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Morgens um 10 Menschliches Auge überwacht Maschinenarbeit
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15:50 11.09.2009
Computergesteuerte Abläufe, vom menschlichen Auge überwacht: Eberhard Buch behält den Überblick in der Kappstation.
Computergesteuerte Abläufe, vom menschlichen Auge überwacht: Eberhard Buch behält den Überblick in der Kappstation. Quelle: Pförtner
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Unsere Firma besteht aus Sägewerk und Holzfachhandlung“ beschreibt Thomas Kurth die Struktur des Familienunternehmens. Der 47- Jährige und sein Vater Reinhard sind Geschäftsführer des Familienunternehmens, das mit Thomas schon in der dritten Generation besteht. Morgens um 10 Uhr herrscht bei Kurth-Holz bereits volle Betriebsamkeit. Denn im Sägewerk wird montags bis freitags produziert, nur sonnabends stehen im Sägewerk Reinigungs- und Wartungsarbeiten auf der Tagesordnung.

Als Rohmaterial dienen Baumstämme von ungefähr 20 Metern Länge, die mit entsprechenden Lastkraftwagen, so genannten Langholzwagen, angefahren werden. Sie kommen überwiegend aus Forstbetrieben der Region.

Geschulte Blicke

Bevor die Stämme weiterverarbeitet werden, werden sie maschinell von Ästen und Rinde befreit und vermessen sowie, ihrem Bestimmungszweck entsprechend, zugeschnitten und gegebenenfalls markiert. An der „Kappstation“, wo das geschieht, sitzt Eberhard Buch. Das Computersystem vermisst die Stämme, so dass sie optimal genutzt werden können, aber menschliche Augen überwachen das Ganze außerdem genauestens. Je nach Länge, Dicke und sonstiger Beschaffenheit ermittelt zum einen der Computer, was aus einem Stamm werden kann, zum anderen die geschulten Blicke der Mitarbeiter.

Vermessen wird zweidimensional, also in Länge und Durchmesser, sowie dreidimensional. Drei Teile entstehen aus einem Baumstamm: ein zur einstigen Krone hin dünner werdendes Ende, das „Zopf“ genannt wird, ein Mittelstück (Mittendurchmesser) sowie ein dickes (zur einstigen Wurzel hin), das „Stock“ genannt wird.

Markierung per Hand

Was einmal vorbestellter Produktion zukommt, markiert Eberhard Buch dem Auftrag entsprechend per Hand. „Zwar erkennt das System jeden Stamm durch Vermessung wieder, aber Fehlfunktionen sind ja nie ganz ausgeschlossen“, erklärt Kurth. Da sei die Markierung eine gute Absicherung.

Holzreste werden je nach Beschaffenheit zur Weiterverarbeitung an entsprechende Industriezweige weitergegeben. Aus ihnen werden zum Beispiel Spanplatten, Pappe oder Holzbrennstoffe.

Je nach Länge und Format sortiert die Anlage die vorab zugeschnittenen Holzstücke. Der weitere Zuschnitt kann erfolgen. Die großen Arbeiten erledigt ein Gatter. Dabei treibt ein Schwungrad über eine Pleuelstange das Sägeblatt an. „Einerseits ist dieses Verfahren sehr wirtschaftlich, was den Energieverbrauch betrifft, aber nicht so schnell wie Kreissägeblätter“, erläutert Kurth Vor- und Nachteile beim vorhandenen Gatter.

Die Steuerung des Gatters überwacht gerade Juri Priebe. Neben Tastaturen und Joysticks (Steuerhebel) stehen ihm mehrere Bildschirme zur Verfügung, auf denen er verschiedene Arbeitsschritte im Auge behalten kann.

Das Werk verfügt seit einiger Zeit über eine Sägeanlage namens Säumer. Wenn aus den Stämmen, die von Natur aus Rundhölzer sind, Kanthölzer werden, bleiben Ränder übrig. Aus diesen fertigt der Säumer Bretter. Sie werden mit maschineller Hilfe sortiert und zurechtgeschnitten.

Energie aus Rapsöl

Die Energie für die gesamte Anlage erzeugen Kurths selbst mit einem Blockheizkraftwerk. Aus Rapsöl wird zum einen Strom gewonnen, zum anderen Wärme – letzteres zum Beispiel für die Trocknungsanlage. Im Sägewerk sind ungefähr 15 Arbeitskräfte zugange. Als Kurths rechte Hand koordiniert Diplomingenieur Matthias Hartmanndas Geschehen und legt, wenn nötig, selbst Hand an.

Derweil schauen sich Kunden im Holzfachhandel um. Hier gibt es nicht nur Baustoffe für das Dachgebälk, sondern auch Beläge für Böden, Decken und Wände, Türen sowie Accessoires, Gartenmöbel und mehr. Im Handel sind 13 feste Kräfte aktiv sowie drei Aushilfen und vier Auszubildende. Unter den festen Kräften ist auch Thomas Kurths Frau Sabine Kurth, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Der Baustoff Holz, in mehreren Lagerhallen in mannigfaltiger Form zu finden, ist aufgrund seiner Beschaffenheit gefragter denn je – auch aus ökologischen Gesichtspunkten. „Dennoch spüren wir die momentane wirtschaftliche Lage deutlich“, so Kurth. Mit ständiger Weiterentwicklung hält Firma Kurth-Holz dagegen. Im Schnitt werden im Sägewerk rund 40000 Festmeter pro Jahr verarbeitet.

40 Mitarbeiter im Team

Gegründet hatte das Unternehmen Aloys Kurth im Jahre 1946, damals als Nebenerwerb zur Landwirtschaft. In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg bestand Nachfrage nach dem Baustoff Holz, so dass bald drei feste Arbeitskräfte am Werk waren. 1963 hatte Sohn Reinhard die Geschäftsführung übernommen. Reinhards Sohn Thomas ist seit 1983 mit dabei.

Im Jahr 1992 wurde Holz-Kurth Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Heute sind fast 40 Mitarbeiter im Team – einschließlich dreier Aushilfskräfte sowie vier Auszubildender.

Von Matthias Moneke

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