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Morgens um 10 Wo Estragon, Salbei und Radieschen wachsen
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19:23 31.08.2012
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Duderstadt

Er ist sozialpädagogischer Anleiter. „Das heißt, dass ich organisiere und das Mädchen für alles bin“, sagt er schmunzelnd. Morgens seien regelmäßig Besucher im Kräutergarten. „Er steht allen Bürgern offen. Und jeder darf sich auch kleine Mengen mitnehmen“, erklärt Stoffers.
Davon macht Simon Tuschke häufiger Gebrauch. „Ich nehme mir nachher auf jeden Fall Lauchzwiebeln, Mohrrüben und Pfefferminz mit“, sagt der 22-Jährige. Anna und Alois Auer sind zufällig vorbeigekommen. „Wir sind aus Alfeld und bei gutem Wetter gerne mal in Duderstadt“, sagen sie. Die Idee des Kräutergartens finden sie gut. „Ich habe selber einige Kräuter im Garten und koche mit frischen Zutaten. Das ist geschmacklich viel besser als das ganze Fertigzeugs“, erklärt Alois Auer (64).

Elke Siekiera steht vor dem frischen Dill. „Morgen gibts Fisch“, murmelt sie, während sie den Dill pflückt. Die 60-Jährige ist mit Linda (10) und Jolina (6), auf die sie regelmäßig aufpasst, im Kräuterpark. Die beiden Kinder kennen sich aus und erkennen Pfefferminz, Brombeeren und Radieschen auf Anhieb. „Die Brombeeren sind noch sauer“, sagt Linda mit verzogenem Gesicht. Ein Biss in die Gurke entschädigt. „Die schmeckt viel besser.“ Die Zehnjährige läuft zu den Radieschen. „Die sind aber noch zu klein, die kann man noch nicht pflücken“, erklärt sie.

Damit die Nutzpflanzen wachsen können, jäten Marcel Röling und Dirk Roll Unkraut. Alles mit der Hand. „Wir verzichten auf chemische Wirkstoffe und nutzen auch kein Pflanzenschutzmittel“, erklärt Stoffers. Dadurch gebe es zwar das Problem, dass Schnecken Teile der Pflanzen fressen, aber das nehme das Team in Kauf. „Natürlich ist das manchmal auch ein bisschen frustrierend, aber besser, als chemische Stoffe im Essen zu haben.“

Die Vielfalt im Kräutergarten ist groß: Neben den Klassikern wie Salbei, Petersilie und Oregano wachsen im Garten auch Borretsch und Estragon. „Wir versuchen, auch eher Exotisches anzupflanzen“, sagt Stoffers. 15 bis 20 Mitarbeiter hat das Projekt Sinneswandel. Der Kräutergarten ist nur ein Arbeitsfeld. „Seit April 2011 bauen wir am Garten, vorher war hier Steppe“, sagt Stoffers. Ein Hügel mit Gräsern und anderen wildgewachsenen Pflanzen im hinteren Teil des Gartens zeigt, wie es vor eineinhalb Jahren ausgesehen hat. „Problematisch ist nur, dass wir nur montags bis donnerstags hier sind. Hitze und Schnecken können in drei Tagen schon viel anrichten“, erklärt Stoffers. Allerdings arbeiten einige der Siwa-Angestellten freiwillig am Wochenende, gießen beispielsweise die Pflanzen, sagt Stoffers. Das funktioniert. Links und rechts des Weges durch den Garten wachsen Kräuter und Gemüse.

Von Michael Kerzel