlegt ständig, wie er sein Angebot erweitern kann.

Dass sein Lädchen aber viel mehr ist als eine Verkaufsstelle, wird spätestens klar, als Karoline Lux ihren Rollator herein schiebt. Die 80-Jährige braucht neuen Lesestoff. Zum Glück wohnt sie um die Ecke, „in die Stadt zu kommen, wäre zu mühsam“.

Sie ist nicht nur um 10 Uhr morgens im Laden, sondern kommt oft mehrmals täglich, trifft sich mit ihrer Freundin zum Kaffeetrinken am Tisch draußen, und begrüßt den weißen Pudel Max, das Ladenmaskottchen.

Und natürlich war sie auch da, als Detlef Klippstein vor kurzem sein „Einjähriges“ gefeiert hat, mit Party und Verkostung einiger seiner Spezialitäten. Ebenso übrigens wie Wolfgang Rosenplänter, der jetzt extra nochmal in den Laden zurückkommt, um doch noch das Stabfeuerzeug zu kaufen.

Von Birgit Freudenthal