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Morgens um 10 Millimeterarbeit auf 70 Hektar großem Gelände
Die Region Duderstadt Themen Morgens um 10 Millimeterarbeit auf 70 Hektar großem Gelände
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19:18 21.08.2012
Vorbereitung: Mit einem speziellen Fahrzeug mäht Constantin Elsner von der Malsburg den Rasen des Golfplatzes.
Vorbereitung: Mit einem speziellen Fahrzeug mäht Constantin Elsner von der Malsburg den Rasen des Golfplatzes. Quelle: Walliser
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"Golf ohne Grenzen“, heißt es auf dem Rotenberg bei Brochthausen. Zunächst stand bei der Besitzerfamilie des Rittergutes Rothenberger Haus, Schulze-Niehoff, der Getreideanbau im Vordergrund. 1994 eröffneten Klaus und Eva-Maria Schulze-Niehoff dann einen Golfplatz in idyllischer Landschaft – zunächst mit neun Löchern, bis 1998 auf 18 Löcher komplettiert.

Morgens um 10 Uhr herrscht schon seit Stunden Betriebsamkeit auf dem Golfplatz: Ab 6 Uhr sind die Greenkeeper unterwegs, um das 70 Hektar große Gelände in Ordnung zu halten. Dabei sind sie zu fünft. Die Verantwortung hat Headgreenkeeper Günter Hinzmann.
Greenkeeper ist Englisch und bedeutet wörtlich übersetzt Grünerhalter. Dazu gehöre es aber nicht nur, den Rasen täglich zu mähen – die Bereiche um die Löcher, die Greens, millimetergenau – sondern auch zu düngen, zu wässern, Hecken zu schneiden und Wartungsarbeiten durchzuführen, erläutert Greenkeeper Constantin Elsner von der Malsburg.

Würden Löcher geschlagen, würde das auch ausgeglichen. „Das machen wir mit Sand, in dem Grassamen bereits enthalten sind, den wir dann glattziehen“, erklärt Elsner von der Malsburg. Um Sand in den Bunker genannten Hindernis-Sandgruben zu glätten, kommen kleine Fahrzeuge zum Einsatz. Anstelle eines Mähers wird dann eine Art Harke angebaut. Besonders rasenschonend bereift – dennoch, die Greens umfährt man, wenn es geht – haben sie nur drei Räder, ähneln nicht den üblichen Rasenmähertreckern und zeichnen sich durch besondere Wendigkeit aus. Die brauchen sie für die Bereiche, die mit normalen Aufsitzern nicht erreichbar sind.

Auch für die Bewässerung gibt es spezielle Technik. Der Greenkeeper öffnet eine Klappe in der Grasnarbe. Hier befindet sich einer der Knotenpunkte der computergesteuerten Bewässerung der Greens. Hier, wo die Bälle über die letzten Meter nicht mehr durch die Luft geschlagen, sondern mit dem dafür gedachten Schläger, dem Putter, ins Loch gerollt, also geputtet werden, kommt es haargenau auf die Beschaffenheit der Grasnarbe an. Automatisch kommen kleine Ventile aus dem Boden und versprühen Wasser.
Elsner von der Malsburgs Frau Johanna ist eine geborene Schulze-Niehoff. Die Tochter der Platzeigentümer war von Anfang an dabei und ist heute Geschäftsführerin. Sie kennt den Platz bis ins Detail. Mit einem motorisierten Golfcaddy fährt sie das Gelände ab und weiß so manche Anekdote zu den 18 Löchern zu erzählen.

Wenn bei Golfkennern von Löchern die Rede ist, sind nicht nur die Löcher an sich gemeint, sondern die ganze Strecke vom Abschlag bis zum Loch. Und derer gibt es normalerweise 18 mal je zwei – je eines für Frauen beziehungsweise für Männer, wegen der unterschiedlichen zurückzulegenden Streckenlängen. Genau markiert und zertifiziert sind diese durch Hinweisschilder und Plaketten des DGV (Deutscher Golf-Verband).

„Auf die Form hat meine Mutter damals bestanden“, sagt die 31-jährige und zeigt auf einen Bunker in Herzform. Ein weiteres Loch weist ein anderes Hindernis auf: einen Teich, in dem schon einige Bälle gelandet sind. „Auch wenn dieses Loch streckenmäßig nicht das schwierigste ist, ist es psychologisch knifflig“, weiß die Junior-Chefin, die zum Beispiel eine sehr gute Golfspielerin daran hat verzweifeln sehen. „Versenkt man Bälle im Wasser, kassiert man Strafschläge. Das verdirbt die Anzahl an Schlägen, die für die Löcher benötigt werden, und die man möglichst gering halten will.“ Die durchschnittliche Zahl an Schlägen, die ein Profi-Golfer für ein Loch braucht, nennt man Par. Das Akronym steht für die englische Bezeichnung „Professional average result“. Jedem Loch ist ein Par zugeordnet. Bei Profis, geht man von einem Durchschnitts-Handicap von Null aus. Nach den Schlägen, die man über oder unter Par braucht, errechnet sich das Handicap, jener Wert, durch den der Übungsstand eines Spielers ausgedrückt wird.

Golf ohne Grenzen, die Bezeichnung ist nicht nur auf das Areal direkt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bezogen. Golf sei auch längst nicht mehr Besserverdienern vorbehalten, erläutert Johanna Elsner von der Malsburg. Beispielsweise würden günstig Schnupperkurse angeboten. Gerade sieht man Trainer Neil Reid mit einer solchen Gruppe auf dem Übungsgelände.

Auch das Einzugsgebiet ist nicht regional beschränkt. Auf dem Parkplatz zeugen die Kennzeichen von Golfspielern aus der Region sowie aus Mainz oder Berlin. „Ein Spieler, der beruflich oft von Hamburg nach München muss, macht gern bei uns Zwischenstopp“, betont die Juniorchefin den Erholungswert der Sportart Golf. Für den Appetit gibt es vor Ort Gastronomie für den Sportbedarf einen eigenen Laden

Auch sei der Platz öfter Austragungsort größerer Turniere, so der Deutschen Meisterschaft der Golfer mit Behinderungen im August. Emsig laufen die Vorbereitungen – und nicht erst seit 10 Uhr.

Von Matthias Moneke